Queerfeministischer Aktionstag

Inhalt:
1. Aufruf
2. Mobivideo
3. Communiqué
4. Medienbericht


1. Aufruf (Originalquelle: https://barrikade.info/article/2476?)
Raum schaffen – Platz nehmen – das Patriarchat von der Strasse fegen
Raum schaffen – Platz nehmen – für ein solidarisches Zusammenleben

Es ist eine bewegte Zeit. Überall regt sich der Widerstand. Nehmen wir als Beispiel die Demonstrationen im Herbst 2018 gegen Bolsonaro, bei welchen tausende Frauen* und queere Menschen auf brasiliens Strassen gingen. Oder die konstanten Proteste aufgrund der über tausend verschwundenen, ermordeten indigenen Frauen* aus Nordamerika. Oder der Women’s March am 19. Januar in den USA und Kanada und der Frauen*streik am 14. Juni in der Schweiz, bei welchem über 500’000 Menschen landesweit protestierten. Ein weiteres lokales Beispiel ist das erste queerfeministische Hip-Hop Festival in Europa, welches in Bern stattgefunden hat. Oder die Demonstration „Remember Stonewall“ am 29. Juni in Basel, die an die Stonewall Krawalle (1969) erinnerte. Weltweit gab es diesen Sommer diverse Prides wie in Südkorea (70’000) und Madrid (400’000). Weitere werden folgen: im Oktober in Taiwan, bei welcher erwartet wird, dass sie die grösste asienweit sein wird und in Rio de Janeiro (1,2 Millionen Menschen jährlich).

Diese Nachrichten und viele mehr zu lesen, geben uns Kraft, um dieses patriarchale System, welches uns alle auf unterschiedliche Weise unterdrückt, weiter zu bekämpfen.
Dennoch brauchen wir weitere Momente des Starkseins, des Kämpfens. Und genau deswegen nehmen wir uns am 21. September um 15:00 in Bern die Strasse. Dies machen wir offen für alle ausser cis Männer*. Erklärungen bezüglich dieser Formulierung und der gewählten Aktionsform und auch themenbezogene Texte werden im Verlauf der nächsten Zeit auf barrikade.info erscheinen.
Nach der Demonstration wird es zudem ein Zusammensein geben, offen für alle Menschen. Haltet euch also so oder so diesen Samstagnachmittag frei.“
UPDATE 25.08

Treffpunkt 15:00 beim Bahnhofplatz Bern (Baldachin) zur Demo (offen für alle ausser cis Männer). Anschliessend um ca. 17:00 beim Falkenplatz gemeinsames Zusammensein (offen für alle Geschlechter) mit Essen, Getränken und Musik. Es wird während der Demo eine Kinderbetreuung geben, falls Menschen das möchten gerne über smash-patriarchy@immerda.ch melden.

Meeting point 15:00 Bahnhofplatz Berne (Baldachin) for the demonstration (open for all except cis men). Afterwards at around 17:00 get-together (open for all genders) with food, drinks and music. There will be a childcare provided during the demonstration. People who would like that please send us an email at smash-patriarchy@immerda.ch.


2. Mobivideo (Originalquelle: https://www.facebook.com/feminfobern/videos/532226374269964/)


3. Communiqué (Originalquelle: https://barrikade.info/article/2635)
300 Menschen nahmen gestern, am 21.9. lautstark und selbstbewusst auf den Strassen und Plätzen Berns Raum ein. Denn im Alltag werden wir im öffentlichen Raum angestarrt, angemacht und überschaut, verdrängt und angepöbelt. Dies passiert uns, weil wir trans Frauen sind, weil wir cis Frauen sind, weil wir trans Menschen sind, weil wir inter, nonbinär, queer sind oder auch, weil wir diese Kategorien über den Haufen werfen wollen.

Diese Demo war offen für alle ausser cis Männer. Dies, weil wir alle sexistisch aufgezogen werden und die Rollenbilder, mit denen wir aufwachsen, sich auch an Demos bemerkbar machen. So reisst in der Regel ein cis Mann am Megafon die Parolen an, cis Männer tragen Transpis, machen Schutz, zünden Feuerwerke. Der Rest von uns macht diese Dinge jedoch nicht weniger gut – nur weniger oft.
Eine Demo ohne cis Männer stellte für uns deshalb die Möglichkeit dar, dass sich der Raum für andere Menschen öffnet und sich Menschen trauen Dinge zu tun, die sie noch nie getan haben. So versuchen wir Wissenshierarchien abzubauen und uns gegenseitig zu ermächtigen.

Die Demo war unbewilligt, weil wir zeigen und erleben wollten, dass wir unsere Kämpfe selbstbestimmt führen können und selbstbestimmt führen wollen. Wir versuchen uns ausserhalb der staatlichen Strukturen zu bewegen, weil diese in sich sexistisch und unterdrückend aufgebaut sind und so zu keinerlei Befreiung führen können. Die Initiativen, Frauenquoten und all die parlamentarischen Vorstösse die der Frauen*streik, der feministische Streik, ausgelöst hat, interessieren uns nur am Rande. Klar wollen wir auch diese kleinen Schritte. Aber wir wollen viel mehr und zwar jetzt!

Wir haben uns heute stark gefühlt, einen Moment der Selbstermächtigung erlebt. Die ganze sexistische, normative Kacke für einen Moment hinter uns gelassen und einen Moment der Verbundenheit, Stärke und des sich sicher Fühlens kreiert. Es gab vereinzelte Situationen, in denen Menschen versuchten, die Demo zu stören. Gleichzeitig gab es aber auch zahlreiche positive und schöne Reaktionen, welche uns zum weiterkämpfen ermutigen. Nach der Demo durch die Innenstadt nahmen wir uns den Falkenplatz. Das dortige Beisammensein war bewusst offen für alle, auch für cis Männer. Wir haben gegessen, es gab Konzerte. Danach tanzten wir gemeinsam zur Reitschule.

Die Stimmung während des gesamten Tages nahmen wir als extrem schön und ermächtigend wahr. Wir wurden von einer solidarischen Gruppe unterstützt, welche unter anderem das leckere Essen bereitgestellt hat. Merci tuusig!


4. Medienbericht (Originalquelle: https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/zwei-demos-in-bern-210919/story/22553697)
Zwei Demos in Bern (21.09.19)
Derweil trafen sich am Nachmittag unter dem Baldachin am Bahnhof rund 200 Personen im Rahmen eines queer-feministischen Aktionstages. Sie wollten darauf aufmerksam machen, dass es viele Geschlechter gebe und nicht nur zwei. Die Kundgebung war nicht bewilligt, verlief aber friedlich. Die Demonstrierenden zogen via Spitalgasse und Waisenhausplatz zum Bollwerk und später zum Falkenplatz. Dort ist ab 17 Uhr ein gemeinsames Zusammensein mit Essen, Getränken und Musik vorgesehen.