6. Antifa-Abendspaziergang

Inhalt:
1. Aufruf
2. Offener Brief Bewilligungsfrage
3. Stellungsnahme der Antifa Bern
4. Communiqué
5. Mitteilung Stadtpolizei
6. Medienbericht
7. Bilder

1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/02/30209.shtml)
„Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen!“
Heraus zum 6. Antifaschistischen Abendspaziergang!
Neonazi-Aufmärsche, Fascho-Konzerte, Wahlerfolg für Rechtsextreme, Flugblätter und Schmierereien mit rechtsextremen „Inhalten“, Angriffe auf antifaschistische Demos und Konzerte, Übergriffe auf Andersdenkende und AusländerInnen… Die Rechtsextremen konnten mit ihren Untaten in der jüngeren Vergangenheit einige „Erfolge“ verbuchen. Die NationalistInnen sind weiterhin auf dem Vormarsch.
Der Neonazi-Partei PNOS (Partei National Orientierter Schweizer) ist es gelungen, ihren Führungsanspruch über die nationalsozialistische… Verzeihung, die „eidgenössisch-sozialistische“ Bewegung zu festigen. Mit der Organisation des Rütli-Aufmarsches am Nationalfeiertag, mit Provokationen zum Tag der Arbeit und mit allerlei obskuren Gedenkmärschen versucht die PNOS diesen Führungsanspruch zu unterstreichen und rechtsextremes Gedankengut an die Öffentlichkeit zu bringen.
Durch die Wahl eines Abgeordneten ins Langenthaler Parlament fühlt sich die PNOS nun zusätzlich legitimiert. Auch wenn die PNOSlerInnen auf dem parlamentarischen Parkett nicht allzu viel erreichen dürften und vordergründig auf Gewalt verzichten werden – sie bleiben gefährlich: Die Parteimitglieder mögen sich offiziell von Gewalt distanzieren, sind aber systematisch an rechtsextrem motivierten Übergriffen beteiligt. Und die Ideologie, welche ihre Partei vertritt, ist faschistisch und somit per se gewalttätig.
Auf politischer Ebene geht die grösste Gefahr aber weiterhin von der national-konservativen Schweizerischen Volks Partei (SVP) aus. Die SVP bestimmt die Gangart im bürgerlichen Lager und es gelingt ihr immer besser ihre fremdenfeindliche und unsoziale Politik umzusetzen: Sozialabbau und Sparpakete auf der einen und Gesetzesverschärfungen und Repression auf der anderen Seite sind feste Bestandteile der politischen Agenda . Jüngst will die SVP sogar den Antirassismusartikel ersatzlos aus dem Strafgesetzbuch streichen lassen. Die SVP versucht damit den Boden für eine offen rassistische Politik vorzubereiten.
Es wird also höchste Zeit, dass wir handeln! Widerstand tut Not! Ein kleiner Teil dieses Widerstandes ist der Antifaschistische Abendspaziergang, an dem wir ein Zeichen gegen die unsoziale und fremdenfeindliche Politik und gegen den Vormarsch der Rechtsextremen setzen!
Den rechten Vormarsch stoppen – die grenzenlos gerechte Gesellschaft aufbauen!
Wenn wir aber nicht nur Zeichen setzen und Auswüchse bekämpfen wollen, müssen wir die wahren Ursachen für Ungerechtigkeit und Unterdrückung erkennen und überwinden. Diese liegen im herrschenden kapitalistischen und nationalistischen System.
Nur wenn wir zuerst die Grenzen und Mauern in unseren Köpfen einreissen, wenn wir die ganze Gesellschaft alltäglich, in kleinen Schritten von unten nach oben positiv verändern und gemeinsam für eine andere, solidarische Welt, für Gerechtigkeit, Basisdemokratie und Selbstbestimmung kämpfen, wird auch Faschismus nicht mehr möglich sein.
Deshalb wollen wir wie schon in den vergangenen Jahren am Antifaschistischen Abendspaziergang nicht ausschliesslich gegen Faschismus demonstrieren, sondern auch ein entschlossenes Zeichen für eine andere, gerechte und freie Welt setzen!
Nehmen wir uns einen Abend lang die Strasse! Heraus zu einem weiteren lautstarken, kraftvollen und selbstdisziplinierten Antifaschistischen Abendspaziergang!

