Solidaritätsdemo für Rojava

Inhalt:
1. Aufruf Tag X
2. zweiter Aufruf
3. Mobivideo
4. Communiqué
5. Bericht Anarchistische Gruppe Bern
6. Medienbericht


1. Aufruf Tag X (Originalquelle: https://barrikade.info/article/2718)
Der Einmarsch der türkischen Armee in Rojava hat begonnen. Nachdem die USA die Stellungen in Nordsyrien aufgegeben hatte, fanden am 09.10.2019 erste Angriffe auf kurdische Regionen statt. In all den Stellungsnahmen aus Europa, welche den Militäreinsatz Erdogans kritisieren, wird nicht erwähnt, dass die Waffen, mit denen die Türkei Rojava attackiert, zu grossen Teilen aus westlichen Ländern kommen.

Achtung Achtung!!!
Diese Demo wurde auf den Samstag nach Tag X angekündigt. Doch da Zürich zu einer Nationalen Rojava Demonstration aufgerufen hat werden wir am 12.10.19 alle nach Zürich gehen und nächsten Samstag hier in Bern um 15:00 auf der grossen Schanze ein Zeichen setzen.

Rojava erstreckt sich über Norden und Osten Syriens und ist etwa so gross wie Dänemark. In Rojava leben um die 5 Millionen Menschen. Was auffällt ist, wie schnell basisorientierte politische Strukturen aufgebaut wurden und wie gut sich die Bevölkerung mit den Schwerpunkten Ökologie Feminismus und Basisdemokratie auseinandersetzt. Das in einer Region, in der viele Völker und Kulturen aufeinandertreffen.
Als Gegenstück zu den westlichen Scheindemokratien steht die verwendete Form der Basisdemokratie – der demokratische Konföderalismus – sehr fortschrittlich da. Und auch die erfüllten Frauenquoten in allen strukturellen Einheiten sprechen für das Gelingen der Revolution. Genau diese Revolution und mit ihr die Bevölkerung wird nun offensichtlich und schamlos angegriffen.

Vom Tigris bis zum Euphrat, also von Dêrik bis nach Kobanê finden an der gesamten Grenzlinie Militärbewegungen statt. Die Grenzregion Rojavas wird angegriffen, alle Dörfer und Städte. Die Angriffe erfolgen ununterbrochen aus der Luft mit Kampfbombern und vom Boden mit schweren Waffen. Es wird kein Unterschied zwischen Zivilist*innen und Kämpfer*innen gemacht.

Erdogan legitimiert den Versuch dieses Völkermordes an der kurdischen Bevölkerung mit den Verbindungen der kurdischen Organisationen YPJ und YPG zur PKK. Er stellt alle drei als Terrororganisationen dar. Doch waren sie es, die den sogenannten IS erfolgreich besiegten und den Norden Syriens befreien konnten. Dieses Diktatorengeschwafel zeigt einmal mehr, wie sehr der Begriff Terror in unserer Welt verzerrt wird, um Repressionen und Kriege zu rechtfertigen. Diese militärische Invasion hat zum Ziel, die Revolution von Rojava zu zerschlagen. Verhindern wir dies!

Warum gehen wir auf die Strasse?
Banken und Konzerne unterstützen von hier aus – aus der Schweiz – den Krieg in Nord Syrien. Schweizer Banken investieren in den Krieg und die schweizer Rüstungsindustrie produziert für den Krieg. Diese Unterstützen somit Erdogans faschistische Kriegsverbrechen.

Wir sehen Erdogans Vorgehen und der türkischen Armee nicht länger tatenlos zu!
Wir rufen auf zu einer lautstarken Demo am 19. Oktober um 15.00 auf der grossen Schanze. Kommt zahlreich und tragen unsere Wut auf die Strasse!
Überall ist Widerstand! Überall ist Rojava!
Bijî Bijî YPG!


