Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Protestmarsch gegen Rechtsextremismus Biel

Protestmarsch gegen Rechtsextremismus Biel

Inhalt:
1. Aufruf
2. Medienbericht



1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2007/06/50553.shtml)
Communiqué zu den Vorfällen vom 16. Juni 2007 in Biel Bienne und Aufruf zum Protestmarsch „Biel, gemeinsam gegen Rechtsextremismus – Bienne, tous ensemble contre l’extrême droite“ in Biel: Bahnhof Biel, 27. Juni 2007, 18:15 Uhr
Biel, gemeinsam gegen Rechtsextremismus
Bienne, tous ensemble contre l’extrême droite
Communiqué zu den Vorfällen vom 16. Juni 2007 in Biel Bienne
Die Sonne scheint. Der Himmel ist klar. Noch ahnt niemand, welch Sturm sich an diesem Samstag Abend in Biel ereignen wird… Der FC Biel-Bienne steht an der Schwelle zur Challenge League und bestreitet auf der Gurzelen das entscheidende Aufstiegsspiel gegen den SC Cham. Über 4’000 ZuschauerInnen aller Nationalitäten, aller Religionen, Kulturen und Hautfarben pilgern ins altehrwürdige Stadion. Alle freuen sich auf einen spannenden und fairen Match. So präsentiert sich die erste Spielhälfte auch. Nach dem Pausentee ziehen am Himmel die ersten (grauen) Wol-ken auf. Auch neben dem Platz wird die heitere Stimmung getrübt. Das Augenmerk verlagert sich auf eine Gruppe Kahlrasierter, die lautstark rassistische und antisemiti-sche Parolen skandiert. Die Bieler Multikultur ist ihnen offensichtlich ein Dorn im Auge, sie suchen bewusst die Konfrontation, die gewalttätige Auseinandersetzung. Selbst die Nachwuchsspieler des FC Biel-Bienne bleiben nicht von den Rechtsex-tremen verschont, sie werden mit Bierflaschen attackiert. Es ist nur dem vorbildlichen Einsatz des privaten Sicherheitsdienstes zu verdanken, dass die Eskalation vorerst verhindert werden kann. Trotz mehrmaliger Intervention bei der Stadtpolizei, reagiert diese nicht. Erst nach Spielschluss, als die Lage bereits ausser Kontrolle geraten ist, rückt ein Korps der Kantonspolizei an. Nach der Beendigung der Scharmützel, scheint die Situation durch die Präsenz der Ordnungshüter unter Kontrolle.
Am Bahnhof gerät das Geschehen aber aus den Fugen. Eine aufgebrachte Meute erwartet die Rechtsextremen bereits. Selbst Passanten empören sich über die rechtsextreme Provokation. Stehen für die Gerechtigkeit ein und wehren sich gegen das Unrecht. Die Polizei schützt die Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung, obwohl diese mit ihren rassistischen und diskriminierenden Äusserungen, kombiniert mit dem Hitlergruss, in mehreren Punkten gegen die Verfassung und das Antirassis-musgesetz verstossen. Die Rolle und das Vorgehen der Polizei werfen Fragen auf: Warum lässt sie die Rechtsextremen gewähren, obschon sie gegen das Gesetz ver-stossen? Warum wird gegen die (verständlicherweise) erzürnte Bieler Multikultur so rigoros vorgegangen? Warum werden die Opfer von Diskriminierung als Schuldige abgestempelt? Warum werden Menschenrechte blind missachtet? Warum…?

Mit diesem Communiqué wollen Betroffene des 16. Juni 2007 und die Angesproche-nen Folgendes klarstellen: In den Medien wird von gewalttätigen Sport-Fans gespro-chen und ihnen wird unterstellt, sich gewissermassen aus Spass an den Krawallen beteiligt zu haben. Diese Medienaussagen sind unkorrekt und richtig zu stellen. Die Bieler Fan-Kultur ist friedlich und lehnt gewalttätige Auseinandersetzungen katego-risch ab. Die beteiligten Sportfans haben sich keinesfalls aus Spass an den Krawal-len beteiligt, sondern als politisch engagierte Menschen, die nicht zulassen wollen, dass die Gesetze mit Füssen getreten werden und auf die Menschenrechte gespuckt wird! Wir wollen es nicht auf uns beruhen lassen, in den Medien als gewalttätige Hooligans dargestellt zu werden, während die echten Schuldigen ungeschoren da-von kommen! Die Menschen die sich gegen diese Ungerechtigkeit gewehrt haben, sind keine Spass-Randalen, sondern Menschen, welche für ihre Rechte einstehen.
Die Eskalation und die Konfrontation mit Rechtsextremen haben viele Zuschauer des Fussballspiels wie auch Passanten in der Stadt zutiefst berührt und schockiert. Eine beeindruckende Solidaritätswelle erfasste die Bieler Bevölkerung. Der gewaltsame Gegenschlag auf die Vorkommnisse ist aufs Schärfste zu verurteilen, aber aufgrund der Provokation der Nationalsozialisten und Reaktion der Polizei nachvollziehbar.
Wir wollen den beispielhaften Zusammenhalt der BielerInnen fördern und das ge-meinsame Ziel, die Bieler Multikultur als Chance zu nutzen, weiter verfolgen. Aus diesem Grund rufen die Betroffenen des 16. Juni 2007 und die Angesprochenen zum gemeinsamen, friedlichen Protestmarsch „Biel, gemeinsam gegen Rechtsex-tremismus – Bienne, tous ensemble contre l’extrême droite“ auf! Damit soll ein Zeichen gesetzt werden, dass Rechtsextremismus keine Chance gegeben werden darf und von Grund auf zu verurteilen ist. Alle sind mittragend und verantwortlich für unsere Zukunft. Die Weichen werden heute gestellt. Auch in Zukunft wollen wir ein buntes und multikulturelles Biel.

Biel, gemeinsam gegen Rechtsextremismus
Bahnhof Biel, 27. Juni 2007, 18:15 Uhr
Bienne, tous ensemble contre l’extrême droite
Unterzeichnet, die Betroffenen vom 16. Juni 2007 und die Angesprochenen


2. Medienbericht (Originalquelle: https://www.antifa.ch/sie-protestierten-friedlich/)
Sie protestierten friedlich
BernerZeitung
Gestern Abend protestierten rund 120 Personen in der Bieler Innenstadt gegen Rechtsextremismus. Die bewilligte Demonstration verlief friedlich. Die grösstenteils jugendlichen Teilnehmer verurteilten dabei die Ausschreitungen während und nach dem 1.-Liga-Fussball-Aufstiegsspiel zwischen dem FC Biel und Cham vom 16. Juni. An jenem Samstag war es zu heftigen Krawallen beim Stadion Gurzelen und am Bahnhof gekommen. Augenzeugen berichteten, dass Rechtsextreme aus der Innerschweiz die Schlägereien angezettelt hatten.