Samstag 12.März 2005, 20.30Uhr,
Heiliggeistkirche, Bern.
Für die Freiheit, für das Leben – Nazis von der Strasse fegen!
Der Kapitalismus hat keine Fehler – er ist der Fehler!
Gegen Sexismus und Homophobie!
Gegen Staat und Repression hilft uns nur die direkte Aktion!
Gemeinsam für eine andere Welt – basisdemokratisch organisiert, selbstbestimmt, gerecht und solidarisch!
Bündnis Alle gegen Rechts
MEHR FLYERS UND PLAKIS UND INFOS UNTER:
www.buendnis-gegen-rechts.ch

2. Offener Brief Bewilligungsfrage (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/03/30669.shtml)
Offener Brief des Bündnis Alle gegen Rechts zur Bewilligungsfrage & zum 6. Antifa Abendspaziergang

Bern, 25.02.2005
Peter Theilkäs, Chef Abteilung Sicherheitspolizei, hat uns im Auftrag des Kommandos der Stadtpolizei Bern aufgefordert bis am Montag, 28.02.2005, um 17.00 Uhr verbindlich mit ihm in Kontakt zu treten um Verhandlungen bezüglich des 6. Antifaschistischen Abendspaziergang einzuleiten. Ansonsten könne die Stadtpolizei es nicht verantworten den Abendspaziergang zuzulassen.

Die neue (De-)Eskalationsstrategie der Stadtpolizei
Über diesen Schritt ist im BAgeR niemand erstaunt. Wieder einmal versucht die Stadtpolizei den Antifaschistischen Abendspaziergang unter dem Vorwand, es liege keine Bewilligung vor, zu kriminalisieren. So soll die antifaschistische Bewegung gespalten und mundtot gemacht werden. Daneben liefert die Diskussion „Argumente“ um auf „politischer“ Ebene das neue Demoreglement durchpuschen zu können.

Antifaschismus braucht keine Bewilligung
Wir möchten an dieser Stelle ein weiteres Mal unsere Gründe darlegen, warum wir auch heuer um keine Bewilligung bitten werden. Wir berufen uns auf die Meinungsäusserungsfreiheit und die Versammlungsfreiheit. Dies sind Menschenrechte und als solche nicht ohne äusserst schwerwiegende Gründe einschränkbar. Menschenrechte bedürfen keiner Bewilligung! Es wäre zudem paradox bei der Instanz, gegen welche wir demonstrieren wollen, um Erlaubnis darum zu bitten. Die Polizei fordert uns zum „Dialog“ auf. Doch ein Dialog kann nur zwischen gleichberechtigten PartnerInnen zu Stande kommen. In unserem Fall kann davon keine Rede sein. Die Behörden legen nicht nur den Rahmen für die Verhandlungen fest, sondern erklären den „Dialog“ auch subito für beendet, wenn wir uns erfrechen, nicht auf all ihre Forderungen einzugehen. Dieser angebliche Dialog, auf den wir uns unmöglich einlassen können, soll also nur dazu dienen unserem Widerstand die Zähne zu ziehen und ihn zu kanalisieren. Weiter sind wir ein basisdemokratisch organisiertes Kollektiv. Wir übernehmen Verantwortung als Gesamtbündnis und sind darum nicht bereit, Einzelpersonen zu exponieren und sie erhöhter Repression und Überwachung auszusetzen

Ein Blick zurück, (k)ein Schritt nach vorne
Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass auf politischer Ebene längst vom Deeskalationskonzept Abschied genommen wurde. Was Wasserfallen begann und Begert versteckt weiterführte, wird nun unter Hayoz offen praktiziert. Nun soll der Abendspaziergang endgültig verboten werden. Ein Blick in die Geschichte der Abendspaziergänge zeigt aber, dass genau jene heiklen Demos, von denen Frau Hayoz so gerne spricht, sehr selbstdiszipliniert verliefen. Zu kleineren Scharmützeln kam es lediglich am 3. & 5. Spaziergang, als die Polizei äusserst unverhältnismässig einschritt und die TeilnehmerInnen bis zum „Geht-nicht-mehr“ provozierte. Indes, es kam nur zu kleinen Scharmützeln und nie zu Strassenschlachten, weil dies die Demonstrierenden nicht wollten. Für eine Demo dieser Grösse, welche hauptsächlich von anarchistischen-, autonomen Kräften getragen wird, liegt die Toleranzgrenze unsererseits, gegenüber den Provokationen der Staatsmacht, bemerkenswert hoch.

