2018,  Antifaschismus,  Demo

Demo Erinnern heisst Kämpfen

Inhalt:
1. Aufruf
2. Communiqué
3. Bericht Anarchistische Gruppe Bern
4. Bilder
5. Medienbericht


1. Aufruf (Originalquelle: https://www.facebook.com/297667917729042/photos/a.297682511060916/297702034392297/)
Erinnern heisst kämpfen – Für eine solidarische Zukunft!
Am 9. November 2018 jährt sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht von 1938. Über Tausend Synagogen und viele jüdische Einrichtungen wurden vom Mob, angeleitet durch die NSDAP, zerstört und hunderte Jüd*innen getötet. In den folgenden Tagen verschleppten die Nazis 30‘000 jüdische Menschen in Konzentrationslager. Dies war der Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung zur systematischen Verfolgung von Millionen Jüd*innen(1). Ebenfalls Ziel der organisierten Vernichtung waren millionen Angehörige von Bevölkerungsgruppen, die auch nicht in das nationalsozialistische Menschenbild passten.

Erinnern heisst kämpfen!
Am 9. November gehen wir auf die Strassen Berns und gedenken allen Opfern des NS-Regimes. Nie wieder wollen wir solche Ereignisse tatenlos akzeptieren. Wenn wir uns umblicken, sehen wir eine Welt, die nicht nur zum Nachdenken auffordert, sondern zum Handeln.
Das gesellschaftliche Klima ist vergiftet; Fremdenfeindlichkeit und rechtsradikales Gedankengut konnten sich wieder bis weit in die Mitte der Gesellschaft etablieren. Systematische Diskriminierung und Angriffe auf Geflüchtete gehören in Europa zur Tagesordnung. An der Grenze zur Festung Europa ertrinken tausende Menschen im Mittelmeer oder verdursten in der Wüste. Nationalistische und faschistische Parteien und Bewegungen gewinnen immer mehr an Stärke. Dies ist kein Zufall; Die Geschichte zeigt, dass die Herrschenden in Zeiten der Krise, Xenophobie und Ausgrenzung nicht nur tolerieren, sondern oftmals vorantreiben. Auf sie ist nie Verlass, Krieg und Krise sind Teil ihrer Politik.

Für eine solidarische Zukunft!
An diesem Abend stehen wir nicht nur gegen menschenfeindliche Ideologien, sondern auch für eine solidarische Zukunft ein. Wir wollen eine Welt, die auf gegenseitiger Hilfe basiert, bedürfnisorientiert und nachhaltig produziert. Eine Welt, in der Menschen im Einklang mit der Natur und ohne Herrschaft untereinander leben. Eine Welt, in der wir Menschen nicht in Kategorien zwängen und nach diesen bewerten.
Dafür treffen wir uns am Freitag, 9. November 2018 um 19:30 Uhr beim Bahnhofsplatz in Bern. Um 20:00 Uhr werden wir unseren Protest lautstark, bunt und inhaltsbezogen auf die Strasse tragen. Nehmt Familie und Freund*innen mit, lasst Böller und Pyros zu Hause. Tipp für trotzdem Licht: Vergiss deine Taschenlampe nicht!

1: In einer früheren Version stand, es seien 6 Millionen Jüd*innen von der Verfolgung betroffen gewesen. Die richtige Zahl ist wesentlich höher. 6 Millionen Jüd*innen wurden im Holocaust ermordet.
Korrektur:
Leider haben wir in unserem Aufruftext einen inhaltlichen Fehler gemacht.
Wir schrieben: „Dies war der Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung zur systematischen Verfolgung von sechs Millionen Jüd*innen.“
Jedoch waren von der systematischen Verfolgung wesentlich mehr als 6 Millionen Jüd*innen betroffen. 6 Millionen ist die Anzahl an im Holocaust ermordeten, nicht der generell Verfolgten Jüd*innen. Wir bitten um Entschuldigung für diesen Fehler.


2. Communiqué (Originalquelle: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=319883125507521&id=297667917729042)
Communiqué zur „Erinnern heisst Kämpfen“-Demonstration von 09.11.2018
Heute Abend haben sich 450 Menschen zu einer lautstarken, kämpferischen und vielfältigen Demonstration eingefunden um ein starkes Zeichen für eine solidarische Zukunft zu setzen. Fünf Reden begleiteten den Umzug durch den Abend. Zu Beginn der Demo wurde ein Video mit Augenzeug*innen-Berichte an die Heiliggeistkirche projiziert.
Heute jährte sich zum achzigsten Mal die Reichpogromnacht, was wir zum Anlass nahmen, den Opfern des NS-Regimes zu gedenken. Wir gingen gegen antisemitische Ressentiments, die menschenverachtende Migrationspolitik und das Wiederaufflammen faschistischer Bewegungen auf die Strasse.
Die Reichspogromnacht 1938 bildete den Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Europas. In den folgenden Tagen des 9. Novembers 1938 verschleppten die Nationalsozialisten über 30‘000 jüdische Menschen in Konzentrationslager. Nie wieder wollen wir solche Ereignisse tatenlos akzeptieren. Wenn wir uns umblicken, sehen wir eine Welt, die nicht nur zum Nachdenken, sondern um Handeln auffordert!

