Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Knastspaziergang Effingerstrasse (Effy29)

Knastspaziergang Effingerstrasse (Effy29)

Inhalt:
1. Aufruf
2. Bericht
3. Medienbericht


1. Aufruf (Originalquelle: https://www.facebook.com/InfoAGB/photos/a.527339417414419.1073741828.522461554568872/786959968119028/?type=3&theater)
Heute: Knastspaziergang gegen Repression und Polizeigewalt. Wir starten Gemeinsam um 20Uhr bei der Reitschule.


2. Bericht (Originalquelle: https://www.facebook.com/InfoAGB/posts/787214491426909)
Gestern verteidigte die Polizei mit einem grösseren Aufgebot die Tristesse einer grauen, sowie leblosen Stadt und verhinderte einen Knastspaziergang. Heute Abend gehen wir dafür umso lauter, kraftvoller und bunter auf die Strasse. Besammlung für den Umzug durch die Innenstadt ist um 20 Uhr bei der Reitschule!

Rund 150 Menschen versammelten sich am Freitagabend bei der Schützenmatte, um mit Musik und Flyern vor das Regionalgefängnis zu ziehen. Der Protest sollte sich gegen Repression, Polizeigewalt und das Knastsystem richten. Die Polizei war jedoch mit einem grösseren Aufgebot vor Ort und sperrte grossflächig das Gebiet um die Reitschule ab. Eine Demonstration sollte von Anfang an im Keim erstickt werden. Dabei wurden ziellos Gummischrot und Wasserwerfer in Richtung der Reitschule eingesetzt. Wieder einmal versucht Reto Nause und die Polizei eine repressive Law and Order Politik durchzusetzen. Diese ist, wie bereits letztes Jahr beim Antifaschistischen Abendspaziergang zu beobachten war, zum Scheitern verurteilt. Denn bereits im Verlauf des gestrigen Abends kam es zu weiteren kleineren Spontandemos.
#Effy29 lebt!


3. Medienbericht (Originalquelle: https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/knastspaziergang-polizei-sperrt-bollwerk-mit-wasserwerfer/story/31360920)
Polizei geht mit Reitschule auf Konfrontation
Auf den ersten Blick sah es nach einem gewohnten Bild aus am Freitagabend nach 20 Uhr vor der Reitschule in Bern: Wasserwerfer, Tränengas, Leuchtpetarden. Aber etwas war neu. Polizei-Hundertschaften zeigten Muskeln.
Am Freitag versammelten sich weit über hundert Chaoten vor der Reithalle. Sie waren einem Aufruf auf der Facebook-Seite «RaumRaub» gefolgt, wonach um 20 Uhr ein sogenannter «Knastspaziergang» stattfinden sollte – gemeint war wohl ein Angriff mit Steinen und Farbbeuteln aufs Amthaus.

Doch die Polizei sperrte das Bollwerk auf alle Seiten hin ab und positionierte Einsatzkräfte und einen Wasserwerfer vor dem Amthaus, um die Linksradikalen am Durchkommen zu hindern.
Als sich die Demonstranten kurz nach 20.30 Uhr in Bewegung setzten, fuhr die Polizei einen Wasserwerfer auf die Strasse und drängte die Angreifer zurück. Diese reagierten mit Knallfröschen und Leuchtraketen, die sie Richtung Polizei warfen. Einige der Feuerwerkskörper trafen stehende Autos. Rauch veranlasste die Feuerwehr zum Einsatz von einem Löschfahrzeug. Vereinzelt versuchten verängstigte Fahrzeughalter geduckt zu ihren Fahrzeugen zu gelangen, um diese aus der Kampfzone zu fahren.

