Demo 4. Klimastreik

Inhalt:
1. Aufruf
2. Bericht Anarchistische Gruppe Bern
3. Medienbericht


1. Aufruf (Originalquelle: https://www.facebook.com/events/314125272576887/)
Deutsch:
Am 15. März finden weltweit in über 50 Ländern und auf allen Kontinenten über 500 Klimastreiks statt.
Wir in Bern versammeln uns um 12:00 Uhr auf dem Waisenhausplatz für eine Mobilisierungsrede. Danach gibt es einen Umzug durch die Stadt via Kornhausbrücke, Helvetiaplatz, Viktoriastrasse, Aargauerstalden, Nydeggbrücke & via Kramgasse (Altstadt) zurück zum Waisenhausplatz. Die Demonstration endet um 14:00 Uhr.
Alle Leute, die mitmachen möchten, sind ganz herzlich eingeladen. Kommt mit farbigen Schildern und ganz vielen Motivation!
Die Studierenden der Universität Bern versammeln sich bereits um 11:40 Uhr vor dem Hauptgebäude (auf der grossen Schanze) und laufen um 11:50 Uhr via Bollwerk zum Waisenhausplatz.


2. Bericht Anarchistische Gruppe Bern (Originalquelle: https://www.facebook.com/InfoAGB/posts/1257437931071227?__tn__=-R)
Schätzungsweise 10`000 Menschen beteiligten sich heute am #Klimastreik in Bern. Besonders erfreulich war dabei die vielfältige Präsenz anarchistischer Ideen durch diverse Flyer, Fahnen und Transparente. Trotz der hohen Beteiligung war die offizielle Demoroute vom Waisenhausplatz über den Viktoriaplatz, dem Aaargauerstalden und der Altstadt wenig sichtbar. Deswegen formierte sich spontan eine unbewilligte Nachdemo, welche vom Waisenhausplatz zum Bahnhof über die Länggasse zur Reitschule zog. Der nächste Klimastreik für den April wurde bereits ausgerufen. Vergessen wir nicht, dass demnächst (am 14. Juni) auch der Frauen*streik vor der Tür steht. Anbei findest du noch unseren Flyer, den wir heute zu Hunderten verteilt haben:

Anarchistische Perspektive zur Klimakrise
In den letzten Monaten gingen Tausende Menschen auf die Strassen Europas und zeigten, dass eine breite Klimabewegung über die Grenzen hinweg möglich ist. Durch unterschiedlichste Aktionsformen erreichten sie, dass der Klimawandel wieder in allen Formen diskutiert wird. Das Anliegen kennen wir mittlerweile alle: für eine lebenswerte Zukunft muss der Klimawandel gestoppt werden!
Nun sind auch wir hier auf der Strasse. Auch wir kämpfen für die Zukunft. Für eine Zukunft, die jedem Lebewesen auf diesem Planeten eine Lebensgrundlage bietet. Falls du dich mit uns in Verbindung setzen willst, erreichst du uns unter: agb@immerda.ch

Leere Versprechungen
In der Schweiz werden Forderungen laut, die Regierung solle ihrer Verantwortung nachkommen und den symbolischen Klimanotstand ausrufen. Sie solle Gesetze und Verordnungen erlassen, um das Verhalten der Menschen in klimaschonendere Bahnen zu lenken. Damit soll die Bevölkerung auf das Problem aufmerksam gemacht und Handlungsdruck für Verhaltensveränderungen aufgebaut werden. So weit, so gut. Nur, bei solchen Massnahmen kann nicht von einer konsequenten Bekämpfung des Klimawandels die Rede sein. An den unzähligen Treffen der Staatsoberhäupter*innen werden stets neue Verträge beschlossen, mit denen neue wirksame Mittel im Kampf gegen die Klimakatastrophe versprochen werden. Dass kaum was davon umgesetzt wird, hat System.

Weil wir weltweit in einer Wirtschaftsform leben müssen, die als einziges Ziel nur die Profitvermehrung kennt, wird es unmöglich sein, klimaverträgliche Lösungen zu finden. Klimaschutz verträgt sich nicht mit Konkurrenzkampf, Druck, möglichst billig zu produzieren und ausuferndem Gewinnstreben. Firmen im Kapitalismus sind darauf angewiesen, Ressourcen möglichst billig zur Verfügung zu haben, um so einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Dabei herrscht kurzfristiges Denken vor, weil im Kampf um schneller, besser, billiger, nicht weit in die Zukunft geplant wird. Überlegungen zu Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben wenig Platz.