Berner Demokultur – oder Bernerbeben?
Die Stadtpolizei behauptet, sie könne den Abendspaziergang ohne Verhandlungen nicht verantworten – obwohl dies die letzten vier Jahre problemlos möglich war. Fraglich ist aber, ob sie es verantworten kann die Demo nicht zuzulassen. Bis jetzt hat die libertäre Bewegung besser „deeskaliert“ als Polizei und Gemeinderat. Bei den hirnrissigen Polizeieinsätzen in der Vergangenheit (Abendspaziergang 04, RTS 04, Anti WEF 05 etc.) fragt sich allerdings, wie lange die Bewegung auf diese Demütigungen noch mit kreativen Aktionen reagieren kann und will?! Es steht nicht weniger auf dem Spiel als die Berner Demokultur. Die Stadtpolizei und der Gemeinderat täten gut daran dies zu berücksichtigen!

T(h)eil(käs)e und Herrsche
Trotz alledem, wir werden an unserer Taktik festhalten und rufen alle dazu auf, am 12. März lautstark, kraftvoll und entschlossen selbstdiszipliniert den Angriffen, Spaltungsversuchen und der Hetze zu trotzen, und sich nicht auf die vom Polizeikommando provozierte Strategie der Eskalation einzulassen. Unser Ziel ist es auch dieses Jahr den Antifaschistischen Abendspaziergang ohne Ausschreitungen durchzuführen, dabei antifaschistische Inhalte zu vermitteln und radikale Gesellschaftskritik anzubringen und mit einer grossen, starken Demo ein Zeichen gegen die herrschende, unsolidarische, ausbeuterische und repressive Politik zu setzen!

Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen!
Heraus zum 6. Antifaschistischen Abendspaziergang!
Bündnis Alle gegen Rechts


3. Stellungsnahme der Antifa Bern (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/03/30861.shtml)
Stellungsnahme zum BZ Artikel vom 9. März 2005
Den Artikel von Pascal Schwendener in der Berner Zeitung vom 9. März 2005 möchten wir nicht unbeantwortet lassen, zumal er einige inhaltliche Fehler oder Ungenauigkeiten aufweist:
Wir möchten zu folgenden Punkten Stellung beziehen:
Dass sich die Antifa Bern an der Organisation des diesjährigen Antifaschistischen Abendspaziergangs nicht beteiligt, bedeutet nicht, dass sie nicht daran teilnimmt und schon gar nicht, dass sie sich nicht mit den Inhalten solidarisiert.
Zu den Begrifflichkeiten «Antifa» und «Antifaschistische Aktion» möchten wir gerne einige Dinge klarstellen. Der Begriff «Antifa» ist die Abkürzung von «Antifaschistische Aktion». Dieser Begriff wird nicht von einer Gruppe für sich beansprucht, sondern steht jeder Gruppe zu, welche sich als antifaschistisch versteht und betätigt. Auch das Bündnis Alle gegen rechts! setzt sich aus antifaschistischen Gruppen zusammen. Wir selbst nennen uns Antifa Bern und nicht, wie im Artikel erwähnt, «Antifaschistische Aktion».
Die Antifa Bern war nicht die Kerngruppe des Bündnisses Alle gegen Rechts!, sondern nur ein gleichberechtigter Teil davon. Wir waren jedoch bei der Gründung des Bündnisses Ende 1999 dabei.
Der im Artikel erhobene Vorwurf der Selbstjustiz ist nicht haltbar. Das Auto des Holocaust-Leugners und damaligen Ideologen der PNOS, Bernhard Schaub, wurde im Zusammenhang mit einer Störaktion gegen einen PNOS-Parteitag aufgebrochen. Das darin vorgefundene Material wurde uns nach der Aktion zugespielt. Wer das Auto aufgebrochen hat, wissen wir nicht. Im Artikel entsteht jedoch der Eindruck, Mitglieder der Antifa Bern hätten das Auto ausgeräumt.
Freundliche Grüsse
Antifa Bern

Text BernerZeitung 09.03 2005
Abendspaziergänge – wohin?
Der 6. antifaschistische Abendspaziergang findet ohne die eigentliche Kerngruppe statt. Im Organisationsbündnis ist man sich nämlich seit geraumer Zeit uneins über die Art, wie demonstriert werden soll.

