Gummibootdemo Thun

Inhalt:
1. Aufruf
2. Demo verschoben
3. Kurzbericht
4. Bilder


1. Aufruf (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/07/33615.shtml)
Sonntag, 10. Juli, Treffpunkt: 12.30 Uhr, Bahnhofplatz Thun, Nach der rund 4-stündigen Aarefahrt gibts ein G8 Bräteln in Bern.
Mitnehmen:
gute Schwimmkenntnisse, Gummiboot, Sonnencrème, Proviant (auch zum Bräteln), Schwimmwesten, Transpis, Fahnen, wasserdichte Megafone und Ghettoblaster.
Wenn es regnet, wird die Demo abgesagt. Infos dazu ab dem 9.7.05 auf der Telefonnummer: 076 540 63 95 oder auf www.anti-wto.ch.
In Schottland und weltweit werden während dem G8-Gipfel Hunderttausende ihren Protest gegen deren Politik zum Ausdruck bringen. Mit der Gummibootdemo von Thun nach Bern zum Abschluss des Resist-Camps in Thun (8.-10. Juli) wollen wir uns diesen Protesten anschliessen und den in der Aare Badenden zwischen Thun und Bern unsere Anliegen näher bringen. Nähere Informationen und das genaue Programm des Basislagers in Thun finden sich auch der Homepage http://a-g-o.antifa.net

Aufruf zur Gummibootdemo:
G8 abschiffen
Vom 6.-8. Juli 2005 treffen sich die G8, d.h. die sieben führende Industrieländer und Russland im Golfhotel Gleneagles im schottischen Perthshire, um ihre kapitalistische Herrschaftspolitik gegen die Bedürfnisse der Mehrheit der Menschen voranzutreiben. Zu erwarten sind einmal mehr trügerische Absichtserklärungen der Staatschefs zur Verbesserung des Zustandes der Welt – diesmal vordringlich in Sachen „Afrika“ und „Klimawandel“. Was sonst noch so läuft am G8, bleibt der Öffentlichkeit aufgrund des informellen Rahmens des Treffens verborgen.
Seit nunmehr 30 Jahren treffen sich die Staatschefs der acht mächtigsten Industrieländer der Welt (Frankreich, Großbritannien, Deutschland, USA, Kanada, Italien, Russland und Japan) zum so genannten G8 (Gruppe der acht). Der Hintergrund dieser Gipfeltreffen ist die informelle Diskussion vordringlicher „globaler Probleme“ auf höchster Ebene. Dabei verstehen sich die G8 als „informelle Allianz von Nationalstaaten, die auf den gemeinsamen Grundwerten von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten, Marktwirtschaft, Freihandel und Rechtsstaatlichkeit Verantwortung für globale Fragen übernimmt“. Tatsächlich jedoch handeln die G8 nur nach den Prinzipien der Marktwirtschaft und des Freihandels, der Rest ist selbstlegitimierende Garnitur. Zusammen mit Vertretern von Weltbank, IWF, WTO, EU und der UNO treiben die mächtigsten Staatschefs die vordringlichen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Themen ihrer Agenden voran, was bedeutet, dass Hindernisse im kapitalistischen Akkumulationsprozess beseitigt und neue Felder der Profitabschöpfung gefunden werden müssen. Diese Politik hat für die Mehrheit der Menschen verheerende Folgen, wie die seit den 80er Jahren andauernde neoliberale Offensive gezeigt hat: Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, Flexibilisierung der Arbeit, Präkarisierung der Lebensverhältnisse, Enteignung von lebensnotwendigen Ressourcen, neue Kriege usw.
Für die britische G8-Präsidentschaft 2005 sowie für das diesjährige Gipfeltreffen in Gleneagles hat Gastgeber Tony Blair „Afrika“ zu einem zentralen Thema ernannt. Wie schon am letzten G8-Gipfel in Evian beteuern die Staatschefs, man sei bestrebt danach, Afrika bei der Bewältigung seiner Probleme zu helfen und mehr zur Umsetzung der Millenium-Entwicklungsziele der UNO beizutragen. Letztere zielen offiziell darauf ab, in Afrika die extreme Armut und Aids zu bekämpfen sowie die Bildung zu fördern. Tatsächlich aber wird von den G8 unter den Labels „fostering trade“ und „economic growth“ weiterhin knallharte Interessenspolitik im grossen Stil betreiben, wie etwa das Cotonou-Abkommen von Juni 2000 zeigt: mittels sog. „Economic Partnership Agreements“ (EPAs), bilateralen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen soll die Industrie und die Landwirtschaft im afrikanischen, karibischen und pazifischen Raum (AKP-Staaten) liberalisiert und dereguliert werden. Aufgrund der asymetrischen Machtverhältnisse und der Abhängigkeit von Entwicklungsgeldern, können die AKP-Staaten den EU-Forderungen zur Liberalisierung der Märkte, Güter und Dienstleistungen nichts entgegenhalten. Die Abschaffung der Einfuhrzölle in „gering entwickelten“ Ländern zieht erfahrungsgemäss eine Marktüberschwemmung mit zum Teil hoch subventionierten Importen nach sich, so dass die einheimischen ProduzentInnen im „Wettbewerb“ nicht bestehen können und ihre Existenzgrundlage verlieren.
Dies zeigt, dass die G8 die existenziellen Probleme von Millionen Menschen nicht lösen wollen und können, sondern diese Probleme über den Ausbau und die Stabilisierung des bestehenden Herrschaftssystems vielmehr (re)produzieren. Der verschwindend geringe Betrag, den die führenden Industriestaaten an Entwicklungsgeldern zahlen, ist nur ein karitatives Anhängsel ihrer rücksichtslosen Politik und steht in keinem Verhältnis zum Gewinn, den sie durch die Erschliessung der neuen Märkte und der Aneignung von Ressourcen erzielen. Über das zentrale Problem der Verschuldung, die in Afrika und andernorts den Aufbau von demokratischen und sozialstaatlichen Strukturen verhindert, wird auch am G8 nicht ernsthaft diskutiert werden.
Deshalb und aus vielen Gründen mehr gilt es während dem G8 Tony Blair, der verlauten liess: “I am certain that my G8 colleagues and their officials will return home enthusing about the attractions of Scotland and the warm welcome Scotland offers all visitors” einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Auf ins Boot zur Unterstützung der Proteste gegen den G8 in Schottland! Den G8 verschiffen und solidarische Perspektiven entwickeln!

