Archiv für Neue Soziale Bewegungen
SchülerInnenstreik Atomstrom

SchülerInnenstreik Atomstrom

Inhalt:
1. Communiqué
2. Bilder


1. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2011/05/81806.shtml)
Heute streikten und demonstrierten mehrere Tausend, vorwiegend jugendliche DemonstrantInnen gegen Atomstrom.
Nachdem sich um 8:00 Uhr in verschiedenen Schulen zahlreiche Schülerinnen und Schüler besammelten, spazierten sie zur Heiliggeistkirche. Bis um etwa 10:00 Uhr wuchs die Menge auf über 2500 DemonstrantInnen an. Nach einer kurzen Begrüssung bewegte sich die Demonstration lautstark in Richtung Münsterplatz. Die Polizei hielt sich mit Anweisungen und Provokationen nicht zurück, trotzdem funktionierte die Kommunikation zwischen uns und ihnen problemlos und einvernehmlich. Auf dem Münsterplatz wandte sich ein Sprecher, der den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft-Energiegewinnung forderte, an das Publikum. Danach ging es mit viel Musik und Parolen zum Bärengraben den Aargauerstalden hinauf, wo trotz dem heissen Wetter eine famose Stimmung herrschte. Zusätzlich wurde Wasser ausgeschenkt. Nach einem kurzen Sprint, versammelten sich die DemonstrantInnen beim BKW-Hauptsitz auf dem Viktoriaplatz, wo eine Lärmminute durchgeführt wurde.
Nach dem ohrenbetäubenden Lärm ging es über die Kornhausbrücke und Bundesplatz zur kleinen Schanze. Nach einer Abschlussrede, fand ein Konzert statt. Die Kommunikation mit der Polizei war sehr kooperativ und effizient, man einigte sich auf sogar auf einen Zeitpunkt der Beendigung. Doch als das Konzert beendet wurde und wir zusammenräumen wollten, schritt die Polizei trotzdem ein. Leider waren zu diesem Zeitpunkt die JournalistInnen bereits abgezogen. Als hätten sie nur auf diesen Moment gewartet, griff plötzlich die Polizei ein. Sie kontrollierten Leute und verschafften sich mit Gewalt Zugang zu der Autonummer. Zudem schubsten sie die Jugendlichen herum, welche um den Soundwagen standen. Als die Polizei Pfefferspray zückte (aber glücklicherweise nicht einsetzte) und die Verantwortlichen verhaften wollten, formierten sich die etwa 50 übriggebliebenen DemonstrantInnen und zogen in einer Nachdemo zur Reitschule, wo sich die Kundgebung endgültig auflöste.
Wir sind entsetzt und wütend über solche Massnahmen. Nach vorgehend friedlicher Demonstration und Kooperation mit der Polizei, sind solche Reaktionen völlig unverständlich.
Wir wollen unsere Anliegen* laut und bestimmt, aber friedlich, auf die Strasse bringen. Wendet die Polizei jedoch Schikane und Provokationen an, so lassen wir sicher nicht auf uns herum trampeln. Wir werden uns immer wehren, wenn unsere Meinung unterdrückt wird!
Wir werden weiter demonstrieren, bis alle AKW’s abgeschaltet sind.
Heute ist nicht alle Tage –wir kommen wieder, keine Frage!

Eine andere Welt ist möglich!
* Wir fordern den sofortigen Atomausstieg! Wir wissen, dass wir in der Schweiz auf fünf tickenden Zeitbomben sitzen. Es kann nicht sein, dass wegen der Geldgier einiger Energiekonzerne und Verwaltungsräte weiter mit dem Leben und der Zukunft von Millionen Menschen gepokert wird. Wir fordern deshalb die Mitglieder der Parlamente und Regierungen dazu auf, sich ab sofort und konsequent für eine Stromversorgung ohne Atomkraft einzusetzen. Ein Atomausstieg ist möglich und notwendig – und zwar jetzt!
Nur weil wir nicht abstimmen können, bedeutet das nicht, dass wir schweigen müssen. Wir werden unsere Meinung solange kundtun, wie in der Schweiz marode Schrottreaktoren am Netz sind! Wir bestreiken unsere Schulen, weil unsere Zukunft fremdbestimmt wird und wir nicht mitreden können. Das Paradox unserer Schulen ist, dass sie einerseits die SchülerInnen zu „mündigen BürgerInnen“ erziehen sollen, was Partizipation voraussetzen würde. Andererseits wird in den Schulen vor allem verlangt, passiv am Unterricht teilzunehmen und auswendig zu lernen.
Dieser Protest ist eine Form von Partizipation! So nehmen wir Einfluss auf die politischen Entscheidungsprozesse. Wir wollen ein aktiver Teil bei der Gestaltung unserer Zukunft sein..

Wir sind eure Zukunft!
Wir sehen unseren Streik als legitimes Mittel an, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Die streikende Jugend

2. Bilder (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2011/05/81812.shtml)