Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Sauvage Thun Guisanplatz (A-Perron)

Sauvage Thun Guisanplatz (A-Perron)

Inhalt:
1. Communiqué


1. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2012/04/86034.shtml)
Am Osternwochenende haben wir, das Kollektiv A-Perron, das Kino Rex am Guisanplatz besetzt.
Die Besetzung eröffneten wir mit einer Goa-Party, an welcher ca. 252 Personen bis in die frühen Morgenstunden ausgelassen feierten und tanzten.
Nach der langen Nacht verwöhnten wir die Anwesenden mit einem ausgiebigen Brunch als Stärkung für den Tag. Der Nachmittag stand für kreative Aktivitäten offen; Zahlreiche Personen nutzten diese seltene Gelegenheit um ihren künstlerischen Ideen freien Lauf zu lassen. Im und ums Haus entstanden vielzählige Kunstwerke, Parolen, Zeichnereien, Kritzeleien, Gedanken usw., welche die faden Wände vielfältig und ideenreich gestalten.
Für das leibliche Wohl war auch am Abend gesorgt – unser Gastroteam beglückte die Hungrigen durch eine vegane Mahlzeit. Anschliessend rockten drei hochkarätige und energiegeladene Punk&Ska-Punk Bands den ehemaligen Kinosaal. Die Energie der Bands und die aussergewöhnliche Atmosphäre animierte das Publikum zu Tanz und Bewegung – die Stimmung kochte.
Am Sonntag stand das gemütliche Erholen vom vollgepackten Programm im Vordergrund. Erneut konnten sich die Anwesenden an einem Brunch und einer VoKü (Volksküche) verköstigen
und am Abend erwiesen wir dem Kino Rex die letzte Ehre mit einer Filmvorführung. Anschliessend verliessen wir reumütig unser temporäres Zuhause.
Das gesamte Wochenende durch konnten sich die Menschen mit allerlei Getränken und kleineren Snacks bedienen, welche zu einem freien Preis angeboten wurden.
Insgesamt verlief das Programm ohne grössere Zwischenfälle. Einzig zu erwähnen sind zwei Vorfälle: In der späteren Freitagnacht verletzte eine Gruppe junger Männer die Grundsätze des Hauses. Trotz mehrmaligem Hinweisen auf diese, verstiessen sie erneut dagegen. Diese Situation konnte durch die vorhandene Sicherheitsstruktur bewältigt werden – worauf sie das Haus verlassen mussten. Jedoch tauchten dieselben Personen am Samstag und Sonntag erneut auf und provozierten und bedrohten die Anwesenden. Durch das besonnene und koordinierte Auftreten unsererseits konnten diese Situationen ohne Probleme gelöst werden.

Einen grösseren Kritikpunkt haben wir am anfänglichen Auftreten der Polizei am Freitagabend, welches übertrieben und z.T. rechtlich in einem Graubereich (z.B. Androhung von Anzeigen für Straftaten, die nicht existieren) war. Nach längeren Verhandlungen entspannte sich die Situation und so konnten die geplanten Aktivitäten in Angriff genommen werden.
Das neu geschmückte und verzierte Gebäude ist unser (kurzfristiges) Ostergeschenk an die Stadt und die Bevölkerung von Thun – denn wir bevorzugen bunte Häuser und Strassen, statt farbige Eier zu Ostern. Wir werden weiter dafür kämpfen, eine solche Oase, in der Wüste des grauen Alltags, des masslosen Konsums, der zunehmenden Beherrschung des öffentlichen Raumes durch wirtschaftliche Interessen und Kontrolle durch die Autoritäten, zu schaffen. Wir wollen ein Haus, in dem wir unsere Träume und Bedürfnisse frei ausleben können. Wir wollen Kultur statt Hollywood – Freiraum statt Überwachung – aktive ThunerInnen statt tote Thuner Innenstadt – wir wollen leben statt existieren.

In diesem Sinne werden wir weiter aktiv sein und sie werden von uns hören.
Freundliche Grüsse
Ihr A-Perron

P.S. Leider konnte niemand den A-Perron-Osterwettbewerb gewinnen – wir suchen weiterhin nach unserem Nest – deshalb wird der Wettbewerb weiter geführt und wir nehmen weiterhin Vorschläge für unser zukünftiges Nest entgegen.