Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Demo Kein Fussbreit dem Antiziganismus in Wileroltigen (verboten)

Demo Kein Fussbreit dem Antiziganismus in Wileroltigen (verboten)

Inhalt:
1. Aufruf
2. Absage


1. Aufruf (Originalquelle: https://barrikade.info/Demonstration-Kein-Fussbreit-dem-Antiziganismus-in-Wileroltigen-327)
In Wileroltigen, wo ein Transitplatz für Fahrende aus dem Ausland entstehen soll, entlädt sich erneut der Hass gegen Fahrende. Wir sind wütend und wollen Widerstand leisten gegen jede Herabsetzung, Verleumdung und Verdrängung von Roma, Sinti, Jenischen und allen fahrenden Minderheiten. Deshalb planen wir im Hinblick auf den Sonntag 24. September 2017 im aktuellen Herzen des schweizer Antiziganismus eine Demonstration. Das Datum ist noch nicht definitiv, dennoch: Save the date.

Vor einem Jahr in Meinisberg: Hetze ausgehend von Bürger_innengruppe und SVP
Als vor einem Jahr in Meinisberg ein „Volksfest“ gegen Fahrende stattfand, waren wird geschockt und sprachlos. Der Kanton plante dort einen Transitplatz für Fahrende aus dem Ausland. Damals koordinierte ein Bürger_innenkomitee und die (J)SVP die offen antiziganistische Hetze dagegen.
Der rechte Mobilisierungserfolg, sowie der Umstand, dass die Medien völlig unkritisch berichteten und es öffentlich kaum zu Kritik, geschweige denn zu Widerstand kam, führte dazu, dass der Kanton seine Pläne wieder fallen liess. In Meinisberg gibt es nun keinen Platz für Fahrende.

Aktuell in Wileroltigen: Hetze ausgehend von Bürger_innengruppe und Gemeinderat
Der geplante Platz für Fahrende aus dem Ausland soll nun in Wileroltigen entstehen. Diesmal werden die Verleumdungskampagne und der Verdrängungskampf u.a. vom Gemeinderat von Wileroltigen koordiniert. Dass sich politische Exekutivmitglieder, ohne negative Konsequenzen zu fürchten, am rassistischen Bashing beteiligen können, ist beängstigend und zeigt auf: Antiziganismus ist in der Schweiz bis heute kein Randphänomen, sondern fest in der Mitte der Gesellschaft und ihrer Institutionen verankert.

Drohende konformistische Revolte: „Was nicht konform ist, muss konform gemacht werden“
Wegen solchen antiziganistischen Denk- und Handlungsmuster sind die Vorfälle in Meinisberg und Wileroltigen sehr ernst zu nehmen. Es braucht keine organisierte oder faschistische Rechte, damit es zu Pogromen kommen kann. Wenn diejenigen, die von sich glauben „normale“, „anständige“, „fleissige“ bzw. „konforme“ Bürger_innen zu sein, zum Schluss kommen, dass die Autoritäten (Gesetz, Behörden, usw.) denen sie sich sonst unterwerfen, sie fallen lassen, dann ist ihr Schritt zur Gewalt gegen die in ihren Augen „bettelnden, stehlenden, dreckigen, faulen Zigeuner“ nicht weit. Konformist_innen sehen es als dann als ihre Pflicht an, ihre Vorstellung von Gesetz und Ordnung selbst durchzusetzen, notfalls mit einem (gewalttätigen) Aufstand.

Kein Fussbreit dem Antiziganismus
Um Widerstand gegen jede Form von Unterdrückung von Roma, Sinti und Jenischen zu leisten, rufen wir alle auf, am Sonntag 24. September in Wileroltigen auf die Strasse zu gehen. Um Polizeigewalt und Kriminalisierung zu vermeiden und um den antiziganistischen Gemeinderat von Wileroltigen hinsichtlich seines Bekenntnis zur Meinungsäusserungs- und Versammlungsfreiheit zu prüfen, haben wir eine Bewilligung beantragt. Das Datum und die Demo stehen daher noch nicht definitiv.


