2004,  Diverse Aktionen,  Freiraum

Radioballet

Inhalt:
1. Aufruf
2. Bilder


1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2004/06/24162.shtml)
Radioballet – eine koordinierte Zerstreuungsaktion im Öffentlichen Raum
Donnerstag, 24.06.04 18.20 Uhr, im Bahnhof Bern zwischen Treffpunkt und Loebegge
Für Freiräume – gegen Ausgrenzung
Radio mit Kopfhörer mitbringen und auf 95,6 mhz rabe hören!
Organisatorisches:
Scan-Radios (welche selber den sender suchen) sind nicht geeignet (da empfang in bahnhof schlecht ist und der sender dauernd rausfliegt)
Gute Radios sind:
Old-school „drehradios“ mit welchen man den sender fest einstellen kann
Handy-Radios
Walkman-Radios mit manueller sender-suche
Der Empfang von Rabe ist in folgenden Bereichen gut
Im/und um Treffpunkt herum
In der Nähe aller Treppenaufgänge.
Dazwischen gibt es „tote zonen“, also bereiche ohne empfang
Sucht euch also eine Stelle, an der ihr euch bewegen könnt und dennoch guten empfang habt.

Hintergrund:
Mit Tanz und Geschrei wollen wir für kurze Zeit einen Ort beleben, der unter der städtischen Sauberkeitspolitik besonders zu leiden hatte. Der Bahnhof, ehemals öffentlicher Raum, das heisst für alle zugänglich, soll offenbar bald nur noch ganz bestimmten Personen zur Verfügung stehen, die auch ganz bestimmte, plausible Gründe haben, sich in diesem Gemäuer aufzuhalten. Zum Beispiel der Besuch der bahnhofsinternen Geschäfte oder der tägliche Weg zur Arbeit. Wer aber keinen dieser guten Gründe vorweisen kann oder sich sonst wie störend verhält, darf nun dank neuer Bahnhofordung stracks rausgeschmissen werden. Als störend im Gesamtbild unseres Bahnhofs werden offenbar auch jegliche Ansammlungen von sich nicht vorwärts bewegenden Personen empfunden. Deshalb wurden auf Initiative des Gemeinderates Kurt Wasserfallen sämtliche Sitzbänke demontiert. Dieser ist – nachdem ihm die Polizeidirektion weggenommen werden musste – nun Finanzdirektor und somit auch zuständig für die städtischen Liegenschaften. Was ihn dazu berechtigt, auch im Bahnhof seinen Ordnungssinn oder -wahn auszuleben. Zwar wurden nach massiven Protesten von verschiedensten Seiten wieder einige traurige Einzelsitze montiert, trotzdem kann mensch sein brav im Bahnhof erstandenes Sandwich nicht mehr in trauter Gemeinsamkeit geniessen. Auch ein kurzes oder längeres Verweilen zu einem Gespräch wird so effizient verhindert, ausser mensch möchte sich von einem zum anderen Isolations-Sitz zurufen.
Der Bahnhof wird immer mehr zu einem Ort, wo nur noch eine bestimmte Art von Leuten das Recht hat, sich länger aufzuhalten, als die Zeit, die zur zügigen Durchquerung notwendig ist. Erwünscht sind nur noch Personen, die konsumieren, Geld ausgeben, auf irgendeine Art den Umsatz steigern. Individuen, die diesem Schema nicht entsprechen sind unerwünscht. Ihnen soll der Aufenthalt im (offiziell öffentlichen) Bahnhof möglichst vermiest werden. Wer sich jedoch weder von Einzelsitzen noch von Verboten abschrecken lässt und sich unerlaubterweise auf Treppen oder Steinen niederlässt (sonst gibt’s ja nicht mehr viele Sitzmöglichkeiten), wird von den bahnhofseigenen Sauberkeits- und Ordnungsorganen weggescheucht. Unpassende Menschen werden wie Dreck weggeputzt, um den Glanz des schönen neuen Bahnhofs nicht zu trüben.
Doch öffentliche Räume sollten eigentlich für alle, unabhängig von Geldbeutel und Konsumhaltung zugänglich sein. Es darf nicht sein, dass Menschen aufgrund äusserer, subjektiver Gründe der Zugang zu öffentlichen Räumen verwehrt wird.
Wer weggescheucht wird, hört nicht auf zu existieren, gesellschaftliche Probleme lösen sich nicht in Luft auf, wenn sie aus dem Blickfeld verdrängt werden!
Deshalb fordern wir:
Öffentliche Räume für alle statt Konsumtempel!
Freiräume statt Beton-Albtraum!
Mehr Spielplätze!
Einen Job bei der Strassenreinigung für Herrn K.W.!


2. Bilder (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2004/06/24300.shtml )