Archiv für Neue Soziale Bewegungen
Ablehnung -SVP-Motion Schulbesuche ABQueer

Ablehnung -SVP-Motion Schulbesuche ABQueer

Inhalt:
1. SVP-Grossrätin will Schulbesuche von Homosexuellen verbieten
2. Ablehnung SVP Motion


1. SVP-Grossrätin will Schulbesuche von Homosexuellen verbieten (Originalquelle: https://www.blick.ch/politik/svp-grossraetin-will-schulbesuchen-von-homosexuellen-verbieten-schwule-sind-ihr-zu-cool-id16383115.html)
Seit Jahren besucht der Berner Verein ABQ Schulen. LGBTQI-Personen – etwa Lesben, Schwule oder Bisexuelle – diskutieren mit den Jugendlichen über Themen wie Geschlechtsidentität. Eine SVP-Grossrätin will dieses Angebot nun verbieten.

Schwule und Lesben des Berner Vereins ABQ besuchen Schulklassen und berichten von ihrem Coming-out – bereits seit über 20 Jahren. Der Austausch mit nicht-heterosexuellen Menschen soll den Jugendlichen helfen, sich eine eigene Meinung zu sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität zu bilden. Und vor allem: Ein «gleichwertiges Bild von allen Lebens-, Liebes- und Geschlechtsformen» vermitteln.

Aufklären, gegen Homophobie angehen: Dagegen sollte heutzutage kaum jemand etwas einzuwenden haben – wo doch die «Ehe für alle» zumindest nach dem Willen des Parlaments beschlossene Sache ist.

Zu «coole» Besucher
Eine Gegnerin gibt es aber: die Berner SVP-Grossrätin Sabina Geissbühler (70). Wie «Der Bund» berichtet, fordert sie im Berner Kantonsparlament ein Verbot dieser Schulbesuche. Sie mache sich Sorgen um die heterosexuellen Jugendlichen, die dadurch «verunsichert» würden.

Die Kantonsparlamentarierin betont, kein Problem mit Homosexuellen zu haben. Sie störe sich aber daran, dass der Verein vor allem junge Aktivisten in die Schulen schicke: «Die Jugendlichen schwärmen dann von denen und finden sie cool.»
Kritik auch aus der eigenen Partei

Der Vorstoss sorgt in Bern für viel Kritik, gerade von Lehr- und Fachpersonen. Im Berner Kantonsparlament ist er ohnehin chancenlos, und auch der Regierungsrat hat ihm bereits eine Absage erteilt. Selbst in der eigenen Partei macht sich Geissbühler keine Freunde: Das sei eine «Steinzeit-Forderung», kritisiert etwa Parteikollege Janosch Weyermann von der Gay SVP.

Sabina Geissbühler ist die Mutter der bekannten Berner SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler (44). Geissbühler senior steht nicht zum ersten Mal in der Kritik: Vor einigen Jahren sorgte sie mit einem Eritrea-Besuch für Schlagzeilen, in dem sie ein sehr positives Bild von den Zuständen im Land zeichnete – und daraufhin prompt kritisiert wurde, ein Unrechts-Regime zu beschönigen. (gbl)


2. Ablehnung SVP Motion (Originalquelle: https://www.derbund.ch/weiterhin-besuche-von-homosexuellen-an-berner-schulen-804361705337)
Weiterhin Besuche von Homosexuellen an Berner Schulen
SVP-Grossrätin Sabina Geissbühler wollte mit einer Motion ein Schulprojekt verbieten, das mit Klassen über Homosexualität spricht. Damit scheitert sie nun deutlich.
Aktivistinnen und Aktivisten des Vereins ABQ dürfen weiterhin Berner Volksschulen besuchen, um mit Jugendlichen über Homosexualität zu sprechen. Mit 111 zu 27 Stimmen hat der Grosse Rat am Donnerstag eine Motion abgelehnt, welche diese Besuche stoppen wollte.

Motionärin Sabina Geissbühler-Strupler (SVP/Herrenschwanden) kritisierte, die Aktivisten stellten Fragen wie «Bist du dir unsicher, ob du auf Frauen, Männer oder beides stehst?“ Dadurch würden junge Menschen verunsichert. (Lesen Sie hier, was ABQ genau macht und warum Geissbühler dies verbieten wollte.)
Weiter nach der Werbung

Denn in einer gewissen Entwicklungsphase seien Mädchen nun mal lieber mit Mädchen und Buben mit Buben zusammen. Das sage nichts über ihre spätere sexuelle Orientierung aus. Die Suggestivfragen sorgten bloss für Verwirrung.
Die Ratsmehrheit lehnte ein Verbot der Schulbesuche ab. Es sei wichtig, dass die sexuelle Orientierung an den Schulen thematisiert werde, hiess es. Den Lehrkräften und Schulleitungen stehe es frei, ob sie vom Angebot des Vereins Gebrauch machten. Zudem könnten Eltern ihre Kinder von der Teilnahme an den Anlässen dispensieren.

Erziehungsdirektorin Christine Häsler ergänzte, Lehrkräfte schätzten mitunter den Einbezug externer Personen. Diese könnten manche Inhalte besser vermitteln. Der Regierungsrat lehne es ab, externen Fachpersonen den Schulbesuch zu verbieten.
Das ABQ-Schulprojekt besteht seit 1999, wie es auf der Website des privat finanzierten Vereins heisst. ABQ ist ein Wortspiel aus dem «ABC», das die Jugendlichen bereits kennen, und «Queer», was so viel bedeutet wie «von der Norm abweichend». Etwa 20 Mitglieder des Vereins führen pro Schuljahr in den Kantonen Bern, Freiburg und Jura rund 35 Schulbesuche durch.