Demonstration Stop Isolation Migrationsdienst Kt. Bern

Inhalt:
1. Aufruf
2. Bericht
3. Medienbericht


1. Aufruf (Originalquelle: https://migrant-solidarity-network.ch/2020/08/17/heute-14-uhr-protestaktion-von-stopp-isolation-vor-dem-migrationsdienst-wir-wollen-endlich-ernst-genommen-werden/)
Heute 14 Uhr | Protestaktion von Stopp Isolation vor dem Migrationsdienst | „Wir wollen endlich ernst genommen werden“
Die Gruppe «Stopp Isolation» ist heute erneut in Bern, um zu protestieren. Die Behörden ignorieren unsere Anliegen. Wir wollen eine Lösung.

Um 14 Uhr werden wir den Migrationsdienst besuchen, um unseren Unmut kundzutun. Ob Staatssekretariat für Migration, Sicherheitsdirektion oder Bundesplatz, nirgends hörte man uns tatsächlich zu. Stattdessen wurden wir als «undemokratisch» und «unsolidarisch» beschimpft. Sie sprachen von einer «organisierten Show» und einer ungerechtfertigten «Lobbyorganisation». Wir waren immer gesprächsbereit, nahmen die Behörden ernst und wollten gemeinsam eine Lösung suchen. Das wollen wir auch jetzt noch.

Im Brief an den Kanton und an das SEM sprechen wir von unserer Realität. Wir sind in der Schweiz und das zum Teil seit vielen Jahren. Wir können hier nicht weg. Deswegen sind die Camps nun unsere Realität. Und Racial Profiling, Isolation, keine Arbeit, kein Einkommen, Diskriminierung, psychische Probleme, kaum Bewegungsfreiheit, keine Selbstständigkeit, ungleiche Behandlung, eingeschränktes Privatleben, Unterschriftenzwang und ein ungenügender Zugang zu Bildung und Gesundheit gehören zu unseren Realitäten. Mit all dem leben wir.
Dem Migrationsdienst wird bei der Aktion auch ein neuer Brief überreicht.
Ablauf: 13 Uhr Treffpunkt grosse Halle, 14 Uhr Protestaktion vor dem Migrationsdienst


2. Bericht (Originalquelle: https://www.facebook.com/migrantsolidaritynetwort/posts/606668230046844)
Der Migrationsdienst des Kanton Bern zeigte sich gestern mehrfach verschlossen.
Stopp Isolation wurde mit einem Gitterzaun empfangen. Aus dem Gebäude schauten Aeschlimann und Mitarbeitende des Amtes für Bevölkerungsdienste. Raus kam kein Mensch. Die einzige Botschaft: Eine schweizer Person dürfe rein zum Reden. What? Nennt ihr das etwa gesprächsbereit?


3. Medienbericht (Originalquelle: https://www.journal-b.ch/de/082013/politik/3669/Der-Protest-geht-weiter.htm?)
Der Protest geht weiter
Erneut haben geflüchtete Migrant*innen mit Negativentscheid für ihre Rechte demonstriert. Die Gruppe zog am heutigen Montag vor den Migrationsdienst des Kantons Bern um ihre Forderungen zu überbringen.

Es ist das nächste Kapitel eines Kampfes um Freiheit und Würde, das die Gruppe «Stopp Isolation» heute eröffnet. Knapp 100 Personen setzen sich am frühen Nachmittag von der Grossen Halle aus in Bewegung und marschieren zum Migrationsdienst des Kantons Bern in Ostermundigen.Der Protest wird auch heute eine Fortsetzungsgeschichte bleiben, deren Ausgang ungewiss ist. Die abgewiesenen Asylsuchenden aus den Rückkehrzentren Bözingen, Gampelen und Aarwangen haben sich vor etwas mehr als einem Monat mit einem Brief ans SEM gewandt (Journal B berichtete) und wenig später auf dem Bundesplatz demonstriert. Heute dürfen sie, von einem Zaun umgeben, bis auf wenige Meter vor das Bürogebäude des Migrationsdienstes an der Ostermundigenstrasse heran. Die Symbolik des allgegenwärtigen Metallgitters passt zu dem, was Saeed Farkhondeh, ein Sprecher der Gruppe, später am Mikrofon sagen wird: «Ihr behandelt uns wie Tiere. Aber wir sind gekommen, um für unsere Freiheit einzustehen.»

Der Brief mit den Forderungen an den Migrationsdienst, den die Gruppe verfasst hat, darf anschliessend von einem Aktivisten, eskortiert von zwei Polizist*innen, ins Gebäude gebracht werden. Von Seiten des Kantons lässt sich draussen aber niemand blicken, was zu Unmut auf dem in der Sonne erhitzten Teerplatz führt. «Wir wollen reden», skandieren die Menschen. Zuvor haben sie sich hingesetzt und farbige Blätter in die Luft gehalten. Darauf stehen Jahrzahlen, 2010 etwa oder 2013. Es ist das Jahr ihrer Ankunft in der Schweiz, einige sind seit mehr als zehn Jahren hier und seit ihrem Negativentscheid leben sie illegal im Land. Ihr Leben in den Rückkehrzentren des Kantons kritisieren sie als diskriminierend und gesundheitlich nicht zumutbar. Sie fordern unter anderem Aufenthaltsbewilligungen, Zugang zum Arbeitsmarkt und ein Ende der Ausschaffungspraxis.

Der 19jährige Saeed Farkhondeh kam vor sieben Jahren aus dem Iran in die Schweiz. Momentan lebt er im Rückkehrzentrum Aarwangen. Die Situation dort beurteilt er als sehr schlecht: «Wir haben keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung und erhalten im Zweifelsfall einfach Schmerztabletten.» Die Behandlung durch die Angestellten der ORS AG, welche die Berner Rückkehrzentren betreibt, sei sehr unmenschlich, fährt Farkhondeh fort. Deshalb gäbe es für ihn keine andere Wahl, als mit dem Protest fortzufahren. «Es ist frustrierend und schade, dass wir nicht ernst genommen werden», sagt er und blickt zu der Gebäudefassade, hinter deren Glasscheiben sich die Silhouetten der Kantonsangestellten abzeichnen.

«Muss zuerst ein Mensch sterben, bevor etwas geschieht? ruft Farkhondeh etwas später ins Mikrofon, seine Stimme schallt durch die flirrende Luft und die Frage bleibt unbeantwortet. Vor wenigen Wochen hat sich ein abgewiesener Asylsuchender bei einer Demo auf dem Bundesplatz angezündet. Einige Tage davor hatte die Sicherheitsdirektion des Kantons Bern in einer Medienmitteilung die Forderungen der Gruppe Stopp Isolation als «undemokratisch» und «unsolidarisch» verurteilt, was breite Kritik hervorrief. Der politische Rückhalt der Gruppe ist mittlerweile breiter geworden. Seit heute solidarisiert sich auch die SP Kanton Bern, nebst der Alternativen Linken, der PdA und den Grünen Kanton Bern, mit den geflüchteten Migrant*innen und ihren Forderungen.