«Wenns nach mir geht, gibt es keinen antifaschistischen Abendspaziergang mehr», sagte Ursula Begert nach den Ausschreitungen vom letzten Jahr. Der bürgerlichen Polizeidirektorin, die früher unverhohlen ihre Sympathie zur Antifa bekundet hatte, war wegen der Scharmützel der Kragen geplatzt. Viel erstaunlicher noch: Die Antifaschistische Aktion selber stellte wegen der Gewalttätigkeiten die Zukunft der Abendspaziergänge in Frage. Die Demos hätten sich in eine Richtung entwickelt, die kaum noch dazu geeignet sei, Inhalte zu vermitteln, liess sie per Communiqué verlauten.

Interne Querelen
Die inneren Konflikte im 1999 gegründeten Bündnis «Alle gegen Rechts» traten so offener zu Tage. Einige Wochen später gab die Kerngruppe Antifa definitiv ihren Austritt aus dem Bündnis bekannt. «Wir wünschten uns einen bunteren und breiter abgestützten Abendspaziergang, der mit weniger martialischem Auftreten auskommt», schreibt die Gruppe. Da eine Öffnung und Erneuerung nicht mehrheitsfähig sei, wolle sich die Antifa künftig vermehrt auf Recherche und Öffentlichkeitsarbeit konzentrieren. So wie letzte Woche, als sie Verbindungen von Schweizer Demokraten mit rechtsradikalen Pnos-Leuten im Raum Burgdorf aufdeckte und publik machte (diese Zeitung berichtete).

Seit elf Jahren aktiv
Die Gründung der Antifa Bern geht auf das Jahr 1994 zurück. Als damals die Neofaschistische Front zur «Glatzenparty» in der Bundesstadt aufrief, stiess sie von der Reitschule her auf heftigen Widerstand. Mehr als hundert Jugendliche lieferten sich eine Massenschlägerei. Antifa Bern war geboren. Rund ein Dutzend Mitglieder soll der harte Kern gezählt haben. Und diese Leute zwischen 18 und 30 Jahren machten es sich fortan zur Aufgabe, «die Öffentlichkeit auf den zunehmenden Rassismus und die rechte Gewalt aufmerksam zu machen». Sie trugen Fakten zum rechtsextremen Milieu zusammen, denunzierten Skin-Treffen und griffen auch wiederholt zu Mitteln der Selbstjustiz. So liessen sie etwa den Parteitag der Pnos (Partei national orientierter Schweizer) platzen, brachen das Auto des Chefideologen auf und entwendeten Interna, um diese auszuwerten.

Seit ihrer Gründung ist die Bewegung stetig gewachsen. Die Strukturen haben sich gefestigt. Heut steht die schweiz-weite Vernetzung mit anderen Antifa-Bewegungen im Zentrum der Bemühungen.

Friedlich und vermummt
Auch wenn der Abendspaziergang noch immer unter dem Antifa-Label läuft; sie ist nicht mehr dabei. Spazieren wird am Samstag ein buntes Gebilde aus linken Gruppierungen, Einzelpersonen und Mitläufern – Autonomen eben, die jede Zusammenarbeit mit der Polizei ablehnen. Schwarz vermummt gehen diese auf die Strasse, um sich «vor Repressalien seitens der Polizei und Faschos» zu schützen.

Friedlich soll der Umzug am Samstag werden, versprechen die Demonstranten. Mehr als einmal haben sie bewiesen, dass sie zu solcher Selbstdisziplin fähig sind. Ob sie diesen Beweis am Samstag erneut antreten können, wird über die weitere Zukunft der Abendspaziergänge entscheiden.