2. Absage (Originalquelle: https://barrikade.info/Aufruf-Schweigen-ist-zustimmen-positioniert-euch-336)
Zitat von Gemeindeverwaltung Wileroltigen gemeindeverwaltung@wileroltigen.ch, 17. August 2017:
Sehr geehrte Damen und Herren
Der Gemeinderat Wileroltigen hat in seiner gestrigen Sitzung über Ihr Gesuch beraten und erwägt, dieses aus Sicherheitsgründen abzulehnen. Zur Wahrung des rechtlichen Gehörs erhalten Sie die Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. Ihre Stellungnahme erwarten wir gerne bis Montag, 21. August 2017.
Wir danken Ihnen für die Kenntnisnahme.
Freundliche Grüsse
Gemeindeverwaltung Wileroltigen

Seitdem der Kanton Bern bekannt gab, in Wileroltigen einen Transitplatz für Fahrende zu bauen, entlädt sich im kleinen Dorf im Seeland der weitverbreitete Hass gegenüber Fahrenden. Koordiniert wird die antiziganistische Hetze nicht von Faschist_innen oder ihren Kompliz_innen seitens der SVP. Die Federführung liegt in den Händen des Gemeinderats und eines BDP-nahen Bürger_innenkomitees. Der Widerstand gegen die Hetze ist bisher schwach. Lasst uns das ändern.
Der Gemeinderat will Demo verbieten
Wenn Antiziganismus in der Schweiz benannt, kritisiert und bekämpft werden soll, bedeutet dies, dass wir dort wo er aktuell stattfindet, Raum und Aufmerksamkeit schaffen, um auf die Hetze zu reagieren. Deshalb wollen wir am Sonntag ,24. September in Wileroltigen, im aktuellen Herzen des Antiziganismus, demonstrieren. Der antiziganistische Gemeinderat will nun seine Macht dafür missbrauchen, um die Meinungsäusserungs- und Versammlungsfreiheit der Gegner_innen von Antiziganismus zu beschneiden. Unser Bewilligungsgesuch für eine Demonstration will er ablehnen (vgl. Mail unten).

Antiziganismus ist kein Randphänomen
Die Hetze in Wileroltigen ist möglich, weil Antiziganismus in der Schweiz bis heute fest in der Mitte der Gesellschaft und ihren Institutionen verankert ist. Leider kam es in öffentlichen Debatten bisher kaum zu Kritik an folgenden konkreten Vorfällen:
An offiziellen Versammlungen in Wileroltigen wurden antiziganistische Haltungen, Argumente und Handlungen toleriert und als legitim betrachtet.
Auf der Facebookseite, über welche die Gemeinde und das Bürger_innenkomitee zum menschenverachtenden „Volksfest gegen Fahrende“ aufriefen, wurden rassistische Äusserungen lange toleriert und geliked.
In Wileroltigen hängen bis heute antiziganistische Transparente.
Am Ort des geplanten Transitplatzes kam es wiederholt zu antiziganistischen Handlungen (Fotografieren zwecks Verleumdung, Beschimpfungen, Drohungen von und gegen Fahrende und sogar Zerstören des Zugangs zum Areal durch Pflügen).
Die Medien berichteten meist unkritisch, einseitig und gar parteiergreifend.
Parteien, NGOs oder staatliche Behörden, insbesondere die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus äusserten bisher keine oder kaum Kritik.

Antiziganismus, wie er in Wileroltigen zum Ausdruck kommt, lässt sich nicht durch schweigende Zurückhaltung überwinden Antiziganistische Hetze muss – wie jede Form der Menschenverachtung – auf Widerstand treffen. Wir rufen alle auf, sich öffentlich gegen jegliche Herabsetzung, Verleumdung und Verdrängung von Roma, Sinti, Jenischen und diskriminierten Gruppen zu positionieren.
Die Demonstration ist nur ein Mittel unter vielen. Solidarisiert euch: Kein Fussbreit dem Antiziganismus!