Archiv für Neue Soziale Bewegungen
1. Mai revolutionärer Block

1. Mai revolutionärer Block

Inhalt:
1. Aufruf
2. Antisemitismus Vorwurf Plakat
3. Stellungsnahme 1. Mai Bündnis
4. Stellungsnahme Infoladen
5. Communiqué Revolutionärer Block
6. Communiqué Fest
7. Bilder


1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2010/04/74783.shtml)
Revolutionäres 1. Mai Programm in Bern:
Revolutionärer Block an der 1. Mai Kundgebung: Besammlung 16.00 Uhr, Kramgasse!
Revolutionäres Fest ab 17.00 Uhr auf dem Vorplatz der Reitschule. Mit Konzerten, Bar, Essens- und Infoständen, Afterparty und vielem mehr … !
Heraus zum 1. Mai!
Kapitalismus überwinden – nicht reformieren!
„Arbeit, Lohn und Rente statt Profit und Gier“, so lautet die diesjährige Parole zum 1. Mai. Herausgegeben hat sie der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB).
Die Parole lässt tief blicken. Sie bringt das (Selbst-)Verständnis der System-Linken auf den Punkt. Arbeit, Lohn und Rente – das halten sie für etwas ganz Tolles, dafür wollen sie kämpfen. Der Widerspruch, dass gerade die Lohnarbeit für den Profit der Reichen verantwortlich ist, kann sie nicht davon abbringen. Genauso wenig die Tatsache, dass die kapitalistische Lohnarbeit die ArbeiterInnen verschleisst und dass es sie überhaupt nur wegen dem Profit gibt.
Nicht einmal in der Krise, in der die Zumutungen der kapitalistischen Wirtschaftsweise die ProletarierInnen aller Länder noch härter treffen als sonst, lässt sich die System-Linke dazu bewegen andere Töne anzuschlagen und auf den „gestrauchelten“ Kapitalismus einzutreten. Sie hilft ihm lieber tatkräftig wieder auf die Beine.
GewerkschaftsführerInnen fordern Konjunktur- und Rettungspakete von einem starken Staat und geisseln gierige ManagerInnen und verantwortungslose PolitikerInnen.
Diese Ordnung hat System – und dieses System heisst Kapitalismus!
Auf „ihr“ System, die freie Marktwirtschaft, lassen die System-Linken ums Verrecken nichts kommen. Das System würde ihrer Meinung nach offenbar schon ordentlich funktionieren – wenn bloss die FunktionärInnen der demokratischen Herrschaft und der Wirtschaft nicht so einen schlechten Charakter hätten.

Diese Haltung ist mehr als zynisch, man braucht schliesslich kein Denkriese zu sein, um zum Beispiel zu merken:
– dass gerade der starke Staat die herrschende Ordnung ins Recht setzt und dass nicht einzelne AbzockerInnen und gewissenlose PolitikerInnen dafür verantwortlich sind, dass täglich 100 000 Menschen an den Folgen von Hunger sterben, während andere Leute unermesslichen Reichtum anhäufen.
– dass ArbeiterInnen nicht entlassen werden, weil es nichts mehr zu tun gibt, sondern dann, wenn mit den Produkten, die sie herstellen zu wenig Profit gemacht wird.
– dass im Kapitalismus überschüssige Produkte, die nicht verkauft werden können, nicht an Bedürftige verteilt, sondern gezielt vernichtet werden.
– dass alle möglichen produzierten Dinge sich in der Krise nicht in Luft aufgelöst haben. Dass es im Gegenteil zu viele davon gibt! Nicht weil es keine Bedürfnisse nach guten Konsumgütern mehr gäbe, sondern weil es nicht genug kaufkräftige Bedürfnisse (Bedürfnisse, die bezahlt werden können) gibt.

Der Kapitalismus hat keine Fehler – er ist der Fehler!
Statt sich an der moralischen Kritik am fehlenden Anstand und der fehlenden Verantwortung der wirtschaftlichen und politischen Elite zu beteiligen, halten wir es für angebracht uns damit zu beschäftigen, wie der Kapitalismus tatsächlich funktioniert, die ökonomischen Verhältnisse zu kritisieren und eine soziale Revolution aufzugleisen!
Dafür wollen wir im Revolutionären Block gemeinsam einstehen! Schliess dich uns an!
Kapitalismus überwinden – nicht reformieren!
Heraus zum 1. Mai – hinein in den Revolutionären Block!



