Tränengaswolke RUAG Thun

Inhalt:
1. Medienbericht


1. Medienbericht (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2002/12/2241.shtml)
In Thun testete letzte Woche die Firma RUAG neue Tränengaspetarden und sorgte für Angst und Schrecken in der Bevölkerung.

Genna will Klarheit über Tränengaswolke
THUN Die Verunsicherung in der Bevölkerung war gross, als sich am vergangenen Freitagmorgen auf dem Thuner Waffenplatz eine Gaswolke ausbreitete. Zahlreiche Personen aus dem Raum Allmendingen beklagten sich bei der regionalen Einsatzzentrale über Reizungen der Augen (siehe «Bund» vom Samstag). Abklärungen der Polizei haben ergeben, dass auf dem Testgelände der Firma Ruag Tränengas entwichen war. Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung habe jedoch nicht bestanden.
Der Thuner Regierungsstatthalter Anton Genna ist dennoch alarmiert. Dem «Bund» sagt er: «Es darf nicht sein, dass die Zivilbevölkerung mit Tränengas eingenebelt wird.» Er verlangt nun von der Polizei eine genaue Abklärung des Unfallhergangs sowie Angaben über die Herkunft des Gases. Im weiteren will er vom Kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit wissen, ob die Ruag Munition AG überhaupt eine Bewilligung für die Durchführung solcher Experimente hatte. Genna ist der Auffassung, dass es sich bei dem freigesetzten CS-Tränengas um einen «nicht ganz harmlosen Stoff» handelt. «Das beunruhigt mich.» Noch sind allerdings keine Ergebnisse bekannt, die Ermittlungen laufen noch.

Ruag testet seit zwei Jahren
Ruag-Konzernsprecher Bruno Frangi bestätigt auf Anfrage, dass die Ruag Munition «sämtliche Bewilligungen zur Durchführung der Tests» hatte. Weshalb sich am Freitag über Allmendingen eine Gaswolke entwickeln konnte, sei jedoch noch nicht geklärt. Die Testanlage sei jedenfalls nicht «spektakulär oder aussergewöhnlich» gewesen. Nach Angaben von Frangi könnte aber die «spezielle Wetterlage» eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die Ruag bedaure den Zwischenfall. Zum Unfallhergang hält Frangi fest: Mitarbeiter der Ruag Munition AG hätten um 10.15 Uhr mit dem Testverfahren für einen neuen Prototyp eines Reizstoffwurfkörpers begonnen. Bereits eine halbe Stunde später habe der Umweltbeauftragte des Waffenplatzes wegen der Gaswolke im rund ein Kilometer entfernten Wohngebiet interveniert. Daraufhin seien die Tests sofort abgebrochen worden. Die Ruag Munition AG führt seit zwei Jahren auf dem Waffenplatz Thun Versuche mit CS-Tränengas durch. Dabei werden jeweils zwischen 20 bis 30 Wurfkörper abgebrannt. Bisher hat sich laut Bruno Frangi noch nie eine vergleichbare Tränengaswolke entwickelt. Die Reizstoffwurfkörper würden fast ausschliesslich an Polizeikräfte verkauft. CS-Tränengas verflüchtige sich rasch und sei «weniger gefährlich» als CN-Tränengas.

Alter Kampfstoff
CS-Tränengas ist nach Angaben von Anton Wicki, Toxikologe am AC-Labor Spiez, einer der ältesten Reizstoffe überhaupt. Er wurde bereits Ende der 60er-Jahre «massenhaft» gegen Demonstranten eingesetzt. Das Gas bewirke ein Reizen der Augen und führe zu starkem Tränenfluss. Dringe der Stoff in die Nase und in die oberen Atemwege ein, so könne dies starken Husten auslösen. Zu Todesfällen sei es bislang nur in Ausnahmesituationen gekommen etwa dann, wenn das Reizgas in sehr kleinen Räumen eingesetzt wurde, sagt Wicki. Nach Angaben des Toxikologen ist es theoretisch denkbar, dass die spezielle Inversionslage vom vergangenen Freitag die Ausbreitung der Tränengaswolke begünstigt hat. «Der Wind und der Luftdruck spielen im Zusammenhang mit der Ausbreitung eine entscheidende Rolle.» (adk)