Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Adi S. ist frei

Adi S. ist frei

Inhalt:
1. Kurzbericht
2. Medienbericht


1. Kurzbericht (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2006/07/42148.shtml)
um 12:41 ist ein sms von der mutter von adi eingegangen mit dem text:
„adi ist frei und es geht ihm gut“.
viele haben sich für adi und die anderen gefangenen eingesetzt.
er und alle anderen mussten die ganzen 10 tage zu unrecht im gefängnis verbringen (ausnahme: zwei deutsche, die vorzeitig auf druck der deutschen behörden entlassen wurden). solche willkürlichen verhaftungen dürfen nie und nimmer akzepiert werden.
wie kann unrecht wieder gut gemacht werden? diese frage stellt sich immer wieder.
dem adi und allen anderen, die sich für eine bessere welt einsetzen, wünsche ich alles gute und danke ihm für seine politische velotour.


2. Medienbericht (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2006/07/42148.shtml)
G-8-Kritiker: «Fall Sauter» wirft Wellen
Im Vorfeld des G-8-Gipfels wurde der Emmentaler Adi Sauter in St. Petersburg verhaftet. Heute erst wird er freigelassen.
Vor und während des G-8-Gipfels in St. Petersburg (15.-17. Juli) wurden dort rund 150 Personen verhaftet und im Schnellverfahren zu Haftstrafen von bis zu 15 Tagen verurteilt. Da die Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration nach russischen Gesetz höchstens mit einer Geldstrafe von bis zu umgerechnet 30 Euro geahndet werden kann, wurde den Festgenommenen meist Schwerwiegenderes unterstellt: etwa Widerstand gegen die Staatsgewalt oder Beamtenbeleidigung.

Frei erfunden
Während viele der Demonstranten am Gipfel-Wochenende nach dem Prinzip «Freilassung nach dem G-8-Gipfel» zu zwei oder drei Tagen Haft verurteilt wurden, traf es die schon im Vorfeld aufgegriffenen Aktivisten härter: Sie mussten – und müssen – bis zu 15 Tagen absitzen. Als Haftgrund nannte die Polizei meist «Rowdytum», also etwa lautes öffentliches Fluchen. «Da dies Ausländern ohne Russischkenntnisse schwer zu unterstellen ist, bezichtigte man sie des wilden Urinierens», erklärt der Jurist Dmitrij Makarow vom «Legal-Team» der G-8-Kritiker. Am extremsten, «ja geradezu kafkaesk» sei der Fall des 30-jährigen Oberemmentalers Adi Sauter, der mit zwei deutschen Studenten per Velo angereist war. Die drei waren im Rahmen einer «Anti-G-8-Velokarawane» vor gut einem Monat in Berlin gestartet.

Obst und Gemüse
Die Polizei hatte Sauter in der Nacht bei einer – nach Ansicht des «Legal-Teams» – illegalen Durchsuchung der von den Behörden als verdächtig betrachteten Wohnung verhaftet. Doch auch dieser Umstand und ein Anwalt bewahrte den Greenpeace-Aktivisten nicht davor, dass er vor Gericht von zwei Polizisten beschuldigt wurde, zu dieser Zeit einige Häuser weiter uriniert zu haben, wie Mitstreiter erklären. Heute nun läuft seine Zehn-Tage-Strafe ab. Freunde haben ihm täglich Gemüse und Obst gebracht, da die russische Gefängniskost für den Vegetarier nicht geeignet sei.
Sauters Velo- und später Zellenkollegen aus Bielefeld, ebenfalls wegen Urinierens zu zehn Tagen verurteilt, wurden dagegen kurz vor Beginn des Gipfels freigelassen und sofort abgeschoben. Eine Begründung dafür bekamen sie nicht – doch liegt sie auf der Hand: Deutschland ist Mitglied der G-8 und Berlin hatte damit gedroht, diesen Fall am Gipfel zur Sprache zu bringen.