2. Demo verschoben (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/07/34092.shtml)
Wegen dem kalten und regnerischen Wetter haben wir uns entschieden die für morgen geplante Gummibootdemo gegen den G8 Gipfel zu verschieben. Wir planen die Demo nun am kommenden SAMSTAG, 16. JULI durchzuführen. Gleiche Zeit, gleicher Ort.
Treffpunkt: Samstag, 16.7.2005, 12.30 Uhr Bahnhofplatz Thun
Mitnehmen: gute Schwimmkenntnisse, Gummiboot, Sonnencrème, Proviant (auch zum Bräteln), Schwimmwesten, Transpis, Fahnen, wasserdichte Megafone und Ghettoblaster.
Ankunft Bern-Marzili, ca. 18 Uhr, anschliessend G8 bräteln in Bern.

3. Kurzbericht (Originalquelle: http://ch.indymedia.org/de/2005/07/34340.shtml)
Aktivisten aus de ganzen Schweiz trafen sich bei sonnigem, lupfigem Wetter in Thun, pumpten ihre Schlauchboote auf und stürzten sich hinterlistig in die Aare. Es waren denn nicht wenige, die nach Thun angereist waren, es formierte sich eine Armada von ca. 50 Booten. Während der Gummibootdemo traf denn auch genau das ein, wovor sich die Aarebeckenanrainer gefürchtet hatten: es wurde unaufhörlich randaliert, Fische angesprayt, Steine ins Wasser geworfen und mit wasserfesten Molotov-Cocktails steuerzahlende Badegäste angegriffen. Oder so ähnlich. Jedenfalls haben wir uns gut amüsiert 😉
Nach dem vierstündigen, nautischen Saubannerzug begann Phase 2 der „Operation Kapitän Blaubär“: die Invasion der Hauptstadt!
Klandestin wurden die Schweinebuchten des Eichholz und des Marzili handstreichartig erobert. Die Verteidiger der Schweizer Demokratie konnten dem Ansturm nicht standhalten, im Nu fanden sich die Aktivisten zwischen Bundeshaus und Nationalbank wieder. Zu Musik aus dem mitgebrachten Soundsystem verpflegte sich die Horde. Mehrere Stunden dauerte das Gelage unter den Augen der vielen Schaulustigen. Die Stimmung war ausserordentlich gut, dem konnte auch der Riotbullenaufmarsch keinen Abbruch tun. Schnell sahen sie ihre zahlenmässige und intellektuelle Unterlegenheit ein und verzogen sich in ihr Loch zurück.
Da der netzunabhängige Strom mittlerweile ausgegangen war, verschob sich die Meute gegen 23.30 Uhr auf den Bärenplatz. Mit Strom vom Netz ging die Party dann Richtig ab, es wurde auf Teufel komm raus abgeshaked, so dass die altehrwürdigen Lauben erzitterten. Nach revolutionären Chansons zogen sich die Party People auch noch Elekronika rein. Im Tanz vermischten sich Aktivisten mit ordinären Nachtschwärmern, doch gegen 02.00 Uhr morgens nahm die ausgelassene Stimmung aprubt ein Ende: die Cops nutzen die alkoholbedingte Schwäche des Tanzvolkes, zog den Stecker raus, pfefferte eine Person neben dem Mischpult nieder und um das ganze abzurunden wurde ein Mensch in Gewahrsam genommen und eine Ladung Gummischrot aus der kavaliersmässigen Distanz von 3 Metern abgefeuert. Und das vergessen wir ihnen nicht!

4. Bilder (Originalquellen: http://ch.indymedia.org/de/2005/07/34340.shtml & http://ch.indymedia.org/de/2005/07/34334.shtml)

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