Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Neonazikonferenz Hotel Kreuz (abgesagt)

Neonazikonferenz Hotel Kreuz (abgesagt)

Inhalt:
1. Medienbericht
2. NPS nach 14 Tagen aufgelöst


1. Medienbericht (Originalquelle: https://www.antifa.ch/rechtsradikalen-kongress-mit-npd-in/)
Nazi-Partei gegründet, Treff mit NPD geplant
RECHTSRADIKALE / Berner Rechtsradikale haben eine «Nationale Partei Schweiz» (NPS) gegründet und für Samstag im Hotel Kreuz 200 Gesinnungsgenossen zum Kongress eingeladen – so auch drei offizielle Vertreter derdeutschen NPD, die in der Schweiz Fuss fassen will. Als aber der «Kreuz»-Chef erfuhr, wer da kommen will, hat er das Treffen platzen lassen.

° RUDOLF GAFNER
Eine Gruppe vorab jüngerer Rechtsextremisten hat am 16.April in Bern die «Nationale Partei Schweiz» (NPS)gegründet und einen gut achtköpfigen Vorstand berufen. Präsident und Gründer der Partei ist der 24-jährige David Mulas, ein gelernter Rezeptionist und Koch, der heute «als Journalist tätig» ist, und zwar ausgerechnet bei Berns alternativ-linkem Lokalradio «RaBe» (!). Die NPS sei, so Mulas gestern gegenüber dem «Bund», eine ernst zunehmende Partei, die nicht nur bereits Projekte fürVolksinitiativen habe, sondern in vier Jahren an denNationalratswahlen teilnehmen wolle. Als «relevante Partei» mit rund 60 Mitgliedern und Zugewandten grenze sich dieNPS von gewaltbereiten Nazi-Ultras und Skinheads ab: «Wir wollen unseren Nationalsozialismus anders ausleben, legalund ohne Gewalt», sagt Mulas; die Partei stehe aber «ganzklar rechts von den Schweizer Demokraten».

«Neofaschist M.» outet sich
David Mulas war Mitte Januar erstmals in Erscheinunggetreten, als er im Regionalfernsehen «TeleBärn» als« Neofaschist M.» erklärte, es gelte, die Rechte in Bern «zustrukturieren», damit «die Linken nichts mehr zu lachenhaben». Ob er auch antisemitisch eingestellt sei, «seidahingestellt», erklärt der Jungrechte (mit hebräischem Vornamen), der sich «auf jeden Fall vom Judenmorddistanziert» und der als Vorbild etwa Adolf HitlersStellvertreter Rudolf Hess nennt. «Die NPS will ähnliche politische Forderungen stellen wie die NPD in Deutschland», so Mulas weiter. Für dieses Ziel setze er sichvoll ein – «ich habe schon 6000 Franken in die neue Parteiinvestiert», sagt er, und dass er seinen «RaBe»-Radiojob jetzt wohl los sei, sei ihm klar.

Drei NPD-Offizielle erwartet
Die Gründung der neuen «Partei» allein ist noch kein Anlass für grosse Besorgnis, denn die NPS ist fürs Erste nicht mehr als bloss eine weitere Splittergruppe in der Berner Rechtsextremenszene. Indes – und dies macht Mulas‘ NPS-Gründung brisant: Seit Dezember 1999 ist bekannt, dass die rechtsradikale National-DemokratischePartei Deutschlands (NPD) hierzulande einen Ablegergründen will – und Mulas‘ Trupp will sich der NPD als «Schwesterpartei» andienen. Dies sind mehr als bloss Hirngespinste des 24-Jährigen: Für Samstag hat die NPS im Berner Hotel Kreuz zu einem Kongress geladen. An die 200 Teilnehmende sind laut Mulas zu erwarten – unter ihnen drei offizielle NPD-Repräsentanten, die vom NPD-Vorsitzenden Udo Voigt persönlich entsandt wordenseien.

«Treffen NPS-NPD» vereitelt
Bereits am 7. April reservierte Mulas im Hotel Kreuz dafür einen Saal. Weil das Hotel jährlich etwa 2400 Anlässe zählt, dachte sich der Hotelier erst nichts dabei, als Mulas den Saal für ein «Treffen NPS-NPD» mietete. Erst als Mulas voneinem «Sicherheitsdienst» redete, der aufgezogen werde, habe er Ungutes geahnt, sagte «Kreuz»-Chef FranzSchüpbach gestern. Und als gestern früh «ein jüngerer Mann» erschienen sei und ihn aufgeklärt habe, an wen erhier einen Saal zu vermieten im Begriffe sei, «haben alle Alarmglocken geläutet» – und so habe er, Schüpbach, Mulas ausgeladen. «Das Treffen gibts nicht, jedenfalls nicht bei mir. Mit Extremen will ich nichts zu tun haben.» Die NPS schaue sich jetzt nach anderen Räumen um, sagt Mulas: «Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir führen den Anlass gleichwohl durch – wenn nicht in Bern, dann ebenanderswo, ja vielleicht halt in Deutschland.» Auch Österreicher hätten sich angemeldet.Eine Einladung zum Treffen in Bern erhalten hat auchRoger Wüthrich aus Worblaufen, einer der «Denker» in der Rechtsradikalen-Szene. Wüthrich – Anfang der 80-er Jahre Mitglied der Nationalen Aktion (jetzt SchweizerDemokraten), dann Gründer der nazistischen«Wiking-Jugend Schweiz», heute Chef des«völkisch-nationalistischen» Zirkels «Avalon» – erklärte gestern dem «Bund», er habe «auf jeden Fall auchhingehen wollen». Die NPS sei vorgestern beim«Ostara-Fest» von «Avalon» auch «ein Traktandum» gewesen. Jedoch: Wüthrich traut Mulas «nicht so recht», schon allein weil dieser beim linken Radio auftrete und mit «Profilierungssucht» auffalle – und so nehme er Mulas’Absichten wie auch die NPD-Expansionspläne «mitgewissem Augenzwinkern zur Kenntnis». Der NPS gebe erohnehin «nicht sehr grosse Chancen», sagt der alte Kämpe, der 15 Jahre rechtsradikaler «Aufbauarbeit» hintersich hat. Für ein Reüssieren der NPS würde Mulas, soWüthrich, «viel Unterstützung von Jungen benötigen – unddiese dürfte ziemlich dürftig ausfallen»; dies zumal vorabSkinheads kaum an Parteiarbeit interessiert seien.


