Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Farbe & Kleber gegen Alpiq & Burson-Marsteller

Farbe & Kleber gegen Alpiq & Burson-Marsteller

Inhalt:
1. Communiqué
2. Medienbericht

1. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2011/05/81666.shtml)
Bei der Alpiq Filiale in Bern, Weissenbühl, wurden alle Türschlösser verklebt, die Autos entlüftet und das Gebäude mit Farbe verziert. Mit dem Ziel die Atomlobbyisten am arbeiten zu hindern.
Bei Burson-Marseller in Bern, Mattenhof, wurden die Türschlösser verklebt, an die Wand „Unsere Kommunikation: Stopp Atom!“ gesprüht und das ganze Gebäude eingefärbt.

Der Super-Gau in Fukushima, Japan, geht um die Welt. Nicht nur in den Medien, sondern zusätzlich in unsichtbarer, radioaktiver Form. Europa ist eine halbe Erdkugel vom Unglücksort entfernt, dennoch wurde hier schon erhöhte Radioaktivität gemessen. Und die Katastrophe ist noch lange nicht zu Ende. Sie fand ihren Anfang auch schon lange vor den Geschehnissen in Japan. Mit dem Wissen um die Gefahr des Supergaus und dem ungelösten Problem der Endlagerung werden weiterhin Atomkraftwerke gebaut. Dies ist nur ein Beispiel, wie aufgrund von Profitmaximierung Zerstörung und unkontrollierbare Risiken für Mensch, Tier und Natur entstehen.
Warum fördern kapitalistische Unternehmen dieses Risiko? Nehmen sie damit auch in Kauf, dass wie jetzt in Japan Menschen kurz- oder langfristig an den Folgen des Desasters sterben, die Region über Jahrhunderte verseucht ist und radioaktive Wolken um den Planeten ziehen?

Warum fördern kapitalistische Unternehmen dieses Risiko?
Hier müssen wir bei der Logik der Marktwirtschaft beginnen: Es geht einfach gesagt darum, mit möglichst geringem Aufwand an Lohn- und Produktionskosten ein Maximum an Profit herauszuholen nur um damit erneut Profit herauszuschlagen. Dies legt Einiges ganz deutlich ans Licht: Beim Gewinnen geht es immer auch ums Verlieren. Die VerliererInnen sind bei der Profitmaximierung eindeutig in der Mehrzahl, ganz abgesehen davon, dass die Natur, unsere Überlebensgrundlage, in immer krasserem Ausmass zerstört wird. Bei den Kosten wird augenfällig: Um die Produktionskosten zu senken, wird unter anderem auch bei den Unterhalts- und Sicherheitskosten gespart. Wir wissen, dass da die Betreibergesellschaft Tepco keine unrühmliche Ausnahme ist. Hierzu gibt es jede Menge Fakten aus der Vergangenheit, vielleicht erinnert sich da jemand noch an Deepwater Horizon? (Ölkatastrophe im Golf von Mexiko)
Kapitalistische Firmen nehmen also immer wieder ein hohes Risiko in Kauf um ihre Profite zu Maximieren.

Nehmen sie damit auch in Kauf, dass wie jetzt in Japan Menschen kurz- oder langfristig an den Folgen des Desasters sterben, die Region über Jahrhunderte verseucht ist und radioaktive Wolken um den Planeten ziehen?
Nach solchen Ereignissen geben sich die betroffenen Unternehmen und / oder Regierungen immer sehr reuig. Schuldige werden gesucht und vielfach gefunden. Sei es nun die Natur oder mangelnde Sicherheitsvorkehrungen durch die Betreiberfirma. Doch das Wesentliche, nämlich das Prinzip der Profitmaximierung, steht nur selten am Pranger. Gerade dies treibt jedoch unvernünftige und verantwortungslose Handlungen an Mensch, Tier und Natur voran. Der Profit bildet eine Maxime, hinter dem alles andere zurückstehen muss, auch wenn dies Tod, Elend, Hunger, Verseuchung, Verschwendung und Zerstörung bedeutet. Wegen dieser vernunftlosen Maxime wird in Kauf genommen, dass wie jetzt in Japan Menschen kurz- oder langfristig an den Folgen des Desasters sterben, die Region über Jahrhunderte verseucht ist und radioaktive Wolken um den Planeten ziehen.

Hier in der Schweiz ist es nicht anders. Profit egal was es kostet gilt als Maxime im Staatsapparat wie auch bei den hier angesiedelten Unternehmen. Deshalb griffen wir in der Nacht vom 15.05 auf den 16.05.2011 in Bern zwei Ziele der Atomlobby an:
1. Alpiq Holding AG ist einer der grossen Schweizer Energiekonzerne. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima hält Alpiq immer noch am Neubau eines AKW im Kanton Solothurn fest. Alpiq investiert auch kräftig im Ausland, sie besitzt beträchtliche Anteile an Kern-, Gas- sowie Kombikraftwerken in Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Norwegen, Ungarn, Bulgarien und in der Tschechischen Republik. Im Jahr 2010 erzielte Alpiq damit einen Reingewinn von 645 Millionen Schweizer Franken.
2. Burson-Marsteller ist eine Public-Relations-Agentur, die in 50 Länder tätig ist und sogenanntes Astroturfing betreibt – das heisst sie betreiben Lobbying für dreckige Firmen durch Manipulation des öffentlichen Meinungsbildes. Dies indem sie Leute anstellen, die scheinbar unabhängig agieren und Graswurzelbewegungen vortäuschen, welche die Firmen in ein positives Licht stellen. Burson-Marsteller betreibt seit 2006 das Atomforum Schweiz, welches die Lobbystelle für Atomkraft in unserem Land ist.
Nach Aussage des BUND gebe es darüber hinaus „Indizien, die darauf hinweisen, dass gerade in der Schweiz viele Wikipedia Seiten zu den Thema AKW und Atomenergie, von der Atomindustrie massiv manipuliert werden. Dies entspricht auch dem üblichen Vorgehen von Burson Marsteller.“


2. Medienbericht (Originalquelle: https://linksunten.archive.indymedia.org/node/40414/index.html)
-sda
Unbekannte haben in der Nacht auf Montag in Bern eine Niederlassung des Energiekonzerns Alpiq und den Sitz einer PR-Firma verschmiert.

Die PR-Firma führt die Geschäftsstelle des Nuklearforums Schweiz. Die als «Kommando Atom» zeichnenden Unbekannten gaben ihre «Anschläge» am Montag in einer Medienmitteilung bekannt und sprechen darin auch von verklebten Türschlössern und «entlüfteten Autos».

Es sei darum gegangen, «die Atomlobby am Arbeiten zu hindern». Dieser gehe es nur um den Profit statt um den Schutz von Mensch und Natur. Eine Sprecherin der Kantonspolizei Bern sagte auf Anfrage, die Polizei habe Kenntnis von den Vorfällen und habe Ermittlungen eingeleitet.

Der Geschäftsführer der betroffenen Alpiq-Niederlassung, Stefan Tschanz, sprach auf Anfrage von einem relativ grossen Schaden durch Sprayereien. Das Personal seiner Firma habe aber arbeiten können. Es sei Anzeige gegen unbekannt erstattet worden. Beim Nuklearforum Schweiz handelt es sich um die frühere Schweizerische Vereinigung für Atomenergie. Das Forum fördert die Nutzung und Entwicklung der Atomenergie in der Schweiz.