2. Antisemitismus Vorwurf Plakat (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2010/04/75041.shtml)
Offener Brief an die Reitschule Bern vom 15.04.2010
Der so genannte „Prozess von Bern“ von 1933 bis 1935 endete mit der Feststellung, dass die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ eine Fälschung sind. Trotzdem hatten die „Protokolle“ über eine angebliche „jüdische Weltverschwörung“ reale Auswirkungen: Sie bildeten die ideologische Grundlage des eliminatorischen Antisemitismus des Nationalsozialismus, der die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermöglichte. Zum 1. Mai 2010 wurde in der Reitschule Bern ein Plakat gezeichnet, gedruckt und aufgehängt, das antisemitische Stereotype aufgreift und reproduziert.
Uns verbindet eine lange Zusammenarbeit und Anteilnahme mit der Reitschule und dort aktiven Gruppen. Wir haben mitgeholfen, den SVP-Marsch auf Bern zu verhindern und nach dem Brandbombenanschlag auf die Reitschule haben wir antifaschistische Strukturen solidarisch unterstützt. Wir haben uns an den Mobilisierungen gegen das WEF und die WTO beteiligt und nach den Hausdurchsuchungen bei der Anti-Repressionsarbeit geholfen. Wir schreiben diesen Brief an die Reitschule, weil wir der Meinung sind, dass ein antisemitisches Plakat nicht unkommentiert bleiben darf.

Wir kritisieren nicht den Aufruf des Revolutionären 1. Mai Bündnis Bern, in dem die Notwendigkeit betont wird, sich damit „zu beschäftigen, wie der Kapitalismus tatsächlich funktioniert“, sondern die Bildsprache des Plakats. Dominierend sind die Hände des Marionetten-Spielers. Die Symbolik des „jüdischen Drahtziehers“ geht zurück auf die „Protokolle“, wo es heißt: „Zweitens werden wir durch unsere Intrigen auf alle Fäden einwirken, die wir in den Kabinetten aller Staaten gesponnen haben durch die Politik, durch wirtschaftliche Verträge oder Schuldverschreibungen.“

Die Figuren auf dem Bild sind gefesselt, blind, verstrickt und wehren sich gegen Manipulation und Fremdbestimmung. Keine der Figuren schaut nach oben, niemand bemerkt, durch wen sie gelenkt werden. Die Figuren sind lediglich Opfer des Kapitalismus, der sich nicht als soziales Verhältnis zwischen den Menschen, sondern als Macht im Hintergrund manifestiert. Die Figur des mächtigen, aus dem Hintergrund die Fäden ziehenden Juden ist ein häufiges Motiv der Nazipropaganda und wurde zum Beispiel in der Nazi-Satirezeitung „Fliegende Blätter“ Nr. 5 von 1942 abgebildet. Aber auch heute noch wird das Bild des Marionettenspielers von Neonazis verwendet.

Eine zeitgenössische Verwendung des Motivs findet sich in dem Lied „Diese Zeit“ der baden-württembergischen Naziband „Division Staufen“: „Den Stolz haben die Deutschen verloren, sie werden zu Marionetten erzogen.“ In der „Argumentationshilfe gegen die NPD-Schulhof-CD 2009“ heißt es dazu: „Die Metapher von der Marionette verlangt einen, in dessen Händen die Fäden zusammenlaufen; jemand, der im Verborgenen die Strippen zieht. Sie entstammt unmittelbar der antisemitischen Verschwörungstheorie vom jüdischen Strippenzieher und Finanzkapitalisten, wie sie nationalsozialistische Staatsdoktrin wurde.“

Der Wirtschaftstheoretiker der NS-Propaganda, Gottfried Feder, unterschied zwischen der positiv besetzten Produktionssphäre („schaffendes Kapital“) und der negativ besetzten Zirkulationssphäre („raffendes Kapital“). Durch die Personalisierung des „raffenden Kapitals“ wurde den Juden und Jüdinnen die Urheberschaft allen Übels in der Welt zugeschrieben. Sie gipfelte in der nationalsozialistischen Hetzparole „Die Juden sind unser Unglück“, wie sie 1935 für eine NS-Propagandaveranstaltung im Berliner Sportpalast aufgehängt wurde. „Dem Juden“ wird dabei eine ungeheure Macht zugeschrieben: Die Kontrolle des Weltgeschehens durch die Verfügungsgewalt über das Kapital. Auf dem Plakat wird die durch den Marionettenspieler dargestellte Macht noch durch die mit Kondensstreifen versehenen und damit an eine Bomberstaffel erinnernden Währungszeichen verstärkt.