Was macht die Reitschule?
Ob die Reitschule am Samstag geöffnet bleibt, war bis Redaktionsschluss noch nicht klar. Es ist allerdings wenig wahrscheinlich, dass die Veranstaltungen in Theater, Kino, Frauenraum und Dachstock wegen der Demo abgesagt werden.pas

Barbara Hayoz
«Ich bin nicht zuversichtlich» Zweimal schon liessen die Demoorganisatoren sie abblitzen. Doch Barbara Hayoz sucht weiter das Gespräch. Drei Tage vor dem konfliktträchtigen Ereignis schwindet jedoch ihre Hoffnung auf Erfolg.

Frau Hayoz, für den Antifa-Abendspaziergang vom Samstag liegt keine Bewilligung vor. Die Polizei hat das Demobündnis zweimal vergeblich zum Dialog eingeladen. Jetzt probieren Sie es ein drittes Mal. Glauben Sie noch an Erfolg?
Barbara Hayoz: Wir müssen bis zum letzten Tag versuchen, mit dem Bündnis «Alle gegen Rechts» in Kontakt zu treten. Nur im Dialog können wir eine gute Lösung finden. Der Dialog muss auch im Interesse des Bündnisses liegen. Diese Leute haben ja eine Botschaft zu übermitteln – jedenfalls sagen sie das. Aber ob wir wirklich noch zu ihnen durchdringen? Da bin ich nicht sehr zuversichtlich.

Sie rennen dem Bündnis hinterher, stellen ein Ultimatum nach dem anderen. Verlieren Sie da nicht Ihre Glaubwürdigkeit?
Nein. Der Gemeinderat vertritt die Haltung, dass Verhandlungen und Dialog stattfinden müssen, damit die Kundgebung gut und geordnet ab- laufen kann. Diese Botschaft probieren wir weiterhin rüberzubringen – im Interesse von allen Beteiligten.

Sie haben zwei Demorouten angeboten, falls es zu Gesprächen kommt. Diese führen sogar teilweise durch die Innenstadt.
Ja, das ist richtig.

Falls das Bündnis wie angekündigt jegliche Verhandlungen verweigert, verweigern Sie ihm dann die Strasse?
Diese Frage kann ich jetzt nicht mit Ja oder Nein beantworten. Ganz klar ist aber: Unsere Strategie hängt ganz wesentlich davon ab, ob und wie das Bündnis bereit ist, mit uns zu sprechen. Es bleiben noch ein paar Tage Zeit.

Liesse sich eine Kundgebung mit 3000 oder 4000 Personen überhaupt einfach so auflösen?
Die Polizei hat Möglichkeiten, so eine Veranstaltung im Vorfeld zu verhindern. Technisch ist das machbar. Das hängt vom Dispositiv ab.

Die Polizei wird also voraussichtlich mit einem ähnlichen Grossaufgebot präsent sein wie bei den Anti-WEF-Demos.
Das hängt von der Verhandlungsbereitschaft ab. Wenn keine Lösung gefunden wird, bleiben viele friedliche Demonstranten der Kundgebung fern, was wiederum Einfluss auf unser Dispositiv hat. Sicher aber ist schon jetzt: Die Polizei wird am 12. März sehr stark präsent sein. Mit Unterstützung des Nordwestschweizer Polizeikonkordats werden die Einsatzkräfte verhindern, dass es zu Sachbeschädigungen kommt.


4. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/03/30907.shtml)
Communiqué zum 6. Antifaschistischen Abendspaziergang
Bern, 13.März 2005
Fast 3000 AntifaschistInnen haben der massiven Medienhetze, der Polizeirepression und dem schlechten Wetter getrotzt und – wie angekündigt- entschlossen, lautstark und selbstdiszipliniert am Antifaschistischen Abendspaziergang teilgenommen.
Getreu dem Motto des heurigen Antifa-Abendspaziergangs „Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen“ wurden die TeilnehmerInnen und PassantInnen in mehreren Reden aufgefordert ihren Erkentnissen Taten folgen zu lassen und Antifaschismus nicht nur zu propagieren, sondern auch zu leben.
Schwerpunkt der diesjährigen Kampagnen war der Nationalismus, bzw. Antinationalismus. In Broschüren und Reden wurde erklärt, dass der Nationalismus einen der Grundpfeiler des Faschismus darstellt, dass mittels Nationalismus die Menschen der unteren Klasse weltweit gespalten und gegeneinander ausgespielt werden, wahrend die Herrschenden der jeweiligen Ländern davon profitieren. So werden zum Beispiel in praktisch jedem Staat „AusländerInnen“ zu Sündenböcken für Arbeitsplatzmangel, tiefe Löhne, Wohnungsnot, Gewalt usw. erklärt, während von der wahren Ursache dieser Missstände– dem grassierenden Kapitalismus – abgelenkt wird. Für eine gerechte Welt müssen Nationalismus, Nationen und Staaten überwunden und durch gleichberechtigte, basisdemokratische, dezentral organisierte und überregional vernetzte Kommunen und Räte ersetzt werden.
In weiteren Reden wurde das rassistische Vorgehen von Schweizer Versicherungen angeprangert, die gewisse Menschen alleine auf Grund ihrer Herkunft nicht mehr versichern.
Die Demonstration selber verlief durchwegs ohne Zwischenfälle obwohl die Polizei schon im Vorfeld mit grundlosen Verhaftungen, Wegweisungen (Perimeter ganze Innenstadt!), Durchsuchungen und Einschüchterungsversuchen provozierte. Über hundert Leute wurden im Vorfeld der Demo ohne ersichtlichen Grund verhaftet, unzählige wurden durchsucht und fichiert. Etlichen Personen wurden legale Gegenstände abgenommen. Die Polizei hat im Vorfeld zudem versucht potenzielle TeilnehmerInnen einzuschüchtern indem sie ihnen sagte, der Abendspaziergang fände nicht statt und wenn sie nicht nach Hause gingen, würden sie Verhaftet. Für die inakzeptablen Einschüchterungen, Kontrollen und Verhaftungen von auswärtigen GenossInnen war die SBB Steigbügelhalterin, sie stellte im HB selbst grössere Räumlichkeiten zur Verfügung!
Trotz alledem versammelten sich um 20.30 Uhr über 1500 AntifaschistInnen bei der Heiliggeistkirche. Antifas aller Couleur waren gekommen: Nebst Leuten aus autonomen und anarchistischen Zusamenhängen versammelten sich auch antirassistische Skinheads, Leute aus linksgrünen und ausländischen Gruppierungen und viele „unorganisierte“ AntifaschistInnen.
Die Polizei hatte die Spitalgasse abgeriegelt und die Demo weiträumig umstellt. Nach einer Stunde liess die Polizei die AntifaschistInnen vernünftigerweise gegen die Bekanntgabe der Demoroute ziehen. Verhandlungen über Route oder anderes fanden zu keinem Zeitpunkt statt, die Polizei hat die vom Bündnis vorgegeben Route akzeptiert. Offenbar waren die Frontoffiziere mehr an einer guten Lösung als an Hayoz’ Eskalationsstrategie interessiert!
Flugs wuchs der Demozug danach auf fast 3000 Menschen an. Die TeilnehmerInnen spazierten daraufhin durch die Hauptgassen zum Käfigturm über den Bundesplatz und von dort zurück zum Bahnhof, dann über die Schanzenstrasse hinauf ins Länggasse-Quartier und über Neubrückstrasse zur Reitschule wo noch ein Soli-Konzert statt fand.
Trotz aller Provokationen und Spekulationen im Vorfeld haben die VeranstalterInnen und die DemoteilnehmerInnen Wort gehalten und den Antifaschistischen Abendspaziergang erfolgreich durchgeführt und dabei gezeigt, dass Antifaschistische Aktion ohne Bewilligung möglich und nötig ist.
Wir sehen uns spätestens am 7. Antifaschistischen Abendspaziergang!
Ab jetzt gewinnen immer wir 😉
Kein Fussbreit dem Faschismus!
No Border, No Nation!
Bündnis Alle gegen Rechts

