Fascho-Übergriff Matzenried

Inhalt:
1. Communiqué
2. Medienbericht

1. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2014/09/93204.shtml)
Am Samstagabend, 30.9.2014, hat eine Gruppe maskierter und bewaffneter Männer ein besetztes Haus in Matzenried, Bern, gewaltsam ‚gesäubert‘.
Das Kollektiv Karakaxa hat am vergangenen Donnerstag ein zu lange leerstehendes Bauernhaus an der Matzenriedstrasse 94 besetzt, um auf die extreme Wohnungsnot, Leerstand und Überteuerung von Wohnraum in Bern aufmerksam zu machen. Die Verhandlungen mit den EigentümerInnen liefen an und Kontakt mit verschiedenen Nachbarn wurde aufgebaut. Die ersten Begegnungen mit diesen waren positiv und freundlich.
Am selben Abend wurde das Haus von einer Gruppe junger Männer, einer mit einem Reichsadler verzierten Pullover bekleidet, andere mit Glatze, aus der Region Matzenried aufgesucht. Sie wiesen mit verschränkten Armen darauf hin, dass die Besetzung des Bauernhauses gegen die Tradition des Dorfes verstiesse und versuchte die BesetzerInnen zum Gehen zu überreden. Vorher hatten sie das Transparent mit der Aufschrift „Besetzt und Belebt“ vom Haus gerissen. „Ihr seid Fremde hier“, wogegen sie ihr ganzes Leben hier verbracht hätten. Die Weigerung der neuen BewohnerInnen, am selbigen Abend das Grundstück zu verlassen, führte zu heftigen Diskussionen, Einschüchterungen und Gewaltandrohungen. Dass nach zwei Stunden verbalen Auseinandersetzungen die faschistoide Gruppe das Grundstück verliess, lag wohl nicht zuletzt daran, dass die Prügelknaben andere Prügelknaben erwartet hatten.
Am Samstagabend wurde das Haus von einer Männergruppe, mit Sturmhauben maskiert und mit Stöcken, Holzpfosten und Brettern bewaffnet, gewaltsam gestürmt. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden körperlich angegriffen und zum Teil verletzt. Nach dem Angriff warfen die Eindringlinge sämtliche persönlichen Gegenstände aus dem Fenster und zogen nach der Säuberungsaktion johlend ab.

Das Kollektiv entschied am selben Abend, das Haus zu verlassen. Am Sonntagnachmittag wurde schliesslich mit einer Kundgebung die Bevölkerung von Matzenried über die Vorfälle informiert. Eine spazierende Person stiess am späteren Nachmittag nach der Zusammenkunft in Matzenried auf Masken und Schlagstöcke, die am Waldrand lagen. Sie rief die Polizei und berichtete über ihren Fund. Diese zeigte wenig Interesse daran und erklärte, dass der Fall für sie bereits abgeschlossen sei… Als am Dienstag eine weitere Person die Polizei über die noch immer am Waldrand liegenden (!) Gegenstände informierte, wurden diese schliesslich „sichergestellt“.
Ohne an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt Schlussfolgerungen ziehen zu können und zu wollen, soll hier schlicht darauf aufmerksam gemacht werden, dass neofaschistische Tendenzen in den letzten 10 Jahren in den Hintergrund gerückt sind, dass die Gewaltbereitschaft dieser Kreise unterschätzt wird und dass nur eine Nulltoleranz derartiger Angriffe als mögliche Antwort in Frage kommt.
Anti-Faschismus muss zurück auf die Agenda. Nicht nur in Ungarn, nicht nur in Griechenland, auch in Matzenried, auch hier.


2. Medienbericht (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2014/09/93185.shtml)
Kurz vor 21.30 Uhr am Samstagabend in Oberbottigen BE: Mit Schlagstöcken bewaffnete Männer stürmen ein von der Gruppe «Kollektiv Karakaxa» besetztes Haus. Die Angreifer haben Sturmhauben über die Köpfe gezogen, wie der «Bund» berichtet.
Einer der Bewohner sagt zur Zeitung: «Sie rannten ins Haus, schlugen auf Einzelne von uns ein und warfen Mobiliar aus dem Fenster.» Die Besetzer – die sich am Donnerstag in dem alten Bauernhaus eingerichtet hatten – vermuten, dass die Angreifer sie wohl vertreiben wollten.
Gemäss den Beobachtungen der Besetzer dürften die vermummten Männer der rechtsextremen Szene angehören. So habe einer der Angreifer einen Pullover mit der Aufschrift «Combat 18» getragen, was für «Kampftruppe Adolf Hitler» steht. «Combat 18» ist eine gewalttätige neonazistische Gruppierung.
Gemäss «Bund» hat die Kantonspolizei Kenntnis von dem Vorfall. Es hätten bereits erste Personenkontrollen im Zusammenhang mit dem Vorfall stattgefunden.
Die Besetzer erhielten bereits am Donnerstag Besuch von einer – unmaskierten – Gruppe Männer, die sie aggressiv aufgefordert hätten, das Haus zu verlassen. Die Männer hätten den Besetzern gesagt, dass sie gegen die «traditionellen Werte auf dem Land» verstiessen.

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