Ein weiteres antisemitisches Stereotyp auf dem Plakat sind die Hände, deren wilde Gestik eine klischeehafte Geschäftigkeit widerspiegeln. Die Mimik des Totenschädels wirkt durch die zusammengezogenen Augenbrauen und den geöffneten Mund bedrohlich und fratzenhaft. Auch die durch den lang gezogenen Nasenknochen angedeutete „jüdische Nase“ und der Hut sind antisemitische Stereotype.

Der Goldring an der Hand des Marionettenspielers erinnert an den „Gelben Ring“, den Juden und Jüdinnen im Mittelalter auf der Kleidung tragen mussten. Der gelbe „Judenring“ war damit Vorläufer des gelben „Judensterns“ im Nationalsozialismus. Die Aufschrift „In Gold We Trust“ auf dem Goldring ist an das „In God We Trust“ auf den US-Dollarscheinen angelehnt und liest sich als Anspielung auf die angebliche Finanzmacht der „jüdischen Ostküste“ der USA.

Der Goldzahn des Totenschädels provoziert Assoziationen an die Goldzähne, die Jüdinnen und Juden in den Konzentrationslagern ausgeschlagen wurden. Im Schweizer Untersuchungsbericht zum „Nazigold“ heißt es: „Wichtigster Abnehmer der deutschen Goldlieferungen war die Schweiz“. Die Schweizerische Nationalbank besaß 119,5 Kilogramm Schmuck- und Zahngold von KZ-Häftlingen.

Auch wenn dem Revolutionären 1. Mai Bündnis Bern die Tragweite der verwendeten Symbolik vielleicht nicht bewusst ist, tradieren diese Plakate unabhängig von der Intention den Antisemitismus. Die Plakate kommen aus der Reitschule und werden von dort verbreitet. Gerade weil von Seiten des Bündnisses denen mit körperlicher Gewalt gedroht wird, die die Verbreitung verhindern wollen, muss sich die Reitschule zu den Plakaten positionieren.