Daraus folgt, dass ein wirksamer Klimaschutz nicht möglich ist, ohne die Wirtschaftsform und die demokratischen Möglichkeiten zu verändern. Dafür ist die heutige Staatsform zu stark von der (nationalen) Wirtschaft abhängig. Der Staat sieht sich in der Pflicht, die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Wie in der Wirtschaft agiert er in Konkurrenz zu anderen Nationen und will durch stetiges Wachstum im Konkurrenzkampf bestehen. Deswegen wird es nie im Sinne des Staates sein, aus irgendwelchen Gründen (z.B. im Sinne des Klimaschutzes) die gängige Wirtschaftspraxis zu riskieren oder grosse Reformen anzustossen. Doch genau dies wäre unabdingbar für ein Abwenden der Klimakatastrophe. Wir sollten also keineswegs die Lösung des Klimaproblems den Regierenden anvertrauen. Vielmehr sind wir gefordert, die Rettung des Planeten in unsere eigenen Hände zu nehmen.

Widerstand
Menschen, die den Ausverkauf der Erde nicht zulassen wollen und in den Widerstand treten, gibt es Viele. So haben 2016 Aktivist*innen in Nordamerika gegen den Bau der Dakota Access Pipeline mit wilden Besetzungen und Blockaden protestiert. Der Bau dieser Pipeline quer durch Nordamerika steht im Widerspruch zu einer zukunftsfähigen Klimapolitik, da der Bau das Grundwasser verschmutzt und nur dem einfacheren Transport der endlichen Ressource Erdöl dient. Unterstützt wird der Bau von diversen Banken, darunter auch die Credit Suisse, die 850 Millionen Dollars beisteuerte.
Ein weiterer antikapitalistischer Klimaprotest spielte sich letztes Jahr im Hambacher Forsts in Deutschland ab. Dank dem Einsatz von Tausenden mutigen Aktivist*innen konnte verhindert werden, dass ein einzigartiger Urwald den Gewinninteressen einer Kohlefirma zum Opfer fiel. Mit einer 6-jährigen Besetzung und einer grossen Basisbewegung, konnte im entscheidenden Moment die Zerstörung des Waldes abgewehrt werden. Trotz massiver Repression seitens der Behörden, unter Zusammenschluss von Regierung und Kohlebaufirma, konnte der Protest starke Wirkung entfalten.
Eine weitere bekannte Protestbewegung ist die die No-TAV in Norditalien. Dort organisieren sich, seit Jahren, erfolgreich Hundertausende gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zu Lasten der Natur.
An vielen anderen Orten werden Protestversuche bereits in der Anfangsphase von den Regierungen gewaltsam niedergeschlagen.
Diese und weitere Erfahrungen zeigen, dass Veränderungen erkämpft werden müssen. Deshalb sollten wir damit aufhören, Bittschriften zu verfassen. Eine nachhaltige Verbesserung der Situation können wir nur durch radikale Formulierung und direkte Aktion erreichen.

Konsequente Herangehensweise
Wir als Anarchist*innen wollen eine Ökonomie, welche nicht nach Profit strebt, sondern sich an den Bedürfnissen Aller orientiert. Unsere Kämpfe sind global zu verstehen, richten sich also an alle Menschen der Erde. Nationale Grenzen halten uns nicht auf. Wir wollen ein Ende des Kapitalismus und der Autorität. In Bezug auf den Klimawandel lehnen wir es ab, dass wenige Menschen darüber entscheiden können, wie das Fortbestehen unserer Erde aussehen soll. Deswegen stellen wir uns gegen die heutige Staatsform und deren Abhängigkeit von der Wirtschaft. Auch sind wir nicht damit einverstanden, dass der Schutz des Eigentums dazu führt, dass einige wenige Menschen einen Grossteil des Planeten besitzen (Boden, natürliche Ressourcen, finanzielle Mittel, etc.). Dies ist unseres Erachtens ein grundlegendes Hindernis für einen konsequenten und wirksamen Klimaschutz.

