Protestaktion Lohndumping

Inhalt:
1. Communiuqé
2. Medienbericht


1. Communiuqé (Originalquelle: https://www.unia.ch/de/aktuell/aktuell/artikel/a/11489/)
Bern: Lohndumping auf PostParc-Baustelle
Mit einer Protestaktion wehren sich die Bauarbeiter gegen den Lohndumping-Fall auf der Berner PostParc-Baustelle.
Lohndumping und 60-Stunden-Woche: Das lassen die Arbeiter auf der PostParc-Baustelle in Bern nicht mehr auf sich sitzen und wandten sich an die Unia. Sie mussten für acht Euro anstelle von mindestens 22 Franken arbeiten.
Der Lohndumpingfall auf der Berner Baustelle «PostParc» ist der Unia und dem Generalunternehmen Steiner AG seit Langem bekannt. Derweil hätten die Bauherrin PostFinance AG und die «Steiner AG» genügend Zeit gehabt, die Probleme zu bereinigen. Doch eine Lösung ist weiterhin nicht in Sicht. Deshalb organisierte die Unia eine Protestaktion, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Mit dieser Aktion fordert die Unia mit den betroffenen Arbeitern sofortige Massnahmen gegen Lohndumping auf der Baustelle.
Was muss getan werden?
Für die Unia ist klar: Die Verantwortlichen PostFinance und die GU Steiner sind verpflichtet, jetzt zu handeln. Das heisst: Ausstehende Löhne müssen nachbezahlt werden. Und zur Sicherung der offenen Lohnforderungen soll ein Sperrkonto eingerichtet werden. Nur so sind die ausstehenden Löhne der Betroffenen gesichert.


2. Medienbericht (Originalquelle: https://www.bernerzeitung.ch/region/gemeinde/Lohndumping-in–Berner-Schanzenpost/story/27793718)
Lohndumping in Berner Schanzenpost
Bern Die Gewerkschaft Unia hat gestern aufgedeckt, dass auf der Grossbaustelle Schanzenpost Slowaken für rund fünf Euro in der Stunde arbeiten. Die Post will nun die Zusammenarbeit mit der zuständigen Firma kündigen.

Die Gewerkschaft Unia erhebt schwere Vorwürfe gegen die Post: Auf der Grossbaustelle Schanzenpost sollen Slowaken zu rund fünf Euro pro Stunde beschäftigt sein. Dazu wohnen die 14 Bauarbeiter unter der Baustelle im Luftschutzkeller. Es ist bereits der zweite Fall von Lohndumping, den die Unia im Oktober anprangert (wir berichteten).

Im zweiten Untergeschoss ist die Luft stickig und heiss. In mehreren Räumen stehen Feldbettem, auf die Wände sind Hanfblätter gemalt und es hängen Bilder von leicht bekleideten Frauen. Die Bauarbeiter aus der Slowakei stehen betreten neben ihren Zimmern und rauchen Zigaretten. Laut eigenen Angaben verdienen sie hier auf der Baustelle Schanzenpost tatsächlich rund fünf Euro pro Stunde. Auf mitgebrachten Lohnausweisen und Arbeitsverträgen stehen Monatslöhne von 3000 bis zu 3400 Franken brutto – 13. Monatslohn und Zulagen wie Essensentschädigung oder Reisekosten gibt es keine. Netto ergibt dies einen Lohn von 2200 Franken. Nico Lutz, Mediensprecher der Gewerkschaft Unia stellt klar: «Der Mindestlohn für einen unqualifizierten Bauarbeiter in der Schweiz beträgt 4393 Franken brutto. Der 13. Monatslohn sowie Zulagen sind hier nicht einberechnet.» Die Slowaken seien aber nicht unqualifiziert, sondern ausgebildete Fachkräfte. «In einem solchen Fall sollten sie 5300 bis 5449 Franken verdienen», so Lutz.

Die Arbeiter sagen zudem, dass sie zu lange arbeiten müssen. Die Dolmetscherin übersetzt: Teils würden sie zehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche auf der Baustelle schuften. In dieser Zeit führen sie Asbestsanierungen und Abbrucharbeiten aus. «Wenigstens die Sicherheit ist bei der Arbeit mit Asbest gegeben», sagt Lutz. «Sie tragen jeweils Masken.»

Die Slowaken sind von der deutschen Firma Howe angestellt, welche die Arbeiten für die Bauherrin Post ausführt. Seit Anfangs Juni stehen die slowakischen Bauarbeiter unter Vertrag, bis April 2012 sollten sie auf der Baustelle bleiben. Da die Post den Auftrag an Howe vergeben habe, könne sie sich laut Unia aus der Verantwortung ziehen. Deshalb fordert die Unia eine Solidarhaftung –der Hauptauftraggeber, in diesem Fall die Post, müsste demnach die geltenden Gesamtaufträge durchsetzen und haftbar sein, wenn diese verletzt werden. «Nur so können wir das Problem des Lohndumpings auf Baustellen in den Griff bekommen», so Nico Lutz.

Die Bauarbeiter selbst verstehen die Aufregung nicht. Direkt möchte am liebsten niemand Auskunft geben. «Sie fürchten sich davor, ihre Stelle zu verlieren», sagt die Dolmetscherin. Die Frage, ob sie mit Unterkunft und Lohn zufrieden sind, beantworten dennoch alle mit einem Kopfnicken. «Wir verdienen mehr als in der Slowakei», sagt ein Arbeiter, der anonym bleiben möchte. «Wir wohnen auch schöner. Wir sind zufrieden.» Schockiert seien die Slowaken aber trotzdem gewesen, als sie erfahren hätten, dass ein Schweizer für die gleiche Arbeit so viel mehr verdiene.

Post reagiert sofort
Am späten Nachmittag hatte die Unia die erste Sitzung mit der Post. In einer ersten Stellungnahme nach dem Treffen kündet die Bauherrin an: «Grundsätzlich kommt für die Post eine weitere Zusammenarbeit mit der Firma Howe unter derartigen Umständen nicht mehr in Frage». Mit der Firma Howe würden aber auch die Arbeiter den Auftrag verlieren, der ihnen für ihre Verhältnisse einen guten Lohn einbringt. «Die slowakischen Arbeiter arbeiten für die Firma Howe und gehören nicht zu der Post», kommentierte gestern Nathalie Salamin, Mediensprecherin der Post.Jessica King