Autonome Antifa Freiburg

Titelblatt der Nazi-Satire-Zeitschrift „Fliegende Blätter“ Nr. 5, 1942


3. Stellungsnahme 1. Mai Bündnis (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2010/04/75111.shtml)
Die Autonome Antifa Freiburg aus Deutschland, hat einen öffentlichen Brief an die Reitschule Bern geschrieben, in welchen sie das Plakat unseres Bündnisses als antisemitisch bezeichnet.
Wir sind enttäuscht und verärgert über diese massiven Anschuldigungen und weisen sie in aller Schärfe zurück.
Wir sind keine Antisemiten und verbreiten keine solche Botschaft.
Als würde es ihrer Kritik mehr Berechtigung verleihen, versucht die Autonome Antifa Freiburg (AAF) in der Einleitung ihres Schreibens einen direkten Bezug zwischen den gefälschten und verschwörerischen „Protokolle der Weisen von Zion“ und unserem Plakat herzustellen. Um zu beweisen, dass die Protokolle gefälscht sind, verweist die AAF auf ein bürgerliches Berner Gerichtsurteil.* Weiter bezieht sich die AAF auf gemeinsame Kämpfe, die sie solidarisch mit Leuten aus unserem Bündnis geführt hat.
Wir finden, dass weder aus der Luft gegriffene Vergleiche, noch der Verweis auf bürgerliche Autoritäten* und auch keine heldenhaften antifaschistischen Taten zur Kritik etwas beitragen. Kritik hat am Gegenstand stattzufinden.
Weniger solidarisch als in der Einleitung beschrieben verhält sich AAF jetzt. Niemand von der AAF hat versucht mit dem Bündnis ins Gespräch zu kommen. Nicht einmal der offene Brief wurde uns zugeschickt. Nicht nur dieser Sachverhalt lässt uns an den hehren Absichten der AAF zweifeln.
Zu den Vorwürfen: Das Bild auf dem Plakat hat nicht den Anspruch die Welt, bzw. die kapitalistischen Verhältnisse zu erklären. Es hat – wie jeder leicht bemerkt – keinen Realitätsanspruch. Unsere Argumente verbreiten wir über Texte und Reden. Das Plakat soll Mobilisieren. Es soll auffallen und anregen mehr zu erfahren.
Die Interpretation des Bildes ist natürlich Sache des Künstlers und der BetrachterInnen. Das die AAF in der Skelettfigur einen Juden erkennt, können wir nicht nachvollziehen.
Die Interpretation, dass die Figur Symbol ist, für die kapitalistische Klasse und/oder den Staat, die die ArbeiterInnen beherrscht, welche versuchen sich aus den Zwängen von Staat und Kapital – die sie sehr wohl bemerken – zu befreien, scheint uns als Antikapitalisten nahe liegend.
Ebenfalls schleierhaft ist uns wo die AAF eine Unterscheidung und Bewertung von raffendem und schaffendem Kapital entdeckt.
Überhaupt finden wir den Antisemitismusvorwurf konstruiert. Die Entdeckung einer angeblich angedeuteten, nicht vorhanden Juden-Nase (was soll das überhaupt sein?) und die wilde Gestik einer klischeehaften Geschäftigkeit der Hände, können wir nicht feststellen. Die Behauptung, dass Goldzahn, Goldring und Hut, schon wieder auf einen Juden hinweisen sollen, ist jenseits: Sie blamiert sich an jedemR nicht Juden/Jüdin der/die einen Goldzahn, Goldring oder Hut träg.
Die Kritik der AAF beruht im Wesentlichen darauf, dass sie KapitalistInnen und Juden / Jüdinnen gleichsetzen. Wer aber Macht und Geld mit jüdischen Menschen gleichsetzt, der hat offensichtlich antisemitische Vorurteile. Diese Vorurteile gilt es zu widerlegen und zu überwinden, nicht zu festigen.
Dass die Nazis mit ihrer Propaganda versucht haben, Ausbeuter und Juden gleichzusetzen, in dem sie Kapitalisten darstellten, die sie mit deutlich erkennbaren jüdischen Symbolen (Davidsstern, Kippa) versehen haben, ist uns bekannt.
Ebenso, dass in dieser Propaganda auch Puppenspieler verwendet wurden. Die
Puppenspieler-Symbolik wurde allerdings von politischen Gruppen verschiedener Couleur verwendet. Dass die Kapitalistenklasse aus Juden und Jüdinnen bestehen würde, ist blanker Unsinn.
Wir vertreten den Standpunkt, dass der Zweck und der Inhalt einer Sache bestimmend sind und nicht ausschliesslich die Form. Die FaschistInnen haben z.B: auch Streiks und Demonstrationen veranstaltet und es käme uns nicht in den Sinn, deshalb auf diese Mittel zu verzichten.
Wir kritisieren den Kapitalismus, seine Klassen und seine Funktionsweise, als Ganzes. Mit Antisemitismus hat das nichts zu tun.

Revolutionäres 1. Mai-Bündnis Bern
* Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Wir sind auch der Überzeugung, dass es sich bei den Protokollen um Fälschungen handelt.


4. Stellungsnahme Infoladen (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2010/04/75122.shtml)
Seit einigen Tagen ist auf Indymedia ein Streit zu den Plakaten des revolutionären 1. Mai Bündnis Bern imgange. Insbesonder weil auch die Reitschule dabei in Kritik geraten ist, fühlen wir uns als Teil eben dieser Reitschule dazu verpflichtet auch noch öffentlich dazu Stellung zu beziehen.
Zur Vorbemerkung: Dieser Text wurde verfasst und besprochen, bevor die Stellungnahme des revolutionären 1. Mai Bündnis Bern veröffentlicht wurde. Ob und inwiefern deren Beitrag dem von uns erhofften Resultat entspricht wurde noch nicht diskutiert.
Wir haben uns zu dieser Stellungnahme als Gruppe der Reitschule entschieden, da wir leider befürchten, dass die Reitschule eine öffentliche Stellungnahme zu diesen Vorwürfen ablehnen wird, wir es jedoch als wichtig erachten auch öffentlich zu einer solchen Kritik Stellung zu beziehen. Ausserdem kann die Reitschule, selbst wenn sie auf diese Diskussion eingeht, aufgrund ihrer Grösse nicht innerhalb von drei bis vier Tagen eine Stellungnahme veröffentlichen, die von der gesamten Basis abgesegnet wurde.
Auch innerhalb unserer eigenen Gruppe haben das Plakat und die darauf folgenden Reaktionen starke Diskussionen hervorgerufen, die nicht abschliessend geklärt sind, weshalb der nachfolgende Text auch nur einen Minimalkonsens unsererseits darstellt.

