Hausbesetzung & Eröffnungsfest Bolligenstrasse (denk:mal)

Inhalt:
1. Aufruf


1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/10/35416.shtml)
Endlich ist es soweit: Nach monatelanger Vorbereitung, Besetzung und Verhandlungen können wir am 8. Oktober das Eröffnungsfest der autonomen Schule „Denk:mal“ an der Bolligenstrasse 85 in 3006 Bern feiern.

Geschichte: Im Sommer dieses Jahres beginnen wir Unterschriften zu sammeln für eine Petition, in der wir die herrschenden Bildungsverhältnisse anprangern und Räume fordern, in denen selbstbestimmtes Lernen möglich sein kann. Innerhalb eines Monats kommen über 1’200 Unterschriften zusammen von Menschen, die diese Forderung unterstützen. Nach der Petitionsübergabe ( http://www.indymedia.ch/de/2005/06/33334.shtml), hören wir erst mal ne Weile nichts mehr, bis ein Antwortsschreiben eintrifft, in dem festgestellt wird „dass der Kanton Bern so etwas wie eine autonome Schule nicht kennt“… Da dieses Schreiben auf uns nicht sehr ermutigend wirkt, dass die Stadt uns freiwillig ein Gebäude zur Verfügung stellen würde, beschliessen wir uns, uns zu nehmen was wir brauchen. Am 1. August besetzen wir das ehemalige Erstaufnahme Zentrum an der Bolligenstrasse 85 in Bern. 50 Leute feiern gemeinsam in den Morgen hinein, der ausser Regen auch ne ganze Menge Polizei mit sich bringt. Stundenlang werden wir auf dem Gelände festgehalten, ein rauskommen ist nicht möglich, Verhandlungen gibt’s lange nicht. Danach werden die Personalien aufgenommen und wir müssen das Gelände verlassen. Uns wird in Aussicht gestellt, dass wir, wenn wir uns verziehen, mit den Stadtbauten in Verhandlungen treten können… naja irgendwie haben die auch Wort gehalten, jedenfalls konnten wir einen Zwischennutzungsvertrag aushandeln und am 27. September sehen wir uns mit dem Schlüssel in der Hand wieder an der Bolligenstrasse.
Momentan befinden wir uns in der Aufbauphase und haben bereits eine Bibliothek, das Fotolabor und das Kino eingerichtet. Seminarräume stehen auch zur Verfügung. Jeden Abend wird gekocht, den Tag über sind wir mit Schreinern, basteln und bauen beschäftigt. Wir sind aber immer für helfende Hände dankbar. Jeweils am Mittwoch um 20.00 Uhr finden die Plenumssitzungen statt, die für alle offen sind. Ab nächster Woche finden die ersten Workshops statt, informiert euch vor Ort oder über unsere Website.

Kommt alle ans grosse Eröffnungsfest am Samstag, 8. Oktober.
Ab 18.00 Uhr VoKü, Siebdruck (Klamotten mitbringen)
Ab 20.00 Uhr Konzerte, DJ’s, Kino, Feuershow

Der Weg zum Denk:mal:
Bus Nr. 10 nach Ostermundigen bis „Ostermundigen Station“ über fussgängerstreifen links die strasse überqueren, am bahnhof vorbei, 5 minuten geradeaus bis zum Hornusserfeld, am Feld vorbei, erste abzweigung nach links, dann noch 20 meter. Zug bis Ostermundigen, beim Bahnhof Treppe runter, nach rechts, 5 minuten geradeaus bis zum Hornusserfeld, am Feld vorbei, erste abzweigung nach links, dann noch 20 meter.

Hintergrund:
„Was verstehen wir unter einer autonomen Schule?
Eine autonome Schule ist mehr als nur unabhängig vom Staat und der Privatwirtschaft – sie wird von denen geführt die sie benutzen. Es gibt also keine „Leitung“ die den Lernenden irgendwelche Vorschriften macht oder einen Rahmen setzt. Die Lernenden gestalten gemeinsam einen Ort, an dem sie Fähigkeiten so erlernen können, wie es ihren Bedürfnissen entspricht.
denk:mal soll darum nicht nur Elemente der Wissensvermehrung enthalten, sondern auch als sozialer Treffpunkt dienen. Eine autonome Schule beschränkt sich nicht nur auf die Förderung von theoretischem Wissen. Alle Fähigkeiten die erlernt werden müssen (um sie zu besitzen) finden dort ihren Platz. Also soll es für einen Schreinerworkshop oder ein Musikzimmer genauso Raum haben, wie für einen Kant-Lesezirkel.
Das Erlernen dieser Fähigkeiten soll in erster Linie gemeinsam geschehen. Kein Lehrer oder keine Professorin soll den Unterricht führen. In Lerngruppen in denen es hilfreich oder sogar notwendig ist, wenn eine teilnehmende Person schon über vertieftes Fachwissen verfügt, soll die Struktur des „Unterrichts“ trotzdem von allen gemeinsam festgelegt werden. Die natürliche Autorität der Person mit Wissensvorsprung, muss genau dann wieder aufhören wenn es sich nicht exakt um das Thema handelt, in dem die Person einen Wissensvorsprung hat. Auch soll die so entstehende Hierarchie von der Gruppe thematisiert und hinterfragt werden.
Erste und grundlegende Voraussetzung ist es, geeignete Räumlichkeiten zu besitzen. Am besten ein Haus. Die verschiedenen Räume ermöglichen verschiedene Tätigkeiten. Sie sollen z.B. als Werkstatt, Veranstaltungsräume, Seminar-/Sitzungsräume, Bibliothek, Büro, Kindertagesstätte genutzt werden.
Der Veranstaltungskalender wird nicht von einer Leitung zusammengestellt. Viel mehr sollen alle Personen/Gruppen die eine Idee haben, zu einer Veranstaltung aufrufen können. “
 

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