Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Antisexstische Sprayaktion 2

Antisexstische Sprayaktion 2

Inhalt:
1. Communiqué
2. Auslöser der Aktion


1. Communiqué (Originalquelle: https://barrikade.info/article/1783)
Patriarchat angreifen
Unite against sexism
We know what we fight against


2. Auslöser der Aktion (Originalquelle: https://barrikade.info/article/1737)

Dass männerdominierte Gangstrukturen, sei es in Sprayer-Gangs, Fussball-Ultra-Gruppierungen, gewissen Polit-Gruppen oder ähnlich aufgebaute Gruppierungen solch patriarchal zu begründendes Dominanzverhalten, Ausgrenzungs- und Diskriminierungsmechanismen wie Sexismus, Homophobie und Trans*phobie reproduzieren und diese in ihren gängigen Codes veralltäglicht haben, soll uns ja eigentlich nicht überraschen. Aber verdammt lange wird es nun schon toleriert. Irgendwie scheint es okay zu sein, die Institution der Polizei, den Staat, Rassismus und Nazis zu bekämpfen und dabei derart machoid aufzutreten, dass andere junge Menschen verunsichert und sich gezwungen fühlen, diesen Standards mit ihren Verhalten zu entsprechen. Unter toxischer Männlichkeit wird dies heute diskutiert. Einen männlichen Standard, den es zu erreichen gilt, welcher eine Dominanz verlangt, Hierarchien legitimiert, Schwäche einzugestehen ausschliesst, andere Geschlechteridentitäten klein macht, etc.

Am Beispiel von oben, bedienen sich die Autoren [1] von 031/FEAR einem Klassiker. Sich hierarchisch über einen Menschen zu stellen, dadurch dass die dominanzsuchende Seite die abzuwertende Seite «fickt». «Still fucking your girls» ist sogar noch widerlicher. Anstatt die anderen Männer zu ficken, wird angedroht, deren Freundinnen zu ficken. Denn wenn Männer Männer ficken würden, wäre dies ja auch nicht so cool, weil homosexuell und so. Zu Sex gehören immer mindestens zwei Menschen, welche von beiden Seiten Lust haben, miteinander Sex zu haben (siehe Konsens [2]). Wenn eine Person eine andere Person fickt, ohne deren Einverständnis, sprechen wir von einer Vergewaltigung. Dies zu legitimieren wäre doch eher kompliziert und erinnert an die SVP, welche sich auch noch vor wenigen Jahren dafür ausgesprochen hat, dass Vergewaltigung in der Ehe keine Straftat ist oder die Polizei, welche Betroffene von sexualisierter Gewalt noch dafür verantwortlich machen wollen. Doch kritisieren und bekämpfen wir nicht gerade derartige Strukturen wie die Staatsgewalt? Die Frauen* oder die Freundinnen* von Sprayern werden in der oben kritisierten Sprayerei als Objekte und Angriffsflächen für Auseinandersetzungen zwischen Männergruppen definiert. Genau dieselbe Tonalität kritisieren wir bei den Floskeln wie «fuck the police», welche wieder darstellen, wie Menschen durch das ficken von anderen, sich über diese stellen können.

Eine Gruppierung kritisiert eine solche Zurschaustellung patriarchaler Dominanz am Brückenpfeiler im Raum Reitschule/Schützenmatte. Das Graffiti wird übersprayt mit Kritik an angebrachtem Wandbild. Wir solidarisieren uns hiermit mit der Aktion. Die Reaktion von 031/FEAR überrascht kaum. Wie die Aktivist*innen in ihrer Kritik sagen; «same old bullshit». Kennen wir. Bagatellisieren, Banalisieren, Homogenisieren von Unterdrückungsmechanismen. Heisst: Es geht um Privilegierte, in diesem Falle CIS-Männer, welche in keiner Weise von sexistischer Diskriminierung gegen Geschlechteridentitäten, welche sich nicht CIS-Männlichkeit einordnen lassen wollen, betroffen sind. Und Menschen, welche sexistische Diskriminierung am eigenen Leib erleben, nicht still sind, dagegen ankämpfen Tag für Tag. Diese diskriminierten Menschen zeigen einen Missstand auf. Als Beispiel, dass fast alle weiblich gelesenen Personen sexualisierte Gewalt erleben und Vergewaltigungen gegen Frauen* keine Seltenheit sind. Männer reagieren darauf, indem sie sagen, dass auch Männer vergewaltigt werden können. Wieso können Menschen nicht einfach sagen: «Scheisse ja, das ist verdammt schlimm, dass so viele Frauen* strukturell diskriminiert und dadurch sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind!». Anyway. Die Reaktion von 031/FEAR folgt bald (siehe Bild).

UNITE und «know your real enemies». Also wen genau? Denn unsere Feind*innen sind jene, welche einer hierarchiefreien Welt im Wege stehen. Patriarchale Dominanz ist Hierarchie at its finest. Patriarchale Strukturen bilden die Grundlage für ganz viele Feind-Bilder für Freund*innen eines guten Lebens. Beispielsweise bilden Männerbünde, patriarchale Dominanz und die Abwertung und Objektifizierung der Frau als die Schwächere, die Grundlage für Faschismus und faschistoide Zusammenschlüsse. Toxische Männlichkeit, patriarchale Dominanz, unbegrenzte Solidarität zwischen Männern, Corps-Verhalten, etc. kennen wir auch aus der Polizei. Darum; Wir kennen unsere wahren Feind*innen. All jene Menschen, welche patriarchale Gewalt und Unterdrückung reproduzieren und nicht bereit sind, einen Reflexionsprozess anzustossen. Ob ihr das seid, die Polizei, der Staat, die SVP, Nazis, Männerbünde, sexistische Ultras, welche eine Demonstration gegen das Patriarchat im September angegriffen haben, Kapitalist*innen, fundamentale Religiöse, Abtreibungsgegner*innen, etc. Wir brauchen keine Herzen und Aufrufe, uns zu vereinen («unite!»). Wieso sollen wir bei diesem «same old bullshit» immer noch mitspielen? Für feministische anti-sexistische und hierarchiefreie Kämpfe! United we stand – aber nicht ohne Grundsatzdiskussion.

[1] Wir benutzen hier bewusst ausschliesslich den männlichen Genus, da die Szene lediglich Männer als etablierte Sprayende akzeptiert.

[2] Konsens bedeutet, dass eine zurechnungsfähige Person ausdrücklich und freiwillig einer Handlung zustimmt. Nur ein freies Ja bedeutet Ja. Nur wenn man weiss, zu was man genau ja sagt, zählt es als Ja. Bezüglich Awareness heisst dies, dass man nichts über den Kopf der betroffenen Person hinweg unternimmt sondern nur mit ihrer Einwilligung aktiv wird – damit behält sie die Kontrolle über das, was passiert (siehe Awarenetz.ch).