2. zweiter Aufruf (Originalquelle: https://www.facebook.com/InfoAGB/photos/a.527339417414419/1418798488268503/)

…in Rojava herrscht Krieg, dich betrifft es!
In Rojava, dem kurdisch geprägten Gebiet in Nordsyrien, welches erfolgreich den IS bekämpft hat und eine Gesellschaft basierend auf Gleichberechtigung von Geschlechter und Kultur aufbaut, wird in dieser
Sekunde angegriffen von der Türkei und ihrer faschistischen Regierung.

Lebst du in der Schweiz und/oder bist Schweizer*in?
Dich betrifft der Krieg in Rojava, weil die Schweiz Banken und Waffenfirmen Schutz und ein ruhiges Hinterland bietet, welche das Kriegsgeschehen massiv beeinflussen. Die Schweiz positioniert sich nach wie vor nicht klar und hält sich mit Kritik zurück, statt dass sie das Handeln Erdogans klar verurteilt und alles daran setzt, das Kriegstreiben von hier aus zu stoppen. Nennen wir die Mittäter*innen beim Namen: Schweizerische Nationalbank, 34 der weltweit grössten 100 Rüstungshersteller profitieren von der Finanzierung durch die SNB. Pensionskassen, zwischen 4 und 12 Milliarden Franken aus schweizerischen Pensionskassen fliessen in Rüstungskonzerne. Credit Suisse, UBS und diverse Kantonalbanken investieren in Rüstungskonzerne.

Stehst du für Frieden und Menschenrechte ein?
Dich betrifft der Krieg in Rojava, da dort ein Gebiet erkämpft wurde, in welchem ein gemeinsames Miteinander aller Ethnien und Religionen gelebt wird. Umringt von Gegnern (bspw. IS, Türkei, Syrien), gegen welche sich Rojava immer wieder verteidigen muss, leben die Menschen friedlich und gemeinschaftlich. Dieser Frieden wird nun durch die Angriffe der Türkei zerstört. Die Türkei verletzt in diesem Krieg nicht nur die Menschenrechte, sondern auch das Kriegsvölkerrecht.

Warst du am Frauen*streik beteiligt? Bist du ein*e Feminist*in? Bist du ein*e Queerfeminst*in?
Dich betrifft der Krieg in Rojava, da dort ein Gebiet erkämpft wurde, um Freiheit für alle zu schaffen. Dies bedeutet, dass dort über Jahre hinweg inmitten des Kriegsgeschehens eine gleichberechtigte Beteiligung der Frauen* in allen Bereichen und Ebenen erschaffen wurde. Dies geschah beispielsweise auf politischer und gesellschaftlicher Ebene, sowie im Krieg, wo alle Geschlechter Seite an Seite kämpfen. Auf gesellschaftliche Ebene wird in Rojava gegen patriarchale Strukturen, wie zum Beispiel Zwangsehen und Gewalt an Frauen* gekämpft. Nimmt die türkische Armee Rojava ein, bedeutet das, dass dschihadistische Gruppen wie der IS und die Al-Nusra Front erneut Frauen* verschleppen, versklaven und ermorden können.

Bist du gegen Faschist*innen und Rassist*innen? Schockiert dich der Rechtsrutsch vieler Länder?
Dich betrifft der Krieg in Rojava, da Rojava von dem Faschisten Erdogan und seiner Armee angegriffen wird. Seine faschistische Haltung zeigt sich, indem durch seine Regierung jegliche Opposition, sowie jegliche Minderheiten, wie die kurdische Bevölkerung, massiv unterdrückt und verfolgt wird. Erdogan selbst nannte Hitler schon als Vorbild für seine angestrebte Politik.

Ist dir Pressefreiheit und freie Meinungsäusserung ein hohes Gut?
Dich betrifft der Krieg in Rojava, da wer sich kritisch gegenüber der Regierung äussert, muss damit rechnen, jederzeit festgenommen zu werden. In den letzten Jahren kam es durch den Ausnahmezustand in Folge des gewaltsamen Putschversuches zu Folter und anderen Misshandlungen, massiven Einschränkungen der Rechte auf freie Meinungsäusserung und Versammlungsfreiheit. Kritische Berichterstattung ist in der Türkei kaum möglich, tausende Journalist*innen wurden inhaftiert und Redaktionen unter Kontrolle des Staates gebracht.

