Protestpicknick vor US-Botschaft

Inhalt:
1. Communiqué
2. Medienbericht

1. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2003/03/6192.shtml)
Heute Mittag hat vor der Amerikanischen Botschaft in Bern das erste Protest-Mittagessen gegen den Krieg stattgefunden. Gesammthaft haben ca. 80 SchülerInnen, die Meisten davon vom Gymer Kirchenfeld, daran teilgenommen, wobei viele davon gar nicht erst zur Botschaft vorgelassen wurden. Unser friedlicher, bunter und lauter Protest wurde leider von einem beträchtlichen Polizeiaufgebot begleitet. Davon lassen wir uns aber nicht beeindrucken und werden ab Montag wieder jeweils am Mittag präsent sein. Unsere Forderung ist und bleibt, dass der Krieg sofort beendet wird. Ausserdem möchten wir unsere Solidarität mit der irakischen Zivilbevölkerung kundtun.
Für die nächste Zeit sind weitere Aktionen geplant, auch mit anderen Schulen zusammen.
Unterstützt uns am Montag (und an den darauffolgenden Tagen) !!
Anti-Kriegs-Forum am Kirchenfeld


2. Medienbericht (Orginalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2003/03/6616.shtml)
«Wir wollen ein Zeichen setzen gegen den Krieg» Rund 100 Schülerinnen und Schüler nahmen gestern am Protest-Picknick vor der US-Botschaft teil. Das Anti-Kriegs-Forum des Gymnasiums Kirchenfeld will protestieren, «bis der Krieg zu Ende ist».

Nein, an den Strassenrand drängen lassen sie sich nicht. Vergeblich appelliert ein Bewacher der US-Botschaft an die Protestierenden, die Zufahrt zu den Absperrungen an der Jubiläumsstrasse frei zu lassen. «Wir haben hierzulande ein Recht auf Bewegungsfreiheit», schreit ihm ein Schüler entgegen. Unverrichteter Dinge zieht sich der Sicherheitsmann wieder hinter den Metallzaun zurück. Rund 100 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten sind gestern Mittag einem Aufruf des Anti-Kriegs-Forum Kirchenfeld zum Protest-Picknick gefolgt. Sie wollen während der Schulwochen jeden Mittag vor der US-Botschaft gegen den Krieg protestieren.

Gegen die «Ohnmacht»
Kaum jemand unter den jungen Menschen glaubt, dass mit dem Protest-Picknick die Kampfhandlungen gestoppt werden können. «Es geht darum, ein Zeichen zu setzen», sagt die 16-jährige Valentina Bieri. Auch wenn bloss zwei Personen kommen würden, mache der Protest Sinn. «Die Proteste haben eine Wirkung, wenn auch ‹bloss› hierzulande», meint der gleichaltrige Joël Baumann. Schliesslich hätten Umfragen ergeben, dass mittlerweile 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer gegen diesen Krieg seien. «Der dauerhafte Protest stresst die da drin, und das ist schon mal gut», meint L.N (16) und weist über die Absperrungen Richtung US-Botschaft.

Kein Antiamerikanismus
Obwohl sie den Krieg der USA ablehnen, haben die jungen Frauen und Männer kein Verständnis für Antiamerikanismus. «Der Sturz Saddams ist ein gutes Motiv für einen Krieg», meint Lynn Grossenbacher. Aber ein Krieg der USA im Alleingang sei «das falsche Mittel». US-Präsident Bush hätte nichts ohne Mandat der UNO unternehmen sollen, betont die 16-Jährige. Gar Bedauern über den «Amerikanerhass», der die Antikriegsproteste bisweilen begleitet, äussert der 21-jährige Christian Wirz. Er sei noch nie in den USA gewesen, habe aber einst in Asien eine US-Schule besucht. «Ich hatte dort viele Freiheiten und habe mich wohl gefühlt», sagt der junge Mann.

Erstmals auf der Strasse
Für viele ist es das erste Mal, dass sie für ein politisches Anliegen auf die Strasse gehen. «Das Thema betrifft schlicht alle», meint Joël Baumann. Die Situation sei auch anders als zum Beispiel beim Krieg Russlands in Tschetschenien. «Es wird viel mehr gezeigt im TV, man sieht fast jede Bombe fallen.»
Wegen den Kriegen in aller Welt «müsste man eigentlich vor fast allen Botschaften demonstrieren», meint L.N. Aber das Vorgehen der USA im Irak sei einmalig in seiner «Arroganz und Skrupellosigkeit». Unterstützung erhielten die Jugendlichen gestern auch von Aussenstehenden: «Leute, die hier dabei sind, werden auch in Zukunft politisch aktiv sein», erklärt die 30-jährige Maya Minder. Eine Einschätzung, die auch von Claudio Marti, Sekretär der Juso Schweiz, geteilt wird. Die Juso profitiere nämlich bereits heute. «Wir haben seit der Anti-kriegsdemo im Februar einen grossen Schub an Neumitgliedern zu verzeichnen», erklärt der Politaktivist.

«Wir kommen wieder»
Am frühen Nachmittag löst sich das Protest-Picknick wieder auf. Die Botschaftsschützer sind hinter den Absperrungen geblieben. «Wir kommen wieder, bis der Krieg zu Ende ist», sagt eine junge Frau. Und der 15-jährige David Rotzler meint: «George Bush und Tony Blair sollen uns die Welt gefälligst so hinterlassen, wie sie diese angetroffen haben.»

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