Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Antifaschistischer Nachmittagsspaziergang

Antifaschistischer Nachmittagsspaziergang

Inhalt:
1. Aufruf
2. Communiqué


1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2015/10/96027.shtml)
Einige einladende Worte zum Antifaschistischen Nachmittagsspaziergang
Letzten Samstag wollten unzählige Antifaschist_innen am Antifaschistischen Abendspaziergang ihren Unmut über den andauernden Rechtsrutsch, rassistische Übergriffe und repressive Asylpolitik demonstrieren. Daran hinderte Sie ein riesiges Polizeiaufgebot. Die Berner Polizei wurde von Polizeikräften aus mehreren Kantonen personell und logistisch unterstützt und verwandelte Berns Strassen und Plätze in eine Polizeifestung.
Der Gemeinderat, der verantwortlich ist für diese Beschneidung der Meinungsfreiheit will jegliche Kundgebungen verhindern. Meinungsfreiheit heisst für uns nicht, dass wir für eine Bewilligung betteln gehen müssen und uns danach vorschreiben lassen sollen, wo, wann und wie wir unseren Protest äussern dürfen. Deshalb greifen wir auf unsere eigenen Kräfte zurück, und rufen alle dazu auf, am kommenden Samstag am „Antifaschistischen Nachmittags-spaziergang“ teilzunehmen!
In was für einer Zeit leben wir, wenn Antifaschistische Demonstrationen „im Keim erstickt“ werden?
Es ist sehr wichtig, nicht nur im Kopf solidarisch zu sein, sondern auch so zu Handeln! Also komm auch du am Samstag mit auf die Strasse – um ein Zeichen gegen das Demonstrationsverbot und für den Antifaschismus zu setzten! Antifaschismus bleibt nicht zu Hause – Antifaschismus geht auf die Strasse!
• Gegen den andauernden Rechtsrutsch!
• Gegen die Abschottung und den Mord von Migrant_innen an den Grenzen
• Gegen die menschenverachtende Asylpolitik die in Bunker, Lager und Zelte einsperrt!
• Für Selbstbestimmung und Selbstorganisierung von Migrant_innen
• Für eine solidarische, grenzenlose Gesellschaft
• Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft fern von Unterdrückung und Ausbeutung!
Komm mit! Samstag 17.10. / Bern Bahnhof / 14Uhr & Nimm Freunde mit!
Alerta alerta Antifascista!


2. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2015/10/96051.shtml)
Nachdem unser Antifaschistischer Abendspaziergang am vergangenen Samstag im Auftrag der Stadt von der Staatsmacht verhindert wurde, riefen wir heute Nachmittag zu einem “Antifaschistischen Nachmittagsspaziergang“ auf.
Mehrere hundert Personen versammelten sich um 14Uhr auf dem, von unzähligen Polizisten gefüllten, Bahnhofplatz. Zeitgleich starteten wir eine Fake-Demo aus der Reitschule heraus um die Polizei etwas zu verwirren. Dies funktionierte bestens und die Polizei riegelte die ganze Schützenmatte ab. Trotz der massiven Polizeipräsenz, formierten wir uns auf dem Bahnhofplatz zur Demo und liefen einige Meter in Richtung Hirschengraben. Unverzüglich stellte sich die Polizei mit ihren Polizeigrenadieren der 1. Demo in den Weg und kesselte einen Teil der Antifaschist_innen ein.
Danach sammelte sich eine weitere Demo mit gut 150 Menschen auf dem Bahnhofplatz und lief durch die Neuengasse in die Spitalgasse, wo sie sich vor dem Loeb auflöste und wieder in der Stadt verteilte. Beim Auflösen der Demo setzte die Polizei inmitten der gut belebten und hochfrequentierten Spitalgasse unvermittelt auf gut 5 Meter-Distanz Gummischrot ein. Dabei nahm die Polizei Verletzungen von Demonstrant_innen und Passant_innen in Kauf. Zeitgleich fanden sich auch 100 Antifaschist_innen beim Zytglockenturm ein und liefen durch die Marktgasse ebenfalls in Richtung Spitalgasse. Durch diese zwei neu gestarteten und zeitgleich laufenden 2. und 3. Demos, mit über 300 Menschen konnten wir die Polizei verwirren und unsere Inhalte während der besten Ladenöffnungszeit in die Innenstadt und an die Öffentlichlkeit tragen.
Anschliessend mobilisierten wir, nicht öffentlich, auf den Waisenhausplatz. Trotz eines grossen Polizeiaufgebots auf dem Waisenhausplatz konnte sich eine 4. Demo formieren. Auch dabei kamen rund 150 Antifschist_innen und liefen vom Waisenhausplatz durch die Waaghausgasse in die Marktgasse bis auf den Kornhausplatz, danach gings es selbstbestimmt in der Zeughausgasse weiter. Dort wollte die Polizei uns den Weg abschneiden, was uns dazu brachte durch die Zeughauspassage wieder in die Marktgasse zu laufen. Nach längerem Laufen in der Marktgasse wollten maskierte Polizeigrenadiere die Demo aus einem Hinterhalt heraus angreifen. Da wir keine Konfrontation anstrebten, lösten wir kurzerhand die Demo auf.
Um 16:30 wechselten wir den Schauplatz der Demos und sammelten uns in der Länggasse. Rund 150 Personen konnten sich dem Demozug anschliessen und liefen mit Transparenten und lautstarken Parolen durch das Quartier in Richtung Bahnhof. Auf der Gesellschaftsstrasse rückte die Polizei wieder an und versuchte die 5. Demo zu stoppen. Im Längassquartier wurde kurze Zeit später massiv Gummischrot, Pfefferspray und Knüppel eingesetzt und mehrere Menschen wurden dabei verletzt. Die Polizei trat äusserst gereitzt auf und setzte, wann immer sie konnte massive Gewalt gegen mögliche Demoteilnehmenden ein.
Wir konnten uns heute den öffentlichen Raum nehmen und unsere Inhalte trotz Demoverbot und massiver Polizeirepression an die Bevölkerung tragen. Mit unserer Strategie, mehrere Demos zu unterschiedlichen Zeiten in der Innenstadt zu lancieren, stellten wir die Staatsmacht vor grosse Probleme. Trotz massiver Polizeigewalt und mehreren uns bekannten brutalen Übergriffen von Polizisten auf Demoteilnehmer_innen, liessen es sich die Leute nicht nehmen, unbewilligt und selbstorganisiert den Antifaschismus auf die Strasse zu tragen.

1. Demo: Bahnhofplatz richtung Hirschengraben nach wenigen Metern gestoppt und festgenommen
2. und 3. Demo, die Eine vom Bahnhofplatz in die Innenstadt und zeitgleich dazu die Andere vom Zytgloggeturm in Richtung Bahnhof
4. Demo, Waisenhausplatz Richtung Marktgasse, Schlaufe beim Konrhaus, aufgelöst in der Marktgasse
5. Demo, Länggassequartier, motivierte Abschlussdemo in Richtung Bahnhof, im Quartier aufgelöst