Paradisli blibt!

Inhalt:
1. Aufruf
2. Schlüsselabgabe verweigert
3. Medienbericht

1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2008/04/58671.shtml)
Bis am 3. April muss das Bauernhaus an der Laubeggstr. 36 geräumt sein.
Deshalb findet am Samstag, 5. April, ab 14 Uhr die Paradisli blibt!-Demo statt. Beginn ist am Aargauerstalden (beim Bärengraben).
Gemeinderätin Barbara Hayoz begründet die Exmission mit der fehlenden feuerpolizeilichen Tauglichkeit des Bauernhauses, Problemen mit den Anwohnern und den zu tätigenden Vorbereitungsarbeiten:
– Dabei übersieht sie, dass wir gerne die feuerpolizeiliche Auflagen erfüllt hätten, die Liegenschaftsverwaltung (welche ja Hayoz‘ FPI unterstellt ist) aber keine Bewilligung ausstellen wollte. Auch den Vorschlag die Veranstaltungen zu verlegen, liess sie nicht von ihrer Argumentation abbringen.
– Um die Anwohner weiter zu entlasten, haben wir einen Weg durch den Park geplant, wodurch die Gäste nicht mehr den Schönbergrain passieren würden, sondern grads direkt durch den Park gehen. Auch dies ging Frau Hayoz vergessen.
– Die Vorbereitungsarbeiten können auch stattfinden, wenn das Paradisli noch im Haus weilt. Der Keller ist zur Zeit wenig benutzt und könnte für Sondierungsbohrungen ganz frei gemacht werden.

Es ist also offensichtlich, dass es der Gemeinderätin nicht direkt um die Anwohner, den Bau oder die Sicherheit geht, sondern nur darum die von bürgerlichen geforderte „harte Linie“ durchzuziehen. Es ist ein wahlkampftaktischer und karriereorientierter Entscheid. Sie verhält sich wie eine Egoistin, der es nur um Wählerstimmen geht, anstatt sich für die sinnvollste Nutzung der Liegenschaften zu kümmern, was ja eigentlich ihr Auftrag wäre. Mit solchen Entscheiden zugunsten von Wählerparteien und gegen Direktbetroffene macht sie Politik überflüssig. Denn wozu Vertreter bestimmen, wenn diese dann die Betroffenen übergehen? Wozu ist Frau Hayoz noch im Amt?
Diese Räumung, es liegt ja auch keine Baubewilligung vor, ist völlig unnötig. Wir sind enttäuscht über das unangemessene Vorgehen der Stadtbehördern.
Deshalb findet am Samstag, 5. April, ein Umzug fürs Paradisli statt. Start ist am Aargauerstalden um 14 Uhr.
Wir freuen uns über einen farbigen, friedlichen Protest gegen diese vorschnelle Räumung und für ein Weiterbestehen des Paradislis. Für eine vielfältige, unabhängige Kultur in Bern und überall.
Es wird etwas Musik geben, für Getränke ist auch gesorgt.
Die BernArena ist feuerpolizeilich auch nicht tauglich!! Exmission sofort!?!?!


2. Schlüsselabgabe verweigert (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2008/04/58764.shtml)
Das Paradisli ist ein altes Bauernhaus und liegt mitten in der Stadt Bern. Erbaut wurde es an der Laubeggstrasse 36 als Teil eines alten Herrenguts, dem Schönbergareal. Jetzt ist es über 150 Jahre alt und hat viel erlebt. Um dessen ganze Geschichte in Erfahrung zu bringen, müsste man schon fast Historiker sein…
Am 3. April hätte das Paradisli geräumt sein müssen. Dies ist eine rein wahlkampftaktische Handlung und steht in keiner sinnvollen Beziehung zur tatsächlichen Situation. Die von Gemeinderätin Hayoz‘ angebrachten Gründe sind fadenscheinig. Sondierungsbohrungen kann Frau Hayoz auch durchführen, wenn das Paradisli noch im Haus weilt.
Für die heutige Schlüsselübergabe trafen sich die Vertreter der Liegenschaftverwaltung und des Paradislis, jedoch wurden die Schlüssel nicht übergeben. Da wir die Schlüssel noch brauchen, um das Haus restlos auszuräumen, mussten wir Frau Ledermann schlüsselos zurückschicken. Wir werden in kommenden Tagen mit den zuständigen Behörden Kontakt aufnehmen und hoffen noch nicht geräumt zu werden, damit wir die verbleibenden Dinge und Möbel ausräumen können.

Zudem ist fraglich, ob teure Vorbereitungsarbeiten durchgeführt werden sollten, solange nicht feststeht, ob die Baubewilligung jemals rechtskräftig wird.
Die Beziehung zu den zwei Anwohnern, welche sich regelmässig gestört fühlten, ist entgegen den Falschdarstellungen einiger Medien besser geworden. Vorschläge, die Störungen der Nachbarn durch die Gäste des Paradislis weiter zu reduzieren, hätten eine bauliche Massnahme in einem städtischen Zaun erfordert. Doch dazu war Frau Gemeinderätin Hayoz als Einzige nicht einverstanden und stellte keine Bewilligung aus. Ihr Argument, ein Kulturbetrieb sei zu laut für ein Wohnquartier, wird beim Paradisli angewandt, jedoch nicht beim Wankdorfstadion, welches ja auch einigen Anwohnern zu laut ist. Da misst Frau Hayoz mit ungleichen Massstäben. Dass wir keinen Vertrag mehr haben, liegt daran, dass Frau Hayoz uns keinen Vertrag mehr ausstellen will. Sie lässt das Haus lieber leerstehen.
Sollte sie das Haus zudem bewachen lassen, wie sie das angekündigt hat, entstehen tägliche Kosten von etwa 2’000.- CHF. Halbjährlich 350’000.- CHF. Bis die Baubewilligung entschieden ist, kann es durchaus einige Monate dauern.
Feuerpolizeiliche Auflagen versuchten wir zu erfüllen, erhielten aber für die nötige Feuertreppe (die wir selbst finanziert hätten!) keine Bewilligung. Also entschieden wir uns, die Veranstaltungen zu verlegen. Die Feuerpolizei hat zudem nur einen einzigen Raum begutachtet und als untauglich empfunden. Nun ist uns aber ein Verbot für alle Räume ausgesprochen worden.

Die Gesandten der Polizeien haben die umgebaute Schreinerei nie besichtigt. Wie wollen sie die Situation im Parterre beurteilen, wenn sie nie dort waren? Wieso schaut man dem Paradisli mit Argusaugen auf die Finger und verschliesst beide Augen im Falle des Allmendstadions, welches jahrelang die feuerpolizeilichen Auflagen nicht erfüllte. Auch dieses Argument darf Frau Hayoz nicht aufführen. Das Paradisli wird präventiv geräumt und die Räumung mit unhaltbaren Begründungen legitimiert. Das nützt vielleicht Hayoz‘ Karriere, nicht aber dem Paradisli und kommt auch der Stadt Bern zu Ungute.
Frau Hayoz wird sich davon Wählerstimmen versprechen und macht Politik zu reinem Selbstzweck für karrieregeile Egoisten und Egoistinnen. Es geht ihr offensichtlich nicht darum, dass sie den Berner und Bernerinnen mit Hilfe der Macht, die sie durch ihr Amt erhält, ein bestmögliches Leben bietet, sondern einzig darum, Stadtpräsidentin zu werden. Wozu ist sie also noch im Amt?

Deshalb findet am kommenden Samstag, 5. April ein Solidaritäts-Umzug fürs Paradisli und alle die anderen, von Politkarrieren bedrohten oder bereits zerstörten Freiräume und Kulturen statt. Wir wollen ermahnen, dass der Regierungen Auftrag ist, ihren Bürgern zu dienen und nicht sich selbst zu bereichern. Sei dies beim Paradisli oder den Wagenplätzen, in Bezug auf Glaubensgemeinschaften in Tibet oder durch das Tolerieren von Ausbeutung der Bevölkerung und der Rohstoffe durch Konzerne in Brasilien und anderswo.
Überall sind Regierungen mächtig, die ihren anvertrauten und eigentlich edlen Aufgaben nicht wert sind. Trotz allen Unmutes kann eine friedliche Welt nur durch Frieden geschaffen werden. Jeder beginnt bei sich. Wer Gewalt sät, schafft Hass und erntet, was gesät wurde. Wer Frieden sät, schafft Liebe und Vertrauen und erntet auch, was gesät wurde. Bemalen wir unsere Gesichter, nehmen Textilfarben mit und Kreiden, um die grauen Strassen zu verschönern. Zeigen wir uns von unserer positivsten Seite und fordern gesicherte Freiräume für eine aktive Jugend und eine vielfältige Kultur! Samstag, 5. April 08 Solidaritäts-Demo fürs Paradisli Start am Aargauerstalden (nahe Bärengraben) um 14 Uhr Poi-Actions, Soundwagen, Sofas, Getränke gegen Kollekte, Dy-in u.v.m.


3. Medienbericht (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2008/04/58764.shtml)
Anhänger des «Paradisli» ziehen durch die Innenstadt
Laut und farbenfroh sind rund 100 Anhänger der Kulturoase «Paradisli» am Samstag durch die Berner Innenstadt gezogen. Sie demonstrierten für «freie Kultur» und für ihr Bleiberecht im Bauernhaus an der Laubeggstrasse.
Der Umzug mit vorwiegend jugendlichen Teilnehmenden formierte sich am Nachmittag am Aargauerstalden. Angeführt von einem Transparent mit der Aufschrift «In diesem Haus steckt unser Herz» bewegte er sich via Gerechtigkeitsgasse in Richtung Rathausplatz.

Musik und Tanz
Zwei Traktoren zogen Wagen, auf denen zu lauter Musik getanzt wurde. Am Rande des Umzuges verteilten Anhänger des Vereins Flugblätter. Vor dem Rathaus machte der Zug Halt für eine Tanzdarbietung. Und die Organisatoren des Kulturvereins «Paradisli» bekräftigten in einer Rede ihre Ansicht, dass sie von der Stadt Bern zu Unrecht aus dem Haus an der Laubeggstrasse ausgewiesen wurden. Sie wollten bis zum Erhalt der Baubewilligung dort bleiben, hiess es.
Tatsächlich hatte die Stadt die Ausweisung des Kulturbetriebs angeordnet. Der Verein hatte sich bis vor Bundesgericht vergeblich dagegen gewehrt. Die auf den 3. April angesetzte Räumung ist indes noch nicht durchgeführt worden. Die Stadt hat beim zuständigen Zivilgericht deren Vollzug beantragt. Zur Zeit räumt der Verein seine Infrastruktur aus.

Kulturelle Zwischennutzung
Der Verein nutzte das Bauernhaus im Rahmen eines Zwischen-Nutzungsvertrags mit der Stadt. Diese wollte den auslaufenden Vertrag nicht mehr erneuern. Sie sieht das Gelände um das «Paradisli» für die Überbauung «Schönbergpark» vor, wo Luxuswohnungen entstehen sollen. Das ehemalige Bauernhaus soll umgebaut werden.
Die Polizei begleitete den bewilligten Umzug und regelte den Verkehr. Die Kundgebung, die auch eine alternative, freie Musik- und Kunstszene propagierte, nahm am späten Nachmittag auf dem Waisenhausplatz ein friedliches Ende.

  | | | |