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Transpiaktion Entlassung Senevita

Transpiaktion Entlassung Senevita

Inhalt:
1. Communiqué


1. Communiqué (Originalquelle: https://www.facebook.com/IWWJAM/posts/1334315713574559)
Ein Angriff auf eine*n ist ein Angriff auf alle!
Protest-Aktion heute vor der Senevita in Bern für einen entlassenen Fellow Worker.
Für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege – und darüber hinaus!
Die Senevita hat ein Mitglied der Gewerkschaft Industrial Workers of the World (IWW) entlassen. Gestern wurde diese Entlassung vor dem Arbeitsgericht leider in den wesentlichen Punkten für rechtens erklärt. Recht und Gerechtigkeit sind eben oft zwei verschiedene Dinge. Das Problem ist, dass eben nicht die Anliegen der Arbeiter*innen oder ihre Ansprüche an die Qualität der Arbeit im Zentrum stehen, sondern die die Rentabilität – und das gilt leider nicht nur für Senevita oder die Pflegebrache…

Wir befinden uns mitten in der COVID-19 -Krise, die Pflegenden sind am Anschlag! Sie sind müde, chronisch unterbesetzt und überbelastet, konstanter Ansteckungsgefahr ausgesetzt und sie werden schlecht bezahlt. Gleichzeitig ist überall die Rede von systemrelevanten Berufen.
Aber was wird verändert? Was bekommen die Pflegenden? Mehr Schutz? Mehr Kollegi*nnen? Mehr Lohn? Mitnichten: Es reicht nur für einen gratis Applaus.
Und unter solchen Arbeitsbedingungen leidet schlussendlich sogar die Gesundheit der Pflegenden selber. Zu Beginn der Krise hat unser Kollege sogar Schutzmasken von zu Hause mitbringen müssen, weil sie nicht vom Betrieb zur Verfügung gestellt wurden.
Obwohl gerade die Gesundheit als höchstes Gut gilt, weil sie die Voraussetzung für fast alles im Leben ist, gelten geleichzeitig die Gesundheitskosten immer als zu hoch. Ganz im Gegensatz zu den «Löhnen» und Boni der CEOs und Aktionär*innen und der Unternehmensgewinne.
Auch während der COVID-Krise, zeigt sich, was im Kapitalismus wirklich Systemrelevant ist: Die Geldvermehrung, die Gewinne der Unternehmen.
Das hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen:
Jeder Franken mehr Lohn, ist einer weniger Gewinn. Das steht natürlich im Gegensatz, zu einem Ausbau der Pflege oder zu guten Löhnen der Pfleger*innen. Und es wirkt sich auch auf die Patienten*innen aus, die sich in die Obhut von Spitälern und Langzeitpflegeeinrichtungen begeben.
Unter den aktuellen Arbeitsbedingungen leidet schlussendlich sogar die Gesundheit der Pflegenden selber. Und nicht nur die:
Egal ob vor dem Krankenbett, auf dem Bau oder vor dem Bildschirm: Die meisten Berufe sind so organisiert, dass Einseitigkeit und Arbeitsbelastung der Gesundheit schaden.
Genauso wenig wie Staubemissionen, Lärm, Hitze oder Kälte den Menschen guttun, helfen ihnen lange Arbeitstage, einseitige Tätigkeiten oder Termindruck! Das alles wird aber heute von uns verlangt. Immer weniger Angestellte sollen immer mehr Arbeit in immer kürzerer Zeit erledigen! Was durch neue technisch Hilfsmittel beschleunigt wird, muss öfter gemacht werden. Der Arbeitstag bleibt gleich lang… Erst recht zynisch wird es, wenn die Arbeiter*innen ihre Gesundheit noch zusätzlich auf’s Spiel setzen sollen: Schicht-, Nacht- Gefahren- und Schmutzzulagen sind nichts anderes als ein Extrageld für den Verschleiss der eigenen Gesundheit. Und selbst diese Extrazulagen wollen sich viele Unternehmen heutzutage sparen. Der Druck ist hoch genug, dass es die angestellten auch für den normalen Lohn tun.
Ebenfalls wenig gesundheitsförderlich ist, dass die gesamte Lohnarbeit als Konkurrenz organisiert wird. Bis zur Erschöpfung werden die Leute im gleichen Unternehmen gegeneinander ausgespielt. Ob als Abteilung oder als einzelne*r Mitarbeiter*in, der dauernde Vergleich mit den «Mitbewerber*innen», die es besser oder zumindest billiger machen, führt neben schlaflosen Nächten auch zu «privaten» Praktiken wie Mobbing etc.
Wer diese Rechnung nicht mehr mit sich und seinen Liebsten machen lassen will, dem empfehlen wir, von „systemrelevant“ auf Systemkritik umzustellen!
Denn dieser Zustand wird noch solange andauern, bis die Menschen, welche den Gewinn dieser Unternehmen mit ihrer Arbeit erschaffen – und dabei ganz nebenbei Menschen gesundpflegen, Nahrungsmittel produzieren und verteilen, Mobilität ermöglichen, Wohnungen und Maschinen bauen etc., – ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen.
Wir können heute schon den ersten kleinen Schritt machen, um die notwendige Arbeit dereinst möglichst erträglich, effizient und sicher zu gestalten und gerecht auf möglichst viele Köpfe zu verteilen.
Schliessen wir uns zusammen. Organisieren wir uns, für eine bessere Welt!
Ein Angriff auf eine*n ist ein Angriff auf alle!
Solidarität mit den Pfleger*innen!