Engagierst du dich fürs Klima?
Die Ökologie wird als politische Basis in Rojava verstanden, zahlreiche Projekte wie Wiederaufforstungen, das Verhindern von Monokultur und der Einsatz von Naturdünger in der Landwirtschaft verwirklicht. Die Türkei hingegen versucht das Land austrocknen zu lassen, indem Wasser in grossen Speicherseen zurückgehalten wird. Die Verteidigung von Rojava heisst, den ökologischen Fortschritt zu verteidigen.


3. Mobivideo (Originalquelle: https://barrikade.info/article/2734)
Wir sehen Erdogans Vorgehen und der türkischen Armee nicht länger tatenlos zu!
Wir rufen auf zu einer lautstarken Demo am 19. Oktober um 15.00 auf der grossen Schanze. Kommt zahlreich und tragen unsere Wut auf die Strasse!


4. Communiqué (Originalquelle: https://barrikade.info/article/2753)
Heute haben etwa 2000 solidarische Menschen ihre Wut gegen Erdogans Genozid auf die Strassen Berns getragen. Unsere Arbeit endet natürlich nicht hier. Nicht nur in Rojava fallen die Bomben: Bis das System zum Einsturz gebracht wird, werden die Vermögenden das Blut der Menschen zu Profiten machen.

Lautstark haben wir ein Zeichen gesetzt gegen die Tötungindustrie der Waffenkonzerne, gegen den Angriffskrieg auf die Menschen Rojavas. Immer wieder müssen wir die Menschen in ihrem grauen Alltag mit einem Schimmer Farbe daran errinnern, dass eine emanzipatorische, solidarische Gesellschaft keine Utopie bleiben muss. In Rojava haben es die Menschen geschafft, ein Stück näher an die Utopie zu rücken. Dieses solidarische Projekt will der Faschist* Erdogan zerstören. Um das zu verhindern darf nicht mehr geschwiegen werden. Hinter der vermeintlichen Neutralität der Schweiz stecken bloss die Interessen der Konzerne und Institutionen des Staates. Dem muss nun sofort ein Ende gesetzt werden! Die Zukunft gehört nicht Nationen mit Grenzen für Menschen, sondern den Menschen selbst.

Nicht nur hier, nicht nur jetzt sind wir laut: wir kommen wieder. Genauso wie sich überall auf dem Globus Menschen aller Hintergründe solidarisieren, werden wir diesem Kampf für Rojava und die Freiheit wieder auf die Strassen ziehen.

Biji berxwedana Rojava!
Krieg dem Krieg!


5. Bericht Anarchistische Gruppe Bern (Originalquelle: https://www.facebook.com/InfoAGB/posts/1425634347584917)
Rund 2000 Menschen beteiligten sich heute an der defendrojava Demo in Bern. Der Umzug war begleitet von zahlreichen kämpferischen Parolen und Feurerwerk. In der Innenstadt gab es viel Zustimmung für Rojava und Ablehnung des Angriffskrieges der Türkei. Die Demo heute war teil verschiedener #riseup4rojava Demos in verschiedenen Ländern. Am 26. Oktober findet in Bern die nächste grosse Demo statt. Bis dahin bleibt uns viel Zeit für weitere Aktionen, Aufklärung und Vernetzung.


6. Medienbericht (Originalquelle: https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/besammlung-auf-der-grossen-schanze-fuer-rojavademo/story/19897263)
Rojava-Demo durch Innenstadt verlief friedlich
Am Samstagnachmittag zogen in Bern rund 1000 Demonstranten für eine Solidaritätskundgebung für Rojava von der Grossen Schanze via US-Botschaft zum Bundesplatz.

Schätzungsweise tausend Menschen haben am Samstag in Bern gegen den Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien demonstriert. Auf der Strasse und auf Flugblättern kritisierten die Teilnehmer auch den Westen und die Rüstungsindustrie.