Als erstes möchten wir klarstellen, dass es sich beim Revolutionären 1. Mai Bündnis Bern um ein Bündnis aus Einzelpersonen handelt, welches eine eigenständige Gruppe darstellt, die organisatorisch nichts mit der Reitschule oder einzelnen Reitschulegruppen zu tun hat. Weder sind die Reitschule oder einzelne Reitschulegruppen an den Sitzungen des Bündnis vertreten, noch hatte die Reitschule in irgendeiner Weise Anteil an den Entscheidungen dieses Bündnisses. Dies schliesst insbesondere die graphische Gestaltung der Flyer und Plakate mit ein. Die einzigen Zusammenhänge zwischen der Reitschule und dem revolutionären 1. Mai Bündnis Bern sind die Tatsachen, dass die Plakate und Flyer tatsächlich in der Druckerei der Reitschule gedruckt wurden, dass das Fest nach der Kundgebung auf dem Vorplatz der Reitschule stattfinden wird und dass ein Transparent an der Fassade der Reitschule auf dieses Ereigniss hinweist. Zu diesen Verknüpfungen ist folgendes festzuhalten: Die Druckerei der Reitschule entscheidet autonom, welche Aufträge sie annimmt und welche sie ablehnt. Nach welchen Kriterien die Druckerei ihre Aufträge prüft ist uns nicht bekannt. Über das Fest, welches auf dem Vorplatz stattfinden soll, wurde die Reitschule bloss informiert. Zu keinem Zeitpunkt wurde die Reitschule gefragt, ob sie mit dem Fest in der geplanten Form auch tatsächlich einverstanden ist. Auch das Transparent wurde – wie auch andere – nicht von der Reitschule besprochen und abgesegnet.

Zu der Kritik selbst:
Wir sind davon überzeugt, dass hinter der Gestaltung und Verbreitung dieses Plakates keine antisemitischen Absichten stehen. Allerdings teilen wir die Ansicht der autonomen Antifa Freiburg zur Problematik des gewählten Bildes in einigen Punkten. Wie sie in ihrem offenen Brief bereits ausführlich dargelegt haben, lässt sich die Bildsprache dieses Plakats für geschichtskundige Menschen problemlos antisemitisch auslegen. Darüber hinaus ist, wie ebenfalls bereits erläutert, klar, dass dieses Motiv in verschiedener Form häufig von Nationalsozialist_innen verwendet wurde, um jüdische Menschen zu diskreditieren und dämonisieren. Darüber inwiefern sich das Motiv des Marionettenspielers überhaupt auf die kapitalistische Gesellschaft anwenden lässt, gehen unsere Meinungen stark auseinander.
Keine_r, welche_r den historischen Hintergrund dieser Darstellung nicht kennt, würde im konkreten Beispiel antisemitische Klischees erkennen. Dennoch ist es bedenklich, wenn in linken Zusammenhängen nationalsozialistisch geprägte Stereotypen und Darstellungsformen reproduziert werden. Eine Diskussion wieso so etwas geschehen konnte und worauf dies zurückzuführen ist, sollte geführt werden.

