Freispruch Sam G8-Protest 2007 Rostock

Inhalt:
1. Bericht


1. Bericht (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2008/01/56636.shtml)
Letzten Montag 21.1.08 fand vor dem Amtsgericht Rostock der Prozess gegen einen jungen Berner statt, der an den Demonstrationen und Aktivitäten gegen den G8-Gipfel im Juni 2007 in Heiligendamm teilgenommen hatte. Er wurde vollumfänglich freigesprochen.
Die Anklage lautete auf „schweren Landfriedensbruch“ und „versuchte schwere Körperverletzung“ und stützte sich auf die Aussage eines Polizeibeamten, der gesehen haben will, dass Sämi an der Auftaktdemonstration vom Samstag 2. Juni einen Stein gegen Polizisten geworfen hätte. Bei der Verhaftung, die tags darauf erfolgte, behauptete der Polizist den Jungen anhand folgender Merkmale 100prozentig wiederzuerkennen: schwarzes Sweatshirt, schwarzes Baseballcap, schwarze Sonnenbrille, Jeans, schlaksiger Gang, Grösse 1.80 bis 1.85m. Dass aufgrund einer solchen Allerweltsbeschreibung überhaupt eine Anklage aufrechterhalten wurde, ist erstaunlich.
Die Richterin führte eine ausführliche Befragung durch. Der bayrische Polizeizeuge wiederholte seine Aussagen und auch die Lügengeschichten von Dutzenden zum Teil schwer verletzten Polizisten, die schon lange widerlegt sind, wie die Verteidigerin beifügte. Nach den übereinstimmenden Aussagen des Angeklagten und eines Zeugen hatte sich Sämi gar nicht an dem Ort der Auseinandersetzung aufgehalten, zudem ist er 1.92m gross.
Die Staatsanwältin plädierte ohne zu zögern für einen Freispruch. Die Richterin war mit Überzeugung derselben Meinung, und nach rund zwei Stunden war der ganze Spuk vorbei. Dem Angeklagten und dem Zeugen wurden die Gerichtskosten und Reisespesen zurückerstattet, die Forderung nach einer Entschädigung für die über 24stündige Haft wird in einem Adminstrativverfahren geklärt.

In den schweizerischen Zeitungen war Sämi im Juni 2007 in grossen Schlagzeilen als Krawalltourist und Mitglied des „Schwarzen Blocks“ diffamiert worden. Im gleichen Atemzug wurde von den Dutzenden Schwer Verletzten Polizisten berichtet. Wie sich später herausstellte, mussten aber nur zwei Polizisten im Spital behandelt werden (einer wegen einer Blinddarmentzündung, der andere wegen eines Fingerbruchs). Wieder einmal spielten die Medien in der Vorverurteilung und Diffamierung des Widerstands mit. Unkritisch und ohne jegliche Recherchen wurden Polizeiaussagen wortwörtlich abgedruckt, die sich später als klare polizeilich-politische Desinformation heraus stellen. Gerade im Hinblick auf die Polemik betreffend der Anti-WEF Aktivitäten ist zu hoffen, dass die Presse sich wieder auf ihren eigentlichen Auftrag der objektiven und kritischen Berichterstattung zurück besinnt.

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