Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Störaktion fundamental-christlicher Tanzanlass

Störaktion fundamental-christlicher Tanzanlass

Inhalt:
1. Communiqué


1. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2016/05/97353.shtml)
Heute Samstag, 7.5.2016, wurde der christlich-fundamentalistische Tanzanlass „up to faith“ mit einer Wasserschlacht gestört.
Mit verschiedenen Mitteln haben wir die Fundis von inner- und ausserhalb der Veranstaltung nass gespritzt und sie erheblich beim Tanzen gestört. Kurze Zeit später sind einige Prachtexemplare von vor Muskeln strotzender GotteskriegerInnen mit und ohne gelbe Westchen aufgetaucht. Die „Securitys“ der ChristInnen begannen, Menschen vom Bundesplatz zu stossen. Dabei kam es zu physischen Angriffen. Die Securitys und einige weitere WutchristInnen würgten Wasserschlachtende und auf einen Menschen der am Boden liegte, wurde mehrmals eingetreten. Es war uns leider unmöglich ein Transpi zu zeigen. Sehr schnell kammen dann auch die Polizei und nahm nach kurzer Zeit mehrere Protestierende fest und wurden mit Rayonverboten belegt. Wenn Fäuste und Handschellen gegen Wasserballone und Wasserspritzer eingesetzt werden, ist es offensichtlich wo das Gewaltpotenzial liegt.
Hinter dem Tanzanlass stehen Organisationen, welche gegen Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuelle hetzen. Auch wird die Gleichberechtigung der Geschlechter als „Genderwahn“ bekämpft und ein konservativ-reaktionäres Gedankengut verbreitet. (Weiteres im Flyertext) Die letztjährige Gegenaktion bewirkte bereits, dass die Bewilligung des Tanzes zeitlich eingeschränkt wurde. Wir werden weiterhin gegen diese menschenfeindlichen Bewegungen angehen.
Durch unsere Wasserschlacht konnten wir uns den Raum zurücknehmen und den Tanz erheblich stören. Es ist unabdingbar, sich religiös-fundamentalistischen Bewegungen auf der Strasse entgegenzustellen und Widerstand gegen deren Hetze zu leisten.
Schon im September soll der Marsch fürs Läbe, eine Kundgebung einer der Partnerorganisationen von up to faith, in Bern auf dem Bundesplatz stattfinden.

Folgender Text wurde am Rande der Aktion veretilt:
Der Tanzanlass Up to Faith wirkt auf den ersten Blick harmlos. Einige Gottverbundene tanzen, lachen und preisen fröhlich „Gott“. Ein kurzer Blick auf die Partnerinnen der Veranstaltenden und die teilnehmenden Gruppen zeigt jedoch, dass etwas anderes als Liebe und Freude hinter dem öffentlichen Gebet steckt. Evangelisch-freikirchliche Organisationen verbreiten ihr patriarchales, sexistisches und trans- und homophobes Weltbild.
So hetzt Zukunft Ch – Partnerin von Up to Faith – auf ihrer Webseite offen gegen homosexuelle Menschen. Ihre Lebens- und Liebensweisen sollen angeblich „defizitär aber therapierbar“ sein. Dies bezeugen „Expert*innen“ mit wissenschaftlicher Arbeit. Natürlich wird weder auf ihre Namen noch auf ihre angeblich wissenschaftlichen Studien verwiesen. Erst am Dienstag erschien ein Interview mit einem Therapeuten, welcher die „Heilung“ homosexueller Jugendlicher verteidigt und diese selber durchführt. Weiter werben sie für ein Kinderbuch, das aus „Jungs echt starke Kerle“ machen will. Geschlechtergleichheit sei wahnhaft und Aufklärungskapagnen werden bekämpft. Auch gegen den Islam wird gehetzt, die Religion lasse keine andere Interpretation als Gewalt und Terror zu.
Marsch fürs Läbe, ein weiterer Partner von Up to Faith, greift durch ihre Forderungen nach einem Abtreibungsverbot massiv in die Selbstbestimmung der Frauen ein und verbreitet an ihren Demonstrationen ein patriarchales Weltbild, demzufolge Männer Geld verdienen und Frauen sich um die Reproduktion, also das Gebären und Grossziehen des Nachwuchs, kümmern sollen.
Gebet für die Schweiz, auch Partner des Tanzanlasses, sieht als primäre Kernaufgabe „den Willen Gottes für Volk und Land zu suchen“. Ihr Leitbild zeigt deutlich ein menschenverachtendes Denkmuster. Menschen, die diesem nicht entsprechen, haben sich ihm anzupassen. Ihr nationalistisches und avantgardistisches Engagement ist darauf ausgelegt, religiöse Inhalte in der Politik zu platzieren und so ihre mittelalterliche Ideologie gesetzlich zu verankern.
Wenn die Autorität eines göttlichen Wesens anerkannt und mit dieser Autorität ein sexistisches, homo- inter- und transphobes Weltbild legitimiert und propagiert werden, ist eine Diskussion kaum führbar. Deshalb stören wir solche Gruppen bei ihren Auftritten, um zu zeigen, wie menschenverachtend diese Haltung ist und dass wir sie nicht ohne Gegenwehr ihre dumpfe Hetze betreiben lassen.
Wir haben es satt! Niemand hat uns zu sagen, was wir zu tun haben, weder wen wir lieben, küssen oder ficken sollen, noch wie wir uns anzuziehen, zu verhalten oder zu leben haben. Beziehungen im Allgemeinen und Liebesbeziehungen im Spezifischen müssen auf gegenseitiges Einverständnis aller Involvierten aufbauen und nicht in konventionelle Beziehungsmodelle passen. Unser zugeschriebenes Geschlecht soll keinen Einfluss auf unser soziales Leben haben d. h. weder festlegen wen wir lieben, noch was wir tragen oder wie wir auftreten. Einer Welt in der Trans-, Homo-, Inter-, und Bisexuelle und andere Menschen keinen Platz haben und als defizitär aber therapierbar stigmatisiert werden, halten wir den Kampf für ein selbstbestimmtes Leben entgegen.
Gegen Seximus, Patriarchat, Herrschaft und heteronormatives Denken! Für ein freies Leben, das auf Selbstbestimmung und Selbstverantwortung gründet!