Die Ereignisse in Chemnitz und Köthen, wo Neonazis mit Parolen wie „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“, „Frei, sozial und national!“, sowie mit Hitlergrüssen durch die Strassen marschierten, sind Sinnbild für das vergiftete gesellschaftliche Klima. Fremdenfeindlichkeit und rechtsradikales Gedankengut konnten sich wieder bis weit in die Mitte der Gesellschaft etablieren. Systematische Diskriminierung und Angriffe auf Geflüchtete gehören in Europa zur Tagesordnung. An der Grenze zur Festung Europa ertrinken tausende Menschen im Mittelmeer oder verdursten in der Wüste. Nationalistische und faschistische Parteien und Bewegungen gewinnen immer mehr an Stärke. Die Rechten in Chemnitz griffen und pöbelten Menschen an, welche nicht in ihr Weltbild passten, und in der Folge wurde ein jüdisches Restaurant angegriffen. In Ungarn wurde mit antisemitischen Plakaten Wahlkampf geführt. In Basel gab es mehrere Attacken gegen eine jüdische Metzgerei. In Pittsburgh ermordete ein weisser Amerikaner, durch Verschwörungstheorien radikalisert, in einer Synagoge elf Menschen.

Die Angriffe und antisemitischen und rassistischen Vorstellungen sind eine Folge falscher Ideologien über Gesellschaft und Ökonomie. Jüdische Menschen werden, u.a. aufgrund historisch gewachsener, religiöser Verbote für Christ*innen mit Zins zu handeln, mit eben dieser Sphäre des Kapitalismus assoziiert. Anstatt also systematische Ursachen für Krisen und Ungerechtigkeiten im Kapitalismus zu suchen,werden Angst und Hass auf jüdische Personen gelenkt. Die NSDAP sah sich beispielsweise im Kampf für das ‚gute Industrie-Kapital‘ und gegen das ‚raffende, jüdische Kapital‘, worunter u.a. der Zins verstanden wurde. Anstatt die kapitalistische Konkurrenzgesellschaft aufzuheben, wird eine weitere Konkurrenz eröffnet. Ein heute erschienener Artikel des Ajour-Magazins erklärt die komplexen Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und falscher Kapitalismus-Kritik besser, als wir es mit diesen wenigen Worten könnten: https://www.ajour-mag.ch/gesellschaft-und-gewitter-aus-sta…/

Heute Abend standen wir nicht nur gegen menschenfeindliche Ideologien, sondern auch für eine solidarische Zukunft ein. Wir wollen eine Welt, die auf gegenseitiger Hilfe basiert, bedürfnisorientiert und nachhaltig produziert. Eine Welt, in der Menschen im Einklang mit der Natur und ohne Herrschaft untereinander leben. Eine Welt, in der wir Menschen nicht in Kategorien zwängen und nach diesen bewerten. Das bedeutet für uns, dass wir genau jene Systematiken aufheben wollen, die für Krisen, Ausbeutung, Kriege, humanitäre Katastrophen und die Zerstörung der Umwelt verantwortlich sind: Staat und Kapital. Für eine staats- und klassenlose Gesellschaft! Es lebe die Freiheit!


3. Bericht Anarchistische Gruppe Bern (Originalquelle: https://www.facebook.com/InfoAGB/posts/1171938229621198?__tn__=-R)
Rund 500 Menschen erinnerten heute an den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Die Gefahr des Faschismus ist in Europa wieder Realität. Leider haben sich in den letzten 10-15 Jahren viele antifaschistische Gruppen demobilisiert. Deswegen waren wir heute mit einem Transparent „Antifaschismus reorganisieren“ präsent. Auch in Bern war die antifaschistische Bewegung um die Jahrtausendwende prägend für die revolutionäre Bewegung. Damals war es unausweichlich aufgrund des Naziproblemes. Lasst uns nicht warten, bis es wieder zu spät ist.
Deswegen kommt alle am 24.11. in Basel gegen die PNOS Demo und am 01.12. gegen den PNOS Parteitag in Bern auf die Strasse. Lasst uns zusammen tagtäglich antifaschistische Präsenz zeigen und uns Reorganisieren.


4. Bilder (Originalquelle: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=319883125507521&id=297667917729042 & https://www.facebook.com/InfoAGB/posts/1171938229621198?__tn__=-R)


5. Medienbericht (Originalquelle: https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/berner-demonstrieren-fuer-eine-solidarische-zukunft/story/19238015)
Berner demonstrieren für eine solidarische Zukunft
Stadt Bern
Am 9. November jährt sich zum 80. Mal die Reichspogromnacht von 1938. Mit der Demo in Bern will man den Opfern gedenken und daran erinnern, dass noch lange nicht alles getan ist.
Am 9. November jährt sich zum 80 Mal die Reichspogromnacht . 1938 wurden über tausend Synagogen, Geschäfte und Wohnungen der jüdischen Bevölkerung von den Nationalsozialisten zerstört. In den folgenden Tagen wurden 30‘000 jüdische Menschen in Konzentrationslager gebracht.
Im Gedenken an diese tragische Zeit zog am Freitagabend ein Demonstrationszug durch Bern. Unter dem Motto «Erinnern heisst kämpfen» liefen rund 400 Menschen friedlich quer durch die Obere Altstadt. Der Marsch sollte laut Ankündigung auf Barrikade.info auch darauf hinweisen, dass das rechte Gedankengut wieder zugenommen hat.

Die Demonstration in der Berner Innenstadt ging friedlich vonstatten.
Demonstriert wurde ausserdem auch, um daran zu erinnern, dass systematische Diskriminierungen auf unsere Erde immer noch allgegenwärtig sind. Die Demonstranten stehen für eine solidarische Zukunft und Menschenrechte ein.