Streik Gefängnis Thorberg

Inhalt:
1. Medienbericht


1. Medienbericht (Originalquelle: https://www.derbund.ch/bern/kanton/streik-auf-dem-thorberg/story/20739830)
Thorberg-Häftlinge fordern mehr Lohn und Beziehungszimmer
Thorberg-Direktion prüft Forderungen von 50 streikenden Häftlingen.
Rund 50 Häftlinge der Berner Justizvollzugsanstalt Thorberg sind in den Streik getreten. Sie verlangen unter anderem einen Begegnungsraum für intime Kontakte, einen höheren Lohn und mehr zu essen. Thorberg-Direktor Thomas Egger bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der Zeitung «Blick». Inhaltlich wollte er nicht Stellung zu dem dreiseitigen Forderungskatalog nehmen.

«Wir werden das Papier analysieren», kündigte er an. «Bis Ende Woche werden wir gegenüber den Streikenden eine erste Stellungnahme abgeben.» Auf dem Thorberg in Krauchthal sitzen rund 180 Häftlinge. 50 von ihnen verweigern seit Freitag die Arbeit, wie Egger berichtete. Der Betrieb der Justizvollzugsanstalt sei dadurch nicht beeinträchtigt. «Die Logistik funktioniert wie immer.» Streiks gebe es in der Anstalt ab und zu, sagte Egger weiter. Meistens seien es aber Einzelpersonen, die ihrer Arbeit aus individuellen Gründe nicht nachgingen. Dass mehrere Dutzend Häftlinge gemeinsam streikten, sei selten. Aber offensichtlich funktioniere die Gruppendynamik.
«Wir sind überzeugt, dass manche Streikende lieber arbeiten würden», erklärte Egger. Doch gebe es in einer Strafanstalt eben eine Hackordnung.

Zur Arbeit verpflichtet
Laut «Blick» erhalten die Häftlinge 320 Franken im Monat. Während der Arbeitsniederlegung kriegen sie gar nichts, wie Egger auf Anfrage sagte. Gefangene sind gemäss Strafgesetzbuch zur Arbeit verpflichtet. Die Arbeit sollte den individuellen Fähigkeiten entsprechen und den Häftlingen helfen, in Freiheit den Lebensunterhalt wieder selber verdienen zu können. Auf dem Thorberg gibt es unter anderem eine Sattlerei/Polsterei, eine Buchbinderei, eine Malerei und eine Weberei. Arbeitsplätze finden sich auch etwa in der Küche, in der Wäscherei, in der Bäckerei und im Hausdienst.

«Sex-Verbot ist weisse Folter»
Die Gefangenen-Selbsthilfeorganisation Reform 91 zeigt Verständnis für die Forderungen der Streikenden. Wenn man Gefangenen die Möglichkeit von sexuellen Kontakten vorenthalte, sei das weisse Folter, sagte Reform-91-Sprecher Peter Zimmermann auf Anfrage. Weisse Folter umfasst Methoden, die nicht sichtbar sind, die Psyche der Menschen aber angreifen und schädigen können. In den Strafanstalten Pöschwies (ZH) und Bostadel (ZG) gebe es sogenannte Beziehungszimmer. «Wir sind der Ansicht, dass sich auch die Berner Justiz an die Bundesverfassung halten sollte.» Zimmermann kritisierte die Strafanstalt Thorberg auch grundsätzlich: «Man plaudert und plaudert seit Jahren, aber man setzt nichts um.»

Kein Rechtsanspruch aber sinnvoll
Laut Strafvollzugsexperte Benjamin Brägger sind die Haftbedingungen in der Schweiz auf einem hohen Standard. «Die Gefangenen jammern auf einem hohen Niveau», sagt er. Und das Essen zu kritisieren, sei bei Häftlingen beliebt. Auch auf ein Beziehungs-Zimmer bestehe kein rechtlicher Anspruch und eine Haft bedeute immer eine Enschränkung der persönlichen Freiheiten. «Ein Gefängnis ist kein Hotel.» Brägger unterstützt das Anliegen eines Beziehungszimmer aber dennoch. «Wenn die meist jungen Männer ihre Sexualität nicht leben können, erhöht dies nur das Risiko von Missbräuchen», begründet er. Zudem dienten die Räume auch dazu, die Beziehung zur Familie zu pflegen und zum Beispiel gemeinsam mit Frau und Kindern in einem möglichst normalen Umfeld eine gewisse Zeit zu verbringen. Denn das Beziehungs-Zimmer ist eher eine Zweizimmerwohnung mit Kochnische, Wohnraum und Schlafzimmer. «Die Verurteilten können dort eine Zeit lang mit ihre Familie kochen und spielen», sagt Brägger.

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