2. NPS nach 14 Tagen aufgelöst (Originalquelle: https://www.antifa.ch/kurzer-spuk-nps-schon-am-ende/)
Die erst vor 14 Tagen in Bern gegründete «Nationale Partei Schweiz» (NPS) hat sich bereits wieder aufgelöst: Am Samstag setzte sich die Zentralsekretärin ab, und am Sonntag hat der Präsident den Druck nicht mehr ertragen und reuig aufgegeben.
rg. «Seit Sonntag 17 Uhr gibt es die Partei nicht mehr», bestätigte der Gründer der rechtsextremen NPS, David Mulas (24) aus Bümpliz, gestern auf Anfrage – um dann abzutauchen: Eine Begründung werde via Communiqué geliefert, er gebe der Presse keine Auskünfte mehr.

Um Kopf und Kragen geredet
Als letzten Mittwoch durch den «Bund» publik wurde, dass am 16. April die NPS gegründet und rund 200 Rechtsradikale zu einem Kongress mit der deutschen NPD nach Bern geladen worden waren, hatte Mulas noch gross geprahlt: Seine NPS zähle schon 60 Mitglieder; als NPD-«Schwesterpartei» strebe sie «politische Relevanz» an – mittels Wahlteilnahmen und Volksinitiativen. Die NPS sei gewaltfrei («Wir wollen unseren Nationalsozialismus anders ausleben»), und ob sie antisemitisch positioniert sei, «sei dahingestellt», sagte der Jung-Nazi, noch vergleichsweise moderat, zum «Bund». Tags darauf begann sich Mulas aber um Kopf und Kragen zu reden: «Wir sind Antisemiten», «gegen die Einrichtung eines Judenstaats» und für «die Erhaltung der weissen Rasse», sagte er der Nachrichtenagentur SDA. Ähnlich äusserte sich Mulas auch zur «Neuen Zürcher Zeitung» und im Tessiner Fernsehen (TSI).Am Freitag zeigte die Stiftung Rassismus und Antisemitismus in Zürich die NPS wegen Verletzung des Antirassismusgesetzes an und forderte vom bernischen Generalprokurator das Verbot der Gruppe – und siehe, schon fiel die «Partei» krachend in sich zusammen. Sabine Schweigert, die NPS-Zentralsekretärin, laut NZZ eine «national bekannte Rechtsextremistin», gab als Nummer 2 ihren Abschied und distanzierte sich offen von Mulas. Auch am Samstag hatte Mulas keinen guten Tag: 100 linke «Antifas» demonstrierten in Bern gegen die NPS, die als «Tarnorganisation für gewalttätige Neonazis» operiere.

Totale Wende: So sorry, Leute
Dann, am Sonntag, konnte der Führer der ersten Schweizer Nazi-«Partei» seit 1945 nicht mehr. Ihm sei die ganze Angelegenheit «über den Kopf gewachsen» – er habe es «mit der Angst zu tun gekriegt», so Mulas laut Erklärung von gestern. Die NPS sei aufgelöst, auch bedaure er, gegenüber Journalisten «geblufft» zu haben. Als über Nacht Geläuterter zeigt er sich nun: «Ich schäme mich für das, was ich angerichtet habe», so der eben noch bekennende Nationalsozialist, der sich jetzt «bei allen, die sich durch meine Aussagen diskriminiert, gekränkt oder angegriffen fühlen, im höchsten Masse entschuldigen möchte». Zur Wiedergutmachung wäre er auch «bereit, für eine karitative Organisation zu arbeiten». «Herunterspielen gefährlich»

Das seis denn also gewesen, der Nazi-Partei-Spuk von Bern – nichts weiter als «jugendlicher Blödsinn ohne Rücksicht», wie Mulas plötzlich tiefstapelt. Daniel Ziehli, Infoleiter beim Lokalradio RaBe, wo Mulas Praktikant (auf Probe) war, sieht es skeptisch. «Das Ganze mit jugendlichem Blödsinn herunterzuspielen ist politisch gefährlich» – und Mulas‘ «naive Darstellungen und widersprüchliche Aussagen» seien zumindest «auffällig», kommentierte Ziehli die im Namen des plötzlich reuigen Mulas verbreitete Erklärung zum Ende der NPS.Ziehli hatte vorgestern mit Mulas gesprochen und den Eindruck eines «unter starkem Druck» stehenden jungen Manns gewonnen, dem die Rolle des rechtsextremen Anführers «zu viel geworden» sei – erst recht, nachdem ihn die Sekretärin habe sitzen lassen.Die Polizei dagegen scheint auf ihn keinen Druck ausgeübt zu haben. Bei Stadtpolizei und Bundesamt für Polizei (BAP) war gestern auf Anfrage «nichts bekannt», was allfällige polizeiliche Kontaktaufnahmen mit David Mulas beträfe.