Darum…
…lasst uns weiter zusammenkommen, lasst uns geschlossen weiter streiken. Lassen wir uns nicht von den Versprechungen der Politiker*innen und der Eigentümer*innen blenden, sondern nehmen wir den Wandel selbst in die Hand. Auf dass wir in der Lage sind, die Klimakatastrophe abzuwenden!
Mehr zu uns auf anarchistisch.ch


3. Medienbericht (Originalquelle: https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/grosser-aufmarsch-fuer-das-klima/story/23988600)
Grosser Aufmarsch für das Klima
Die Kornhausbrücke war am Freitag fast so voller Menschen wie zuletzt an der Euro 08. Gegen 8000 Personen nahmen an der bisher grössten Klimademo in Bern teil. Erstmals waren die Uni-Studenten mit dabei.

Als die Protestführer die ersten Sprechchöre im Hauptgebäude der Universität Bern anstimmen, ist die Reaktion noch verhalten. Viele der versammelten Studierenden waren wohl noch nie an einer Demonstration mit dabei. Der Lärmpegel steigt erst, als ein Teilnehmer laut auf Französisch «On est plus chaud que le climat» («Wir sind heisser als das Klima») ruft.
Das über hundertjährige Gebäude hat schon manch einen Studentenprotest miterlebt. Doch dieser ist anders. Nicht Studentinnen und Studenten der Universität haben diesen Aufstand losgetreten. Beim Klimastreik sind ihnen die Gymnasiasten zuvorgekommen. Diese sind schon länger heiss darauf, den Klimawandel zu stoppen.

Studenten ziehen nach
Claire Descombes ist in ihrem Element. Die Freiburgerin studiert in Bern Tiermedizin und ist die Sprecherin der Studierenden. Sie freut sich darüber, dass sich rund 500 Studentinnen und ­Studenten versammelt haben. «Unsere Aktion ist sehr spontan entstanden», sagt die 23-Jährige.

Erst bei einer Vollversammlung am Dienstag beschloss die Studentenschaft, in welcher Form und mit welchen Mitteln sie am Streik mitmacht. «Die Gymnasiasten haben angefangen, aber jetzt muss jeder auf die Strasse», erklärt sie das Nachziehen der Unistudenten.
Wegen Prüfungen und Semesterferien habe sich die Organisation innerhalb der Studentenschaft verzögert. «Für uns ist wichtig, dass die Bewegung hierarchie- und parteilos ist», betont sie.

Auch Leduc ist dabei
Mit Transparenten bestückt, begeben sich die rund 500 Unistudenten auf den Marsch in Richtung Waisenhausplatz. Auf dem Platz angekommen, verschmilzt die Gruppe mit der dort versammelten Masse. Gymnasiasten machen den Hauptteil der Protestierenden aus.
Mittlerweile kann man nicht mehr von einem Schülerprotest sprechen. Menschen aus allen Altersgruppen sind versammelt. Senioren, Lehrlinge, Familien und auch bekannte Gesichter wie der Berner Rapper Leduc nehmen sich am Freitagmittag Zeit für die Kundgebung. Nicht vor Ort sind die Adressaten der verschiedenen Reden. Diese fällen jeweils 250 Meter südlich im Bundeshaus die Entscheide zu der Schweizer Klimapolitik.

Ein Redner übt vor den Anwesenden lautstark Kritik an den Grossbanken. Danach ziehen die Demonstrierenden weiter in Richtung Kornhausbrücke. Über 5000 Menschen sind gleichzeitig auf der Brücke unterwegs. Die Organisatoren sprechen sogar von 8000 Teilnehmern.
Es ist zweifellos der grösste Aufmarsch in Bern, seit die Bewegung im vergangenen Dezember begann. Der Umzug führt die Demonstranten weiter via Viktoriastrasse, Aargauerstalden und Kramgasse zurück zum Waisenhausplatz. Zum Abschluss ruft ein Redner: «Hängt eure Transparente bei euch an die Fassade.»

Sie kommen wieder
Nach dem Ende der Demonstration ist Claire Descombes glücklich. Für sie ist klar, dass der Kampf gegen den Klimawandel noch lange weitergehen muss. «Erst wenn die Politik Massnahmen getroffen hat, hören wir auf», betont sie kämpferisch. Am 6. April findet die nächste nationale Kundgebung statt. Claire Descombes wird wieder dabei sein.

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