Der wirklich bedenkliche Faktor in dieser Thematik ist jedoch nicht, dass ein solcher Unfall geschehen konnte, sondern wie darauf reagiert wurde.
In diesem Zusammenhang kann auch der autonomen Antifa Freiburg ein Vorwurf gemacht werden. Nicht die Tatsache, dass sie dieses Plakat kritisieren oder dass sie diese Kritik öffentlich machen ist dabei zu kritisieren, sondern die Art und Weise wie dies gemacht wurde. Dadurch, dass sie diese Kritik öffentlich machten, bevor das revolutionäre 1. Mai Bündnis Bern Zeit hatte auf die Hinweise zur Problematik ihrer Darstellung zu reagieren und von sich auf das Bild und seinen Kontext richtigzustellen, wurde diese Gruppe in eine Defensivposition gedrängt und ihnen verunmöglicht offensiv und von sich aus dieses Thema aufzugreifen. Dasselbe Problem stellt sich für die Reitschule. Die Reitschule als Gesamtes wurde erstmals auf Indymedia dazu aufgefordert, zu diesem Problem Stellung zu beziehen. Dies bevor kritische Reitschüler_innen die Möglichkeit hatten dieses Thema in der Reitschule zur Sprache zu bringen (auch reitschuleintern gab und gibt es Menschen, welche dieses Plakat kritisieren).
Auch gewissen Exponent_innen des revolutionären 1. Mai Bündnis Bern müssen mindestens so grosse Vorwürfe gemacht werden ( ob und wie viel massivere, darüber gehen unsere Meinungen stark auseinander). Auf die Problematik des von ihnen gewählten Bildes angesprochen, reagierten fast alle Angesprochenen ablehnend. Nahezu unisono war die erste Reaktion: „Wer in diesem Plakat antisemitische Tendenzen sieht hat selbst ein Problem mit Antisemitismus.“ Weit und breit war nichts zu spüren von der oft beschworenen kritischen Linken. Die häufigere Reaktion war, wie bereits angedeutet, ein klassisches „shoot the Messenger“. Eine Person schreckte selbst vor der Androhung von Gewalt nicht zurück. Es bleibt nur zu hoffen, dass es sich dabei um eine unrühmliche Ausnahme handelt.

Ansonsten hoffen wir, dass dieser erste Abwehrreflex überwunden werden kann und eine kritische und auch selbstkritische Diskussion über nationalsozialistische Symbolik zustandekommt. Ebenfalls erwarten wir, dass das revolutionäre 1. Mai Bündnis Bern öffentlich zu dieser Problematik Stellung bezieht und die kritisierten Plakate nicht unkommentiert weiterverwendet. Auf dass wir solche Probleme als Chance nutzen können uns selbst zu verbessern, denn leider sind wir offensichtlich noch nicht einfach so bereit für eine bessere Welt.
18.04.2010
Infoladen Reitschule Bern


5. Communiqué Revolutionärer Block (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2010/05/75381.shtml)
Communiqué zur revolutionären 1.Mai Demonstration in Bern
Über 400 Menschen haben sich heute im Revolutionären Block an der 1.Mai Kundgebung des Gewerkschaftsbundes in Bern zusammengeschlossen. Der Revolutionäre Block zog unter dem diesjährigen Motto „Kapitalismus überwinden, nicht reformieren“ mit der „offiziellen“ 1.Mai Kundgebung durch die Kram- und Marktgasse, wobei lautstark gegen Kapitalismus, Ausbeutung und Nationalismus protestiert wurde.
In der Marktgasse trennte sich der Revolutionäre Block von der 1.Mai Demo und formierte sich zu einer Nachdemonstration, an welcher gut 300 Leute teilnahmen. Die Nachdemo führte durch die Spitalgasse via Bahnhof direkt zur Reitschule, wo auf dem Vorplatz das Revolutionäre 1.Mai Fest mit Konzerten, Bar, Essens- und Infoständen steigt.
Kapitalismus überwinden, nicht reformieren!
Revolutionäres 1.Mai Bündnis Bern

6. Communiqué Fest (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2010/05/75414.shtml)
Im Anschluss an die alljährliche 1.Mai Demonstration in Bern fand wie schon im vergangenen Jahr das revolutionäre 1.Mai-Fest auf dem Vorplatz der Reitschule statt.
Auf dem Vorplatz der Reitschule versammelten sich um die 1000 Personen um an der Feier teilzunehmen.
Es gab mehrere gut besuchte Büchertische und Essensstände, an welchen sich die Leute informieren und bedienen konnten.
Bis Mitternacht sorgten die Bands „Mani Porno“, „Ballast Existenz“, „ProtonProd“ und „NoRMAhl“ für gute Stimmung, im Anschluss liessen die DJ`s „Bud Clyde“ und „Brian Python“ bis in die frühen Morgenstunden Publikum und Plattenteller tanzen.
Dass sich trotz des zeitweise starken Regens, so viele GenossInnen am revolutionären Block und an den anschliessenden Feierlichkeiten beteiligten, werten wir als vollen Erfolg!
Wir bedanken uns bei allen TeilnehmerInnen!
Jetzt erst Recht: Kapitalismus überwinden, nicht reformieren!
Revolutionäres 1.Mai Bündnis Bern

7. Bilder (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2010/05/75381.shtml & http://ch.indymedia.org/de/2010/05/75414.shtml)