5. Mitteilung Stadtpolizei (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/03/30901.shtml)
Medienmitteilung Nr. 66, 13.03.2005
Umzug zum Abendspaziergang konnte stattfinden
pid. Am Samstag Abend besammelten sich gegen 20.30 Uhr ca. 1’000 Personen bei der Heiliggeistkirche zum 6. Antifaschistischen Abendspaziergang. Nachdem im Vorfeld das Bündnis „Alle gegen Rechts“ Verhandlungen mit der Polizei verweigert hatte, riegelte die Polizei die Innenstadt ab. Sie führte bereits im Vorfeld der Kundgebung zahlreiche Personenkontrollen durch. Nachdem bekannt wurde, dass der „Schwarze Block“ von Zürich nach Bern unterwegs war, wollte die Polizei die Personen nach der Ankunft in Bern kontrollieren. Die teilweise alkoholisierten Personen widersetzten sich der Kontrolle und wollten die Polizeisperre durchbrechen, worauf sie eingekreist und festgenommen wurden. Insgesamt nahm die Polizei 119 Personen fest und führte sie einer näheren Kontrolle zu. Sichergestellt wurden vereinzelte Steinschleudern, Spraydosen, Filzstifte, verbotene Messer, Vermummungsmaterial, Schutzbrillen und Pfeffersprays.
Nachdem es der Polizei gelungen war, bei der Heiliggeistkirche mit Personen aus der Kundgebung Kontakt aufzunehmen, einigte man sich schliesslich auf eine Umzugsroute. Um 21.30 Uhr setzte sich der Umzug in Bewegung. Die Route führte über Spitalgasse, Bärenplatz, Schauplatzgasse, Bubenbergplatz, Schanzenstrasse, Falkenplatz, Länggassstrasse, Mittelstrasse, Bierhübeli, Neubrückstrasse bis ins Bollwerk, wo die Kundgebung um 22.45 Uhr beendet wurde.
Der Umzug verlief friedlich; die Organisatoren riefen mehrfach zu Gewaltverzicht auf. Die Stadtpolizei stellte auf der Umzugsstrecke keine nennenswerten Sachbeschädigungen fest.
Die Stadtpolizei wurde durch die Polizeikorps des Nordwestschweizer Polizeikonkordats unterstützt. Im Einsatz standen Mitarbeitende der Kantonspolizeien Aargau, Basel Stadt und Land, Bern und Solothurn.
Zwischen ca. 20 Uhr und 23 Uhr war die Achse Bollwerk – Bubenbergplatz sowohl für den öffentlichen wie auch für den privaten Verkehr gesperrt. Auch in der Länggasse kam es zu längeren Verkehrsbehinderungen. BernMobil setzte auf den Tramstrecken Ersatzbusse ein und vereinzelte Buslinien mussten umgeleitet werden.
Polizeikommando der Stadt Bern


6. Medienbericht (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/03/30911.shtml)
BERN – Eine unbewilligte Demonstration von rund 1000 Aktivisten aus der linksautonomen Szene gegen Faschismus verlief durchwegs friedlich. Sachschäden gab es keine.
Zu Beginn des «6. Antifaschistischen Abendspaziergangs» versammelten sich mehrere hundert grösstenteils vermummte Leute beim Bahnhof. Kurz nach 20.30 Uhr standen sich die Demonstranten und das massive Polizeiaufgebot in der Spitalgasse gegenüber und blieben dort zunächst eine Stunde blockiert.
Die Demonstranten skandierten Parolen wie «Nazis raus» und «Puta Polizia». Auf einem Transparent stand: «Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen.»
Nachdem die Polizei mit den Demonstranten über die Marschroute verhandelt hatte, räumten sie die Absperrgitter-Fahrzeuge. Daraufhin marschierten die Aktivisten friedlich zum Bundeshaus, danach über den Bahnhof zur Reithalle. Um 23.00 Uhr war die Demo zu Ende.
Die Kundgebung verlief friedlich und diszipliniert. Einzig Schneebälle wurden in Richtung der Polizisten geworfen.
Eine Bewilligung hatten die Aktivisten verschiedener linksautonomer Bewegungen nicht eingeholt. In einem offenen Brief hiess es, dass Antifaschismus und Menschenrechte wie die Meinungsäusserungs- und Versammlungsfreiheit keiner Bewilligungen bedürfen.

7. Bilder (Originalquellen: http://ch.indymedia.org/de/2005/03/31014.shtml, http://ch.indymedia.org/de/2005/03/31023.shtml, http://ch.indymedia.org/de/2005/03/31052.shtml & http://ch.indymedia.org/de/2005/03/31059.shtml)

 

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