Firmen wie die deutsche Rheinmetall und die Schweizer Ruag hätten für viel Geld Kriegsmaterial in die Türkei exportiert. Zahlreicher Schweizer Firmen investierten in Rüstungsfirmen. Auf Kosten der Menschen in Nordsyrien machten westliche Firmen Profite. Die offizielle Schweiz halte sich mit Kritik am türkischen Präsidenten Erdogan zurück statt dessen Handeln klar zu verurteilen.

Um 15 Uhr versammelten sich die Demonstranten auf der Grossen Schanze.. Nach Angaben eines Reporters vor Ort kamen die meisten Demonstranten gemeinsam von der Reitschule her. Man wolle friedlich bleiben, proklamiert sie. Auf einem Parolenblatt war ein Demokonsens niedergeschrieben. «Sei wütend, aber lass die Bullen am Leben» und «Wir sind noch angeschlagen von der Afrindemo, also lass den Sandstein in Frieden» stand da.

Polizei vor US-Botschaft überrascht
Die Polizei war zu Beginn lediglich mit zwei Videowagen vor dem Hauptgebäude der Uni Bern im Einsatz. Kurz vor 16 Uhr traf der Demonstrationszug vor der US-Botschaft im Monbijouquartier ein. Die Polizisten waren nach Angaben des Reporters nicht darauf vorbereitet und konnten die Botschaft nur noch knapp mit Absperrgittern und – bändern abriegeln und die Menschenmenge so auf rund 200 Meter Abstand halten.

Ein Sprecher der Kundgebungsorganisatoren sagte dort, mit dem Abzug der US-Truppen aus Nordsyrien habe US-Präsident Trump «das Signal für den Angriff» gegeben. «Wir sind wütend».

Danach zogen die Demonstranten via Hirschengraben, Bahnhofsplatz, Spital- und Marktgasse zum Bundesplatz.

Die Demo-Teilnehmer skandierten Parolen wie «Türkische Armee raus aus Kurdistan» oder «Weg die Macht der Waffen und Konzerne». Auf Transparenten waren Parolen wie «Defend Rojava» oder «Smash Turkisch Fascism» zu sehen. Rojava nennen die Kurden die selbstverwalteten Gebiete in Nordsyrien.

Gegen 17 Uhr löste sich die Demonstration auf. Rund 1000 Menschen, die an der Kundgebung teilgenommen hatten, zogen gemeinsam weiter Richtung Reitschule. Auf dem Weg dorthin wurde die graue SBB-Wand beim Bollwerk auf der Bahnhofseite versprayt. Bis auf das Zünden von Rauch- und Knallpetarden verlief die Demonstration friedlich. Die Polizei stand im Bereich der Schützenmatte bis um 18 Uhr in Bereitschaft.

Polizeisprecher Dino Dal Farra bestätigte den friedlichen Verlauf der Demonstration. Nur einzelne Personen hätten Pyro und Rauchpetarden gezündet und beim Bollwerk eine Wand versprayt. Die diesbezüglichen Abklärungen diesbezüglich seien im Gange.

Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt
Wege der Demonstration war die Strecke Bahnhof – Zytglogge auf den Linien 3, 6, 7, 8 und 9 zwischenzeitlich unterbrochen. Auch nach Ende der Kundgebung kam es auf dem Bernmobilnetz zu Verspätungen und unregelmässigem Betrieb.

Für die Demonstration geworben hatten Linksautonome auf einschlägigen Onlineportalen. Unter dem Titel «Faschismus bekämpfen, Rojava verteidigen» wolle man «die Wut auf die Strasse tragen». Es beteiligten sich auch etliche Kurdinnen und Kurden an der Demonstration. Die Stadt hatte keine Kenntnis von der Aktion. Somit war die Kundgebung nicht bewilligt.

Vergangene Woche gab es in Bern beinahe täglich kurdische Protestaktionen gegen die Militäroffensive der Türkei in ­Syrien.

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