Belagerungsring der Polizei
Mehrere Buslinien konnten wegen der Sperrung der Lorrainebrücke und des Bollwerks den Bahnhof nicht mehr anfahren. Um 21 Uhr war der Ring um die Reitschule dicht: Hodlerstrasse, Lorrainebrücke, Bollwerk und Henkerbrünnli gesperrt. Die Zahl der Einsatzkräfte vor Ort muss um 22 Uhr bei rund 500 gelegen haben.
Es bot sich eine absurde Situation. In den Räumlichkeiten der Reitschule hielten sich mehrere Hundert Leute auf – in Partystimmung. Über den Parkplatz der Schützenmatt flogen Wurfgeschosse wie Stuhlbeine, Flaschen und Betonklötze. Und im Radius von 100 Metern um das Gebäude formierte sich ein Kreis von schwer ausgerüsteten Einsatzkräften und gepanzerten Fahrzeugen.

Zwar beruhigte sich die Lage nach 21 Uhr etwas, der Polizeieinsatz zog sich trotzdem in die Länge. Denn nach Mitternacht hätte sich erneut eine Gruppe auf der Schützenmatte formiert und Feuerwerkskörper gezündet, wie Kapo-Mediensprecher Dominik Jäggi am Samstagmorgen auf Anfrage mitteilte. Zwei Polizisten mussten mit Beschwerden für Abklärungen ins Spital gebracht werden. Sie wurden von Demonstranten mit Laserpointern geblendet. Angaben zu weiteren Verletzten lägen derzeit nicht vor, so Jäggi.
Im Zuge des Einsatzes kontrollierte die Polizei vor Ort mehrere Personen. Zwölf Personen, die teilweise Sturmhauben auf sich trugen, wurden angehalten und für weitere Abklärungen in Polizeiräumlichkeiten gebracht. Die zwölf Personen wurden allesamt vor Mitternacht wieder entlassen, weitere Abklärungen seien nun im Gang, hält Dominik Jäggi fest.
Gespräche am Vormittag

Seit am Mittwoch die Räumung eines besetzten Gebäudes an der Effingerstrasse ausgeartet war, kam es auch zu andern Vorfällen. In der Nacht auf am Freitag wurde am Verwaltungsgebäude des Bundesamtes für Bauten und Logistik (BBL) an der Fellerstrasse erheblichen Sachschaden angerichtet.
Noch am Freitag hatte die Stadt mit der Besetzerszene an einer Lösung am Verhandlungstisch gearbeitet, die man als es als deeskalierende Strategie bezeichnen könnte: Nachdem der Kanton, der die seit Sonntag vom Kollektiv «Fabrikool» besetzte alte Schreinerei auf dem Von-Roll-Areal in der Länggasse gehört, stets betonte hatte, einen Bewohner in dem baufälligen, denkmalgeschützten Gebäude aus Sicherheitsgründen nicht zu dulden, tönte es am Freitagmittag plötzlich anders.

Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion habe Verhandlungen mit den Besetzern aufgenommen, teilte sie mit. Denn die Besetzer hätten ein Konzept formuliert mit baulichen Massnahmen, aber auch einem Evakuationsplan zur Verbesserung der Sicherheit im Gebäude. Der Kanton werde das Konzept prüfen und mit den Besetzern über das weitere Vorgehen entscheiden.
Aufruf zur Demo
Trotzdem rufen Besetzergruppen über die Facebook-Seite Raumraub auch für Samstagabend ab 20 Uhr zu einer grossen Solidaritätsdemo mit den Besetzern in der Länggasse auf – mit Startpunkt Reitschule. Wenn ein Freiraum wie das am Mittwoch geräumte Haus an der Effingerstrasse 29 wegfalle, schreiben sie, «werden viele Menschen wütend. Diese Wut ist gut und kann uns dazu bringen, noch stärker für eine herrschaftsfreie Welt voller Freiräume zu kämpfen.» Und ein Kollektiv namens Animolotov macht Stimmung: «Wer Häuser räumt, kann auch zahlen.»
Für die erneute Demonstration vom Samstagabend ist die Kantonspolizei ebenfalls gerüstet. «Wir werden selbstverständlich die Lage laufend beobachten und uns mit einem entsprechenden Dispositiv bereit halten», so Kapo-Mediensprecher Dominik Jäggi.