Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Stoppt das Massaker an der kurd. Bevölkerung

Stoppt das Massaker an der kurd. Bevölkerung

Inhalt:
1. Aufruf
2. Communiqué
3. Bilder
4. Flyer Anarchistische Gruppe Bern

1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2016/02/96695.shtml)
Über 400 Menschen gingen am 9.Januar in Bern auf die Strasse, um auf das Blutbad in den kurdischen Gebieten aufmerksam zu machen. Die Situation vor Ort hat sich in den letzten Wochen weiterhin verschlimmert. Deswegen rufen wir für Samstag den 06.02 zu einer erneuten Demo gegen das Massaker in der Türkei auf. Wir treffen uns um 14 Uhr beim Bahnhofplatz und wollen ein starkes Zeichen der Solidarität setzen.

Stoppt das Massaker in der Türkei
Seit Wochen geht ein breites Aufgebot von Sicherheitskräften, Panzern und Kampfhubschraubern gegen die kurdische Zivilbevölkerung vor. Mittlerweile führt der türkische Staat einen offenen Krieg gegenüber den 1.5 Millionen Kurden. Über 100.000 Menschen mussten aus den umkämpften Gebieten flüchten, weil das Militär ihre Häuser und Wohnungen beschossen und zerstört hat. Wer sich den Anordnungen der Sicherheitskräfte widersetzt, wird geschlagen, gefoltert oder gar erschossen. Hunderte Menschen wurden in den vergangen zwei Monaten regelrecht hingerichtet und Tote müssen in Kühltruhen aufbewahrt werden. Zudem wurden die meisten Kommunikationskanäle gekappt und Journalisten werden weg gewiesen, beschossen und zum Teil verhaftet, damit sie nicht über die Ausgangssperren berichten. In einige Städte lassen sich seit Tagen keine Kontakte mehr herstellen und es ist ungewiss was mit den Menschen passiert ist. Der Bevölkerung fehlt es an Grundlegendem wie Lebensmitteln & sauberem Wasser, zudem werden systematisch Stromleitungen vom Militär gekappt, damit beispielsweise die Heizungen nicht mehr funktionieren. Zahlreiche Verletzte Personen müssen in Kellern ausharren (aktuell in Cizre) weil ihnen der Zugang zu einem Arzt oder ins Spital verweigert wird. Versuche verletzte Personen aus den umkämpften Gebieten herauszubringen werden sofort mit Beschuss beantwortet und sind deshalb lebensgefährlich. Auch das Schwenken der weissen Fahnen wird von den Scharfschützen nicht beachtet.

Das Schweigen des Westens
In den westlichen Medien wird über das Massaker in der Türkei kaum berichtet. Nur ganz selten gibt es Beiträge, die lediglich einseitig die Propaganda des türkischen Staates wiedergeben. So ist immer wieder vom „Krieg gegen den Terror“ zu hören, welches in der Realität ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung ist. Das AKP-Regime nutzt die Tatsache, dass sie einen wichtigen wirtschaftlichen und militärischen Nutzen für Europa hat, aus und spielt mit der Regulierung der Flüchtlingsströme in das europäische Festland. Damit die Türkei repressiv gegen Geflüchtete vorgehen kann, verlangte sie von der EU 3 Milliarden Euro, mittlerweile fordert sie sogar 5 Milliarden. Des Weiteren ist die Türkei ein wichtiger Umschlagsplatz für Erdöl und Gas aus dem nahen Osten. Durch Unterhändler gelangen Öl-Lieferungen aus Daesh-Gebieten in die Türkei und werden nach Europa exportiert. Die Schweiz spielt bei diesen Öl-Geschäften eine zentrale Rolle, da über ein Drittel (!) des globalen Ölhandels über schweizer Firmen abgewickelt werden.

Stoppt das Massaker an der kurdischen Bevölkerung!
Autonomie für die kurdische Bevölkerung!
Stoppt den Krieg des Terrorstaates Türkei!
Wir sehen uns: Samstag; 06. Februar 2016 um 14Uhr beim Bahnhofplatz in Bern


2. Communiqué (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2016/02/96742.shtml)
Über 500 Menschen gingen heue lautstark und entschlossen unter dem Motto „Stoppt das Massaker an der kurdischen Bevölkerung“ durch die Strassen Berns. Zeitgleich fanden in anderen Städten wie Basel und Zürich weitere Solidaritätsdemos statt. Erneut konnten wir ein starkes Zeichen der Solidarität setzten und haben auf die brutalen Ereignisse und den Krieg in den kurdischen Gebieten aufmerksam gemacht. Wir haben heute gezeigt, dass wir selbstbestimmt, lautstark und ohne Bewilligung demonstrieren können.
Da die Schweizer Medien die Massaker totschweigen, haben wir im Vergleich zum Staat und den Medien mit den wenigen Mitteln, die wir haben die Wände der Stadt plakatiert, gesprayt und Parolen oder Plakate hinterlassen. Auch die Schweizer Regierung, sowie andere europäische Staaten, äusserten sich nicht zu dem Staatsterror, der zurzeit in Kurdistan ausgeübt wird. Vielmehr sorgt sich die Schweiz um ihre Handelsbeziehungen und dessen Profite die einmal mehr auf Kosten von Menschenleben beruhen. Da die Schweizer Regierung schweigt, haben wir auch auf dem Bundesplatz unsere Parolen und Inhalte an den Boden gesprayt und beschuldigen die Schweiz der Mittäterschaft. Zudem konnten wir hunderte Flyer an interessierte Passant*innen verteilen und bekamen viele positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung.
Im Vorfeld der Demonstration führte die Polizei schikanöse Polizeikontrollen gegen mutmassliche Demogänger*innen durch. Des Weiteren versuchte die Polizei während der Demo Leute zu fotografieren, um ihre Fichen aufzufüllen. Scheinbar scheint es die Verantwortlichen in Politik und Polizei zu beunruhigen, dass sich die revolutionäre Linke mit den Kurdischen und Türkischen Genossen*innen solidarisiert und zusammen auf der Strasse gegen Faschismus kämpfen.
Schulter an Schulter gegen den Faschismus!


3. Bilder (Originalquellen: https://www.facebook.com/InfoAGB/posts/595124517302575 & http://ch.indymedia.org/de/2016/02/96742.shtml)


4. Flyer Anarchistische Gruppe Bern (Originalquelle: https://www.facebook.com/InfoAGB/posts/595124517302575)
Lautstarke und entschlossene Demo heute mit über 500 Menschen. Folgenden Flyer haben wir an der Demo verteilt:
Gegen die Unterdrückung der kurdischen Frauen
Die kurdischen Regionen der Osttürkei wurden seit Monaten militärisch besetzt und erinnern stark an Kriegsgebiete. So wurden zahlreiche Häuser zerbombt, Panzer patrouillieren in den Strassen und über viele Städte wurden Ausgangssperren verhängt. Die Zivilbevölkerung wurde von Strom, Wasser und Nahrung abgeschnitten und mehrere hundert Menschen wurden von Sicherheitskräften umgebracht.

Die Unterdrückung der Kurden in der Türkei wird seit Jahrzehnten systematisch vorangetrieben. Die kurdischen Frauen werden dabei besonders stark zur Zielscheibe des Staates. Sie wachsen in einer Gesellschaft auf, die von Rassismus und Armut geprägt ist und leiden zusätzlich unter patriarchalen Verhältnissen. Wie tief die Stellung der Frau in der Türkei ist, zeigt sich derzeit in den kurdischen Gebieten. Frauen, die beispielsweise gegen die Ausgangssperren verstossen und von Sicherheitskräften angehalten werden, müssen damit rechnen vergewaltigt zu werden. Die türkischen Medien propagieren Bilder, die Guerillakämpfer in Frauenkleider zeigen. Damit soll vermittelt werden, dass es in der Guerilla keine „echten“ Männer kämpfen, sondern nur Frauen oder Transsexuelle. So ist auf Bildern der Polizei Waffenfunde der Guerilla abgebildet, in denen Frauenkleider beigelegt wurden. Das Wort „Frau“ wird vom Staat, von den Medien und einem grossen Teil der Gesellschaft als etwas Negatives angesehen und sogar als Beleidigung verwendet.

Eine ganz andere Gesellschaft fordert die Revolution in Rojava (Nordsyrien). Diese ist am stärksten bei den Frauen verankert und hat als eines der Hauptziele deren Befreiung. Während jahrzehntelang patriarchale und konservative Verhältnisse geherrscht haben und Frauen in Hinterzimmer gekocht haben, ist es normal geworden, dass Frauen bewaffnet sind, in Räten mitbestimmen oder militärische Führungspositionen besetzen. Des Weiteren haben Räte- und Militärstrukturen organisierte Frauengruppen und eine festgelegte Frauenquote von 40% in allen Gremien. Zudem wurden Plattformen und Räume wie z.B. Frauenhäuser geschaffen, damit Frauen ohne Zwänge oder Einflüsse diskutieren können. Bei Unterdrückungen oder gewalttätigen Vorfällen gibt es eigens gegründete Frauengruppen, die intervenieren. Auch in der Schule werden die Kinder über die patriarchalen Verhältnisse unterrichtet, um ein Bewusstsein für die Jahrhunderte anhaltende Unterdrückung zu schaffen.

Für die Befreiung der Frau – Kraft und Mut den Kämpfer*